IPHOFEN

Elke Fischer: Ein Leben als Künstlerin in Iphofen

Mit Freude, Kreativität und Urvertrauen geht Elke Fischer ihre Arbeit an - und mit unglaublichen vielen Materialien.
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Kreatives Umfeld: In ihrer Werkstatt arbeitet Elke Fischer mit vielen unterschiedlichen Materialien. Beobachtet wird sie dabei stets von ihren ganz eigenen Jagdtrophäen. Foto: Fotos: Ralf Dieter
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Sie hat Urvertrauen. In sich selbst. Und in ihre Arbeit. Die ist so vielfältig wie ihre Interessen. Ein Besuch bei Elke Fischer in ihrer Iphöfer Werkstatt.

An der Wand hängen Karikaturen von Jagdtrophäen. Ein Esel aus Tweed, ein Reh mit einem Geweih aus Birnbaumzweigen und ein freundlich dreinblickendes Wildschwein. Die Regale sind voll mit Beschlägen, Nägeln, Schrauben und Armaturen. An der Wand hängen Feilen, Hammer und eine Motorsäge. Voll bepackt mit Anregungen und Möglichkeiten ist die Werkstatt – und dennoch nicht chaotisch, sondern aufgeräumt. Jedes Ding hat seinen Platz. Die Werkstatt spiegelt das Innenleben der Iphöfer Künstlerin wider.

Elke Fischer erzählt von ihrem Leben, während sie einem Pferdekopf aus Stoff einen schwarzen Mund aufstickt. Sie holt weit aus, beginnt in ihrer Kindheit. Sie erzählt von frohen Momenten, lässt die schwierigen Zeiten nicht aus. „Das alles gehört zusammen“, sagt sie. „Das alles macht mich aus.“

In Amberg ist sie zur Welt gekommen, mit fünf Jahren mit der Mutter nach Iphofen gezogen. Die Eltern ließen sich scheiden. Vielleicht hat sie sich deshalb zurückgezogen, dem Schnitzen und dem Malen gewidmet. Eine ihrer frühesten Erinnerungen: Sie sitzt im Alter von vier Jahren im Wald und soll auf die Eltern warten, die in die Pilze gegangen sind.

Also beschäftigt sie sich mit den Materialien, die sie vorfindet: Aus Steinen, Moos und Holz fertigt sie kleine Figuren an. Aus Blättern legt sie eine Straße. Langeweile ist für sie keine Strafe, nichts Deprimierendes. Im Gegenteil: Langeweile ist die Triebfeder für Kreativität. „Ich habe aus jedem Material etwas gemacht“, erinnert sie sich. Geändert hat sich daran nichts.

Der Vater war Kunstschmied, der Stiefvater Schreiner. An Material hat es Elke Fischer nie gemangelt. Ihre Puppen hat sie selbst hergestellt, Boote und kleine Tiere aus Holz geschnitzt. „Ich habe schon als Kind gesehen, wie die Flächen zueinander stehen, wie sie zueinander passen“, erinnert sie sich. Ihre Erkenntnis: „Alles besteht aus Flächen, die sich zusammensetzen.“ Dieses Gespür für Formen hat sie in die Wiege gelegt bekommen. „Das ist es wohl, was man Talent nennt.“

Ihr Talent führte sie nach der Schulzeit nach Bischofsheim, in eine von drei bayerischen Schulen für Bildhauerei. Ein Zufall war dafür verantwortlich. Eine von mehreren unvorhersehbaren Weichenstellungen im Leben, die ihr Urvertrauen festigten. Beim Blättern im Telefonbuch ist ein Zettel herausgefallen. Handschriftlich war darauf die Adresse und die Telefonnummer der Bildhauerschule notiert. Von wem? Warum? Elke Fischer schüttelt den Kopf.

Sie weiß es bis heute nicht. Was sie weiß: Die Entscheidung war genau die richtige: Der damalige Schulleiter nimmt sie auf, empfiehlt sie nach dreieinhalb Jahren Ausbildung für ein Stipendium an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Der Weg zu einem Leben als Künstlerin schien vorgezeichnet. Doch der neue Akademieleiter in Nürnberg war Elke Fischer nicht geheuer. Ein Treffen und ihre Entscheidung stand fest: „Ich habe das Stipendium abgelehnt.“

Auf das eigene Gefühl hören, der inneren Stimme vertrauen. Eine Stärke von Elke Fischer. Eine Herangehensweise, die sich auch in ihrer Arbeit zeigt. Auch heute noch arbeitet sie mit Materialien, die ihr scheinbar zufällig in die Hände fallen. Ihr Mann betreibt seit mittlerweile 20 Jahren eine Firma für Wohnungsauflösungen. An neuen Anregungen mangelt es nicht. „Einmal haben wir eine ganze Schneiderei aufgelöst“, erzählt Elke Fischer – und ihre Augen leuchten bei der Erinnerung noch Jahre später. Den Dachboden ihres Hauses in der Iphöfer Langen Gasse hatte sie gerade ausgeräumt. Zufall? Schicksal? Egal: Elke Fischer hat unter dem Dach eine Schneiderei eingerichtet, ihr Portfolio weiter ausgebaut. Hüte stellt sie seither selber her, baut den Stoff in ihre Arbeiten ein.

Bunte Hüte im Stil der 1920er Jahre hängen in ihrem verwinkelten Verkaufsraum neben Bildern und Skulpturen aus Holz. Ein Elefant hängt seinen langen Rüssel in ein Weinglas, eine Giraffe züllt aus einem Strohhalm Frankenwein aus einer Weinflasche und auf einer Zeichnung nippt eine Nilpferddame im roten Bikini an einem Glas Rotwein. Ideen hat sie mehr als genug. Ihre kindliche Liebe für Comics hat sie als Erwachsene in Collagen ausgedrückt, Donald Duck und Co in fränkische Landschaften hineinversetzt, sie arbeitet mit Holz, Weinbergsdraht, Gips, Ton und vielem mehr. Im Urlaub, wenn sich andere an den Strand legen, schreibt sie an ihrem Buch und Gedichtband weiter. „Ich kann arbeiten wie ein Pferd“, sagt Elke Fischer über sich selbst. Oft träumt sie von seltsamen Tierfiguren und setzt diese Träume am Morgen in Kunst um. „Manchmal habe ich das Gefühl, das Werkzeug von etwas oder jemand anderem zu sein.“

Vor fünf Jahren war allerdings Schluss mit der Plackerei. Identitätskrise. Elke Fischer spricht selbst von „einer Art künstlerischer Depression“. Sie hat sich zurückgezogen, wollte keine Vernissagen mehr organisieren, keinen riesengroßen Aufwand mehr betreiben, „damit ein paar Leute kommen und sich meine Werke mit gespieltem Interesse betrachten“.

Die Krise hat sie längst überwunden, die Depression ist einer neuen Schaffensphase gewichen. „Ein Künstler ist nun mal ein Künstler“, sagt sie und zieht die Augenbrauen hoch. Will heißen: Sie kann gar nicht anders, als immer neue Dinge zu erfinden, immer neue Materialien zum Leben zu erwecken. Ihre Arbeit wird weitergehen. Mit Freude, Kreativität und Urvertrauen.

Kontakt: Elke Fischer, Galerie Kunstfisch, Lange Gasse 4 in Iphofen

Weitere Bilder unter www.infranken.de

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