KITZINGEN

Mit FdH kommt sie gut klar

Die 72-jährige Maria Mergler hat Diabetes – aber die Erkrankung beeinträchtigt ihr Leben kaum.
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Was man an Obst essen darf, passt in eine Hand: Das hat Maria Mergler bei der Diabetes-Schulung gelernt. Foto: Daniela Röllinger
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Maria Mergler nimmt einen Apfel. „Die Tagesration Obst ist so viel, wie in eine Hand passt“, sagt sie. Mehr Obst ist des Fruchtzuckers wegen eigentlich nicht erlaubt, denn die 72-Jährige leidet an Diabetes. Eingeschränkt fühlt sich die Etwashäuserin in ihrer Ernährung trotzdem nicht.

Etwa sechs Jahre ist es her, dass Maria Mergler bei einem Besuch beim Arzt erfuhr, dass mit ihrem Stoffwechsel etwas nicht stimmt. Er überwies sie sofort zum Diabetologen. Gemerkt hat die Etwashäuserin vorher nichts von ihrer Erkrankung und war entsprechend überrascht, als ihr mitgeteilt wurde, sie leide an Diabetes. Das geht vielen so, denn Diabetes verursacht keine Schmerzen. Die Symptome wie ständiges Hungergefühl, Gewichtszunahme, Müdigkeit oder Durst treten auch bei vielen anderen Krankheiten auf und werden oft nicht ernst genommen. Schätzungen zufolge leben heute mindestens 7,2 Prozent der Deutschen mit einer Diabetest-Erkrankung, der Großteil an Diabetes Typ 2, die früher Altersdiabetes genannt wurde, heute aber auch viele Jüngere trifft. Die Dunkelziffer ist hoch, die Zahl der Erkrankten wird Forschungen zufolge in den nächsten Jahren weiter deutlich ansteigen.

Diabetes ist eine Stoffwechselkrankheit und betrifft den Blutzuckerspiegel. Sie wird mit der Einnahme von Tabletten oder dem Spritzen von Insulin behandelt. Die Ernährung spielt eine große Rolle – nicht nur, um den Blutzuckerspiegel in der Gegenwart im Zaum zu halten, sondern auch, um Folgeerkrankungen zu verhindern. Deshalb besuchte Maria Mergler bereits kurz nachdem die Diagnose Diabetes Typ 2 gestellt war, eine Ernährungsberatung, um sich mit dem Thema vertraut zu machen. „Das rate ich jedem, da lernt man wirklich viel.“

Die Umstellungen fielen ihr nicht schwer, zumal sie schon immer frisch gekocht und auf Fertigprodukte verzichtet hat. „Die haben oft viel versteckten Zucker“, warnt sie. Wer alles selbst zubereitet, dem stellt sich diese Falle schon mal nicht, weil er es sprichwörtlich in der Hand hat, was er seinem Körper zuführt. Keine Margarine, sondern Rapsöl und davon nur ganz wenig, rät Maria Mergler. Soßen und Fleischbrühe immer selbst kochen. „Die sterilisiere ich, und wenn ich was brauche, mache ich ein Glas auf“, so die 72-Jährige, die jeden Tag für sich und die Familie kocht. Die warme Mahlzeit gibt es wegen der Arbeit immer am Abend. Mittags isst die Etwashäuserin in der Regel nichts, und wenn, dann nur wenig. „Ich frühstücke gut und das reicht mir“, sagt sie.

Dieser Ernährungsumstellung – eine Mahlzeit wegzulassen – hat sie es auch zu verdanken, dass sie in den letzten viereinhalb Jahren 30 Kilogramm abgenommen hat. Das geringere Gewicht wirkt sich positiv auf die Blutwerte und den Blutdruck aus. „Und ich habe den Zucker wieder im Griff.“ Zumindest fast immer. Im Urlaub nimmt sie es mit der Ernährung dann doch ab und zu nicht ganz so genau. Da gibt es dann schon mal fünf Gänge oder ein Eis zwischendurch. Was sich sofort am Blutzuckerspiegel ablesen lässt – und auch schnell auf der Waage niederschlägt. Direkt spüren kann sie den höheren Blutzucker nicht, sagt sie – „beim Unterzucker ist das anders, da wird es mir schlecht“. Dann trinkt sie einen Schluck Apfelsaft, lutscht ein Bonbon oder nimmt Tropfen, die ihr verschrieben wurden. „Dann geht der Zucker gleich wieder rauf.“ Ansonsten aber gibt es keinen Apfelsaft, „zumindest nicht blank“, nur ab und an mal als Schorle. In der Regel aber trinkt Maria Mergler nur Wasser.

Wegen ihrer Diabetes muss Maria Mergler Insulin spritzen. „Aber nur abends“, sagt sie, während andere Betroffene zu jeder Mahlzeit spritzen. Zudem nimmt die 72-Jährige Tabletten – nicht nur wegen des Zuckers, auch Blutverdünner und Tabletten fürs Herz muss sie nehmen, so wie viele andere ältere Menschen auch.

„Das weiß doch eh jeder“

Bei der Ernährung fühlt sich die Etwashäuserin durch die Diabetes nicht eingeschränkt. Sie isst weniger Fleisch als früher, was ihr aber nichts ausmacht. Statt gekauften Fruchtjoghurt zu essen, gibt sie frisches Obst oder selbst gemachte Marmelade in ihren Quark. Sie verzichtet auf Trauben und Melonen und einige andere sehr zuckerhaltige Obstsorten. Sie verwendet viele Kräuter, die sie in ihrem Garten anbaut, dazu frisches Gemüse, das sie in Etwashausen kauft. „Wir haben das alles vor der Tür, da brauch ich es nicht selbst anzubauen“, sagt sie. Auch der Verzicht auf Weißbrot fällt ihr nicht schwer: „Da weiß doch eh jeder, dass es schlecht für die Gesundheit ist.“

Anregungen für Rezepte gibt es viele. In Büchern, Rezeptheften, in Heften aus der Apotheke. Sie übernimmt Vorschläge aus Kochshows im Fernsehen, die sie sich gerne anschaut, und wandelt sie für ihre Bedürfnisse ab. „Die Zucchiniburger mit Nüssen sind bei den Jungen sehr gut angekommen“, also bei Kindern, Schwiegerkindern und Enkeln, erzählt sie. Weil sie sich viel mit dem Thema Ernährung und Kochen auseinandersetzt, hat sie Erfahrung, was dem Körper gut tut und was nicht. Sie probiert viel aus, experimentiert, achtet dabei weder aufs Gramm noch auf Broteinheiten. „Ich mache FdH, damit komme ich am besten zurecht“, sagt sie.

Ihre Erfahrungen gibt sie gern weiter und ist auch daran interessiert, wie andere Diabetiker mit ihrer Krankheit zurechtkommen. Deshalb engagiert sie sich seit Jahren in der Diabetiker-Selbsthilfegruppe, die sich jeden dritten Mittwoch im Monat im Paul-Eber-Haus in Kitzingen trifft. Man gibt sich gegenseitig Tipps und unterstützt sich, es gibt immer wieder Fachvorträge ins Sachen Ernährung, Medikation, Fußpflege. Maria Mergler ruft andere Betroffene auf, mal bei diesem Treffen vorbeizuschauen: „Es wäre schön, wenn mehr Leute sich mit uns austauschen würden“, sagt sie. Interessenten können einfach vorbeischauen, oder sich bei Maria Mergler unter Tel. 09321/31699 beziehungsweise Franz Ringelmann unter 09324/99850 melden.

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