FAHR-OBEREISENHEIM

Mit eisernem Willen ans begehrte Ziel

„Ich bin ganz schön müde. Alles tut weh, die Füße am meisten“, sagte Elisa Lutz. Sie war eine von 120 angehenden Bundespolizisten, die in ganz Unterfranken unterwegs waren.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Ausstieg aus den Kanus am Obereisenheimer Mainufer war für die Polizeianwärter eine wackelige Angelegenheit. Dank guter Teamarbeit bekam keiner der jungen Polizisten nasse Füße. Foto: Fotos: Peter Pfannes
+1 Bild

„Ich bin ganz schön müde. Alles tut weh, die Füße am meisten“, sagte Elisa Lutz am Mittwoch am Obereisenheimer Mainufer.

Kurz zuvor hatte die 19-jährige Polizeimeisteranwärterin zusammen mit ihren Kameraden in Kanus den Main überquert, um danach auf dem Fluss in Richtung Volkach zu paddeln.

Die junge Frau aus Ebenhausen (Lkr. Bad Kissingen) war eine von 120 angehenden Bundespolizisten, die in dieser Woche in ganz Unterfranken unterwegs waren, um gemeinsam im Team ans physische und psychische Limit zu gehen. Dabei mussten die jungen Frauen (27) und Männer (93) feststellen, dass die Outdoor-Ausbildung der Bundespolizei kein Zuckerschlecken ist. Es war eine große Herausforderung, welche die Akteure an ihre physischen und psychischen Grenzen brachte.

Das Kanufahren war in Anbetracht der Strapazen eher eine angenehme, aber wackelige Angelegenheit. Doch die Flusstour in Richtung Weinstadt war nur kurzzeitig erholsam. Am Fahrer Baggersee in der Nähe des Elgersheimer Hofs, an dem die Gruppe Rast machen wollte, durchbrach ein plötzlicher Hilferuf die Idylle. Eine Person, die sich zum Schwimmen in den See begeben hatte, drohte zu ertrinken. Raus aus dem Kanu. Rein ins Wasser.

Die künftigen Sicherheitskräfte bestanden auch diese Übung wie die vorherigen mit Bravour. 35 Kilometer lange Fußmärsche und Übernachtungen unter freiem Himmel hatten in den Tagen zuvor für ein neues Körpergefühl und für ein Gefühl der Zusammengehörigkeit gesorgt. „Ich lasse mich einfach von den anderen mitziehen und motivieren“, sagte Elisa Lutz auf die Frage, wie eine zierliche Frau diese Strapazen durchsteht. Seit zehn Monaten ist sie im Bundespolizeiaus- und -fortbildungszentrum Oerlenbach untergebracht. Die Outdoor-Ausbildung steht auf dem „Stundenplan“ im ersten Ausbildungsjahr. Insgesamt zweieinhalb Jahre gilt es, Theorie und Praxis zu meistern, ehe sich Elisa Lutz Polizeimeisterin nennen darf.

Schon als Kind hatte sie den Traum, Polizistin zu werden. „Wir haben direkt neben dem Zentrum in Oerlenbach gewohnt.“ Die Polizeiausbildung in unmittelbarer Nachbarschaft ließ sie träumen – und jetzt Wirklichkeit werden. Nach Abschluss der Fachoberschule trat sie ihren Dienst dort an. Ihre Hobbys wie Fußball und Reiten müssen seitdem ein bisschen zurückstecken – in der Outdoor-Ausbildungswoche sogar komplett.

Ein „Nachhause“ gibt es in diesen Tagen nicht, müssen doch Teamfähigkeit und Selbsteinschätzung konzentriert gefordert und gefördert werden. Absolutes Handyverbot und nur fünf Euro in der Tasche sind weitere Kriterien dieser Lernphase. Um die Verpflegung müssen sich die Anwärter, die von mehreren Ausbildern begleitet werden, selbst kümmern. Ein „hartes Stück Brot“ also, das am Donnerstag im Gaibacher Kindergarten seinen Abschluss fand.

Auf spielerische Art und Weise brachten die Polizeianwärter den Mädchen und Buben den Polizeiberuf näher und bastelten mit ihnen Polizeiautos aus Pappe. Fasziniert testeten die Kleinen die Handfunkgeräte und den Einsatzbus der Polizei auf Herz und Nieren. Zum Abschied durften die Kinder am Sportplatz zusehen, wie der Hubschrauber die Polizisten an ihren Standort zurückbrachte.

Wo die jungen Polizeimeisteranwärter in knapp zwei Jahren ihren Dienst verrichten werden, steht noch in den Sternen. Wenn sich Elisa Lutz nach Abschluss ihrer Ausbildung einen Einsatzort aussuchen dürfte, dann hätte sie da schon konkrete Vorstellungen: „Der Frankfurter Flughafen oder der Würzburger Hauptbahnhof. Das wäre super.“

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.