Kitzingen

Mit der Kiefer sind Waldbesitzer künftig auf dem Holzweg

Der Waldumbau wird noch einmal forciert. Der Kreis Kitzingen ist besonders von der Trockenheit und Hitze betroffen.
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Pflanzaktion am Amt für Landwirtschaft in Kitzingen. Landtagsabgeordneter Dr. Otto Hünnerkopf, Bernd Sauer vom Berufsbildungswerk Würzburg, Auszubildender Marcel Steiner und der Bereichsleiter am Kitzinger Amt, Klaus Behr, pflanzen eine Esskastanie.
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Klaus Behr lässt keine Zweifel aufkommen: Der Hitzesommer 2015 hat seine Spuren hinterlassen. „Das war ein einschneidendes Ereignis für unsere Wälder.“ Viel schlimmer als im so genannten Rekordsommer von 2003 haben sich die Hitze und die Trockenheit ausgewirkt. Höchste Zeit also, den Waldumbau fortzusetzen – und zu forcieren.

Auf dem Gelände des Amtes für Landwirtschaft, Forsten und Ernährung in Kitzingen steht ein kleiner Bagger und schaufelt Erdreich weg. Drei Pflanzlöcher werden benötigt – für drei Bäume, die an diesem Dienstag gepflanzt werden. Es sind Baumarten, auf denen viel Hoffnung ruht.

„Hier standen bis vor kurzem noch Kiefern“, sagt Klaus Behr und blickt um sich. Doch die Kiefer zählt zu den Verlierern des Klimawandels. Genauso wie die meisten Nadelbaumarten. Fichte, Tanne, Lärche? Langfristig werden sie im trockenen Klima von Mainfranken kaum noch eine Rolle spielen. „Wir sind der wärmste Landkreis in Bayern“, erinnert Behr. Was für Urlauber und Sonnenanbeter eine angenehme Botschaft ist, stellt sich für Waldbesitzer als Gefahr dar. Wärmeliebende Insekten wie der Eichenprozessionsspinner oder der Schwammspinner haben sich längst ausgebreitet – nicht nur im warmen Maintal, sondern auch in den etwas höheren Lagen des Steigerwaldes.

Die Kiefer hat sich bis in den Winter 2015 hinein als robust erwiesen. „Wir hatten bis dato kaum Absterbe-Erscheinungen registriert“, erinnert sich Behr. Dann ging alles schnell. Wie immer, waren mehrere Faktoren für das Absterben vieler Bestände verantwortlich: die Hitze, die Trockenheit, Schädlinge wie der Kiefernprachtkäfer oder der „Große Waldgärtner“, dazu Pilze und Misteln, die den Baum regelrecht aussaugen. „Das alles war zu viel für die Kiefern“, erklärt Behr.

Die sind vor 100 bis 200 Jahren vor allem an den Sandstandorten eingebracht worden und machen im Landkreis Kitzingen 20 bis 25 Prozent der gesamten Waldfläche aus. „Die Kiefer und die Tanne gelten als Brotbäume der Waldbesitzer“, weiß Landtagsabgeordneter Dr. Otto Hünnerkopf. Will heißen: Mit diesen Baumarten ließ sich in den letzten Jahrzehnten Geld verdienen. In Zukunft wird das schwierig. Der prozentuale Anteil von Kiefern und Tannen wird sukzessive sinken, wer heute Bäume pflanzt, muss die Folgen des Klimawandels im Blick haben. Alternativen sind deshalb gefragt. Bei den Nadelbäumen gibt es kaum welche. Langfristig bleibt wohl nur die Douglasie übrig.

Die stammt ursprünglich aus Nord-Amerika und wird dort in großem Stil angebaut. Klaus Behr hält davon wenig. Monokulturen seien in Bayern sicher der falsche Weg. Einen geschlossenen Wald brauche es, abe der lebe von der Vielfalt. Von Beimischung spricht er, von der Bedeutung der Mischwälder. „Am besten sind bisher alle tief wurzelnden Arten mit dem Klimawandel zurechtgekommen“, erklärt er. Keine schlechte Nachricht für den Landkreis Kitzingen. Etwa 50 Prozent der Bäume hier sind Eichen. „Die sind nach wie vor top in Schuss“, sagt Behr und betont die Bedeutung der Jagd. Gerade junge Eichen, aber auch Hainbuchen, seien verbissgefährdet. Es sei deshalb enorm wichtig, die Wildbestände anzupassen. „Wir können große Flächen, die wir für den Waldumbau benötigen, nicht mit Zäunen ausstatten.“ Um die standortgerechten und bewährten Bäume herum werden nun mögliche Alternativen angepflanzt und genau beobachtet. Ein Langzeitversuch. „Wir haben ja auch keine Erfahrungen mit dem Klimawandel“, gibt Behr zu bedenken. Auf dem Gelände des Amtes in der Mainbernheimer Straße wurden neben einer Douglasie eine Roteiche und eine Esskastanie gepflanzt. Drei von mehreren möglichen Kandidaten von künftiger forstwirtschaftlicher Bedeutung.

„Früher waren diese Exoten verpönt“, weiß Dr. Hünnerkopf. Warum sollte man auch eine Esskastanie, die ihre Heimat im Osten der USA hat, im Steigerwaldvorland pflanzen? Heute seien solche Experimente unabdingbar. „Die Not drängt uns dazu.“ Wer als Waldbesitzer immer noch auf Kiefer oder Fichte setzt, der sei auf dem Holzweg.

Seit zehn Jahren läuft der Waldumbau in Bayern – weitgehend unbemerkt von der Bevölkerung. „65 000 Hektar sind schon geschafft“, informiert Klaus Behr. Im Landkreis Kitzingen waren pro Jahr 128 Hektar als Ziel vorgegeben. „Wir haben 150 bis 200 Hektar pro Jahr bewältigt“, freut sich der Bereichsleiter Forsten am Kitzinger Amt. Jetzt forciert die Staatsregierung – auch aufgrund der Erfahrungen von 2015 – den Waldumbau und hat sich bis ins Jahr 2030 neue Ziele gesetzt. 200 000 Hektar Waldfläche sollen bis dahin umgebaut sein. 200 Millionen Euro werden bereit gestellt, 200 neue Stellen für Förster geschaffen. Der Waldumbau läuft.

Prognosen für das Jahr 2100: Das Anbaurisiko für diese Bäume gilt als sehr hoch: Fichte, Tanne, Kiefer, Lärche, Bergulme. Hohes Risiko besteht für die Douglasie, die Buche, den Bergahorn, den Spitzahorn, die Sandbirke, die Winterlinde und die Vogelbeere. Ein erhöhtes Risiko gilt für die Schwarzerle. Ein geringes Risiko gilt für den Feldahorn, die Esche, die Sommerlinde und den Speierling. Ein sehr geringes Risiko wird für die Stieleiche, die Traubeneiche, die Hainbuche und die Elsbeere prognostiziert.



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