ALBERTSHOFEN

Mit dem Purzelbaum klappt es am besten

Harry Hammer und Nicki Nagel zeigen den Albertshöfer Vorschulkindern, wie viel Spaß das Bauen macht.
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Das Feilen ist gar nicht so einfach. Gut, dass da Erwachsene im Notfall auch einmal helfend eingreifen können. Foto: Foto: Daniela Röllinger
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Konzentriert setzt Felicitas die Zange an. „Die muss einen Purzelbaum machen“, sagt die Fünfjährige. „So geht der Nagel am besten raus.“ Warum sie das so genau weiß? Harry Hammer und Nicki Nagel haben ihr den Tipp gegeben.

Felicitas und ihre Vorschulfreunde vom Kindergarten Albertshofen haben an der Aktion „Baumeister gesucht“ teilgenommen. Die Nachwuchsinitiative der Bayerischen Bauwirtschaft will schon Kindergartenkindern zeigen, wie viel Spaß es macht, etwas mit den eigenen Händen zu bauen. Die Aktion läuft im vierten Jahr, 21 Kindergärten in Bayern sind diesmal dabei. Und so war die Freude in Albertshofen natürlich groß, dass auch das Haus für Kinder St. Nikolaus Besuch von den Baufachleuten bekam.

Das Klopfen und Stimmengewirr ist schon von weitem zu hören: Im Werkraum des Kindergartens ist an diesem Tag so richtig was los. An vier Stationen werkeln die Kinder, sie sägen, schleifen, mauern und hämmern und sind von der ersten Minute an mit Begeisterung bei der Sache.

„Wir hatten noch nie ein Kind dabei, das keine Lust hatte“, sagt Harry Hammer (Matthias Theobald), der gemeinsam mit Nicki Nagel (Corinna Sichart) in den Kindergarten gekommen ist. Gekleidet in blauen Latzhosen und grünen Shirts, einen gelben Helm auf den Kopf, haben sie nicht nur viel Fachwissen über die Arbeiten rund ums Bauen mitgebracht, sondern als Geschenk für den Kindergarten auch eine große Werkbank und jede Menge Werkzeug sowie einen Helm für jedes Kind. Schließlich sollen die Jungen und Mädchen nicht nur an diesem Vormittag werkeln können. Auch künftig soll die handwerkliche Arbeit vermehrt in den Kindergartenalltag einfließen.

Unter der Anleitung von Harry Hammer und Nicki Nagel sowie der Aufsicht von Erzieherinnen und einigen Eltern baut jedes Kind ein kleines Holzhaus mit Dach und einem Gartenzaun aus Nägeln. Am Ende wird daraus Albertshofen im Miniaturformat entstehen, denn zu den Häusern der Kinder werden in den nächsten Wochen und Monaten noch Straßen, der Kindergarten, die Schule, das Rathaus, die Kirche und einiges mehr kommen, verrät Kindergartenleiterin Diana Greif.

„Die beiden haben viel Erfahrung mit Kindern“, lobt Greif die Arbeit von Matthias Theobald und Corinna Sichart. Die jungen Leute nehmen sich viel Zeit, um den Kindern zu erklären, worauf sie achten müssen. Auch Achim und Kirstin Hartmann vom Bauunternehmen Hartmann sind gekommen – sie haben die Patenschaft für das Projekt übernommen. „Es ist wichtig, dass die Kinder die Werkzeuge kennen und keine Angst haben“, sagt Kirstin Hartmann. Das Paar spricht aus eigener Erfahrung, ihre vier Kinder haben von klein auf gerne selbst gewerkelt. „Unsere Tochter hat schon mit neun mit dem Akkuschrauber Sachen repariert“, erinnert sich Kirstin Hartmann und lacht. Sohn Marc, der ebenfalls die Vorschule in Albertshofen besucht, ist an diesem Tag also schon fast so etwas wie ein alter Hase.

Die Aktion der Bauwirtschaft besteht aus zwei Teilen: Bevor die Kinder ans Werkeln gehen, treffen sich die Erzieherinnen mit Harry Hammer und Nicki Nagel. Bereits am Donnerstag gaben beide den Albertshöfer Erzieherinnen hilfreiche Tipps, was mit den Kindern gebaut werden kann, ohne sie zu überfordern, und informierten darüber, welche Materialien geeignet sind und wie die Werkzeuge am besten eingesetzt werden können. Zusätzliche Hintergrundinformationen liefert das Baumeister-Handbuch, das zum Nachschlagen im Kindergarten bleibt.

Welche Aufgabe war denn nun besonders schwierig? „Das Sägen“, sagt Felicitas, „aber das war auch am spannendsten“. Für Lenn dagegen war das Feilen nicht ganz so einfach, denn Sägen hat er schon daheim an seiner Werkbank geübt. Die Finger tun beiden ein bisschen weh nach der ungewohnten Arbeit, andere Blessuren hat es nicht gegeben. Schließlich wissen die beiden ja, worauf sie bei der Arbeit aufpassen müssen. So wie den Purzelbaum bei der Zange. „Wenn Du nach unten schaust und gerade ziehst, kriegst Du die Zange auf die Nase.“ Felicitas kennt sich aus.

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