KITZINGEN

Mit Alkohol die Kurve nicht gekriegt

Gut 1000 Euro Geldstrafe, neun Monate keinen Führerschein, dazu 670 Euro für ein kaputes Verkehrsschild. Diese Rechnung präsentierte das Jugendgericht einem 20-Jährigen.
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justice Foto: liveostockimages (iStockphoto)
„Ich habe mich fit gefühlt.“
Begründung des Angeklagten, warum er sich ans Steuer setzte

Gut 1000 Euro Geldstrafe, neun Monate keinen Führerschein, dazu noch ein Schaden in Hohe von rund 670 Euro, der aus eigener Kasse zu bezahlen ist: Diese Rechnung präsentierte das Kitzinger Jugendgericht einem 20-Jährigen.

Der war im Januar 2016 mit fast 1,2 Promille und dem Auto in Volkach unterwegs, hatte ein Verkehrsschild umgefahren und Unfallflucht begangen.

Kein Bonus drin

Jetzt saß er vor dem Jugendrichter. Der hier meist fälligen Bonus des Jugendstrafrechts für Jugendliche und Heranwachsende bis 21 Jahre ab es allerdings nicht. Jugendrichter Wolfgang Hülle drückt bei Verkehrsdelikten so gut wie nie eine Auge zu. „So was kommt in allen Altersklassen vor“, ist das Argument von Hülle. „Jugendtypisch“ sei eine Trunkenheitsfahrt nicht, also auch kein Fall für das Jugendrecht. So traf den 20-Jährigen die Härte des Erwachsenenstrafrechts.

Mit den Folgen leben

Der muss die Folgen einer kalten Januarnacht 2016 ausbaden. Da war er nach der Arbeit gegen Mitternacht auf eine private Party gegangen. Fünf Bier will er bis drei Uhr getrunken haben. Dann wurde er müde, legte sich ins Auto und schief. Kurz nach fünf Uhr war er wieder wach: „Es war zu kalt“, sagte er dem Richter, und: „Ich habe mit fit gefühlt.“ Also fuhr er los. Wenig später zeigte sich in einer Rechtskurve, dass er sich überschätzt hatte. Er kam nach links von der Fahrbahn ab und nahm frontal ein Verkehrsschild mit.

Schild entsorgt

Dennoch fuhr er weiter, stellte dann sein Auto ab und ging zurück zur Unfallstelle. Das Schild verschwand im vorbei fließenden Bach. Zurück am Auto stellte er fest, dass das Nummernschild des Autos fehlte. Dennoch wurde das Auto ein Stück weiter gefahren und abgestellt.

Dann ging er zurück zur Party und beteiligte sich an Trinkspielchen, diesmal mit harten Sachen. Wenig später war die Polizei da. Das verlorenen Nummernschild lässt grüßen. Zwei Blutproben brachten Werte von knapp unter 1,2 Promille. Der Führerschein war weg. Die Anzeige wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr (Fahrt bis zum Unfall), Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort und eine vorsätzliche Trunkenheitsfahrt (nach dem Unfall) die Folge.

Ein Ende machen

Sechs Monate später das Verfahren und der Versuch, den Alkoholwert mit dem Trinken nach der Rückkehr auf die Party zu erklären. „Das Rumgeeiere“, wie es Hülle nannte, dauerte aber nicht allzu lang. Am Ende wurde auf klärendes Gutachten ebenso verzichtet wie auf die Vorladung von Zeugen, die zum Alkoholkonsum was sagen konnten. „Mein Mandant will die Sache hinter sich haben“, sagte die Verteidigerin.

Gericht ist Staatsanwältin einig

Der Gericht war sich mit der Staatsanwältin einig. Der Sachverhalt hat sich bestätigt, auch wenn es ein „paar Unstimmigkeiten“ beim Nachtrunk gibt und die Rechtsanwältin versuchte, für den 20-Jährigen doch noch das Jugendrecht rauszuholen.

Das Ergebnis: 60 Tagessätze zu 18 Euro, dazu noch drei Monate ohne Führerschein. Die Rechnung für das Schild hat er schon bezahlt. Unterm Strich nicht nur eine kalte, sondern auch eine teure Nacht.

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