KITZINGEN

Mein liebes Huhn

Der Kleintierzuchtverein Kitzingen feiert 130-jähriges Bestehen – und freut sich über steigendes Interesse
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Eine große Vielfalt an Tieren sind in der Anlage der Kitzinger Kleintierzüchter „Am Lerchenbühl“ zu entdecken. Isabell Kecke hält ein japanisches Kampfhuhn mit dem Namen August auf dem Arm, Vereinsvorsitzender Uwe G. Hartmann eine namenlose fränkische Trommeltaube. Fotos: Ralf Dieter Foto: Ralf Dieter
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Der Trend ist ungewöhnlich. Aber erfreulich. Im Kleintierzuchtverein Kitzingen und Umgebung e.V. steigen die Mitgliederzahlen. Warum das so ist, lässt sich am besten am Sonntag, 8. September, beobachten.

130 Jahre alt ist der Verein und feiert diesen Geburtstag mit einem „Tag der offenen Ställe“. Von 10 bis 16 Uhr sind die Zuchtanlagen geöffnet – und es wird ein leckerer Mittagstisch angeboten. Unter anderem wird Isabell Kecke an diesem Tag vor Ort sein. Die 15-Jährige ist eines von neun Mitgliedern der Jugendgruppe, die von ihrer Mutter Michaela seit mittlerweile vier Jahren betreut wird. Das jüngste Mitglied ist drei Jahre alt, das älteste 18. „Eine große Spanne“, weiß Michaela Kecke. Dennoch gibt es viele Möglichkeiten für gemeinsame Aktivitäten: Ausflüge in Tiergärten, Biberwanderungen, die Besichtigung von Fledermäusen, die Fertigung von Nistkästen oder die Herstellung von Beuteln aus T-Shirts. „Recycling ohne den erhobenen Zeigefinger“, erklärt Michaela Kecke.

Hinter dem Vereinsheim hat die Jugendgruppe eine Insektenschutzzone angelegt. Totholz und ein Bienenhotel sollen Raum für die gefährdeten Arten bieten. Auf der anderen Seite des Heims beginnt das eigentliche Vereinsgelände. Neun Parzellen sind vermietet, in den Volieren sind Wachteln, Rebhühner, Tauben und Gänse zu beobachten. „Der Zeitgeist geht Richtung Zier- und Wildgeflügel“, erklärt der Vorsitzende des Vereins, Uwe G. Hartmann. Früher lautete das Ziel, möglichst schöne Tiere einer bestimmten Rasse zu züchten. „Jetzt geht es vor allem um die Arterhaltung.“

Und die ist dringend nötig, stehen doch immer mehr Arten auf der Roten Liste. Hartmann und die mittlerweile 112 Vereinsmitglieder wollen dem etwas entgegensetzen. Sie züchten seltene Arten wie die afrikanischen Höckergänse, die japanischen Kampfhühner oder die fränkische Trommeltaube, um sie vor dem Aussterben zu retten. „Da ist schon jede Menge Idealismus dabei“, sagt Hartmann. Mindestens einmal am Tag müssen die Tiere betreut werden, brauchen Futter und Pflege. Nicht selten sind die bedrohten Arten auch die größeren Tiere. Hartmann macht eine einfache Rechnung auf: Je größer das Huhn, desto mehr Platz wird benötigt. Außerdem gelte die Gleichung: Großes Huhn, große Stimme. Und das sorgt immer wieder für Reibereien. „Die meisten Mitglieder züchten daheim“, erklärt Hartmann. Nicht jeder Nachbar ist davon begeistert. „Ohne Hahn geht es nun mal nicht“, sagt zweiter Vorsitzender Sascha Kecke und muss grinsen. Dass ein Hahn früh um 5 Uhr mit dem Krähen anfängt, wird nicht in jeder Nachbarschaft gerne gesehen. „Es gibt tatsächlich immer wieder Prozesse deswegen“, sagt Hartmann. In Kitzingen weiß er bislang nur von einem Fall. „Wir sind halt doch noch ländlicher geprägt“, freut er sich.

„Jeder will ein Bio-Ei,

aber keiner einen

Hahnenschrei.“

Uwe G. Hartmann, Vorsitzender Kleintierzuchtverein

Dafür beobachtet er seit ein paar Jahren einen anderen Trend, der mit einem veränderten Ernährungsbewusstsein zusammenhängt: Immer mehr Privatpersonen halten sich ein paar Hühner im eigenen Garten. Auch das führt gelegentlich zu Dissonanzen, die Hartmann in Reimform kommentiert: „Jeder will ein Bio-Ei, aber keiner einen Hahnenschrei.“Tatsächlich erreichen die Kitzinger Kleintierzüchter vermehrt Anfragen von Menschen, die Hühner im eigenen Garten halten. „Ohne wirklich etwas über die Tiere zu wissen“, sagt Hartmann. Von Tipps aus dem Internet raten die beiden Vorsitzenden dringend ab. „Die sind mit Vorsicht zu genießen“, warnt Hartmann und lädt alle heutigen und künftigen Besitzer von Hühnern, Tauben und Co. dazu ein, sich im Kitzinger Kleintierzuchtverein kundig zu machen. Am besten schon an diesem Sonntag. Da stehen jede Menge Experten für Fragen zur Verfügung.

Termin: Tag der offenen Ställe am Sonntag, 8. September, von 10 bis 16 Uhr. Wo? Kleintierzuchtverein Kitzingen und Umgebung e.V., Am Lerchenbühl in Kitzingen.

Kontakt: 1. Vorsitzender Uwe G. Hartmann, Tel. 0160/5609371.

Vereinsgeschichte

Gründung: 1889 als Geflügelzuchtverein von Stadtpfarrer Reuss. Der Verein hatte nach drei Jahren bereits 210 Mitglieder.

1895: Vorsitzender wird Carl August Wildhagen, der zu Weltausstellungen in ganz Europa reiste. Seine Goldmünzen hat der Verein dem Deutschen Taubenmuseum in Nürnberg als Leihgaben vermacht.

1907: Der Verein hat 350 Mitglieder.

1930: Eine Jugendgruppe wird dem Verein angegliedert.

1962: Mitgliederstand: 62.

1974: Heinrich Lang aus Kitzingen wird Vorsitzender.

1976: Gründung der Zuchtanlage an der Mainbernheimer Straße in Kitzingen.

1989: 100 Jahre Feier mit unterfränkischer Bezirksschau. Mitgliederstand: 108.

1999: Fusion mit Kaninchenzüchter.

2011: Nach 39 Jahren als Vorsitzender wird Heinrich Lang Ehrenvorsitzender. Neuer Vorsitzender ist Uwe G. Hartmann. Ans Gemeinschaftshaus wird eine überdachte Terrasse angebaut. 60 Sitzplätze stehen jetzt zur Verfügung.

Januar 2019: Anlässlich des 130-jährigen Bestehens richtet der Verein die Bayerische Landesziergeflügelschau im städtischen Bauhof in Kitzingen aus.

Der Verein hat 112 Mitglieder, davon zehn Ehrenmitglieder und neun Jugendliche.

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