KITZINGEN

Mehr Wohnen neben Gewerbe

Auf dem ehemaligen Baywa-Gelände an der Kitzinger Armin-Knab-Straße sollen Wohnungen enstehen. Mit der Änderung des Bebauungsplans beschäftigt sich der Bauausschuss.
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Hausbau
Eine Revolution steht ins Haus. So oder ähnlich lauteten noch zu Beginn des Jahres die Schlagzeilen über ein ehrgeiziges neues Vorhaben des Iphöfer Knauf-Konzerns. „Das Haus aus der Fabrik“ war Anfang Januar Thema im „Tagesspiegel“, auch das Bayerische Fernsehen berichtete im Frühjahr über die Pläne für den modularisierten Hausbau. Nun sieht es so aus, als sei die Revolution ins Stocken geraten. Knauf bezieht aktuell bei diesem Thema keine Stellung zu Presseanfragen. „Das wird sich sicher zu einem späteren Zeitpunkt ändern“, vertröstet Knauf-Sprecher Andreas Gabriel auf Nachfrage. Modulbau ein etwas sperriger Begriff. Dahinter verbirgt sich die Idee, die Baukosten durch industrielle Massenfertigung drastisch zu senken. Von bis zu 70 Prozent Kostenersparnis für Bauherren war in den Medien die Rede, Knauf-Manager Manfred Grundke versprach, in Deutschland könne man sicher mit 30 Prozent Kostenersparnis rechnen. Die Kostensenkung im Hausbau durch Verwendung vorgefertigter Bauteile ist kein ganz neues Thema. Im Verlauf des zweiten Weltkrieges musste kurzfristig preiswerter Wohnraum für ausgebombte Familien her, Barackensiedlungen prägten während der Nachkriegsjahre das Erscheinungsbild vieler Städte. Auch das Fertighaus der frühen Wirtschaftswunderzeit erinnerte in Bauweise und Optik stark an die Architektur der Notunterkünfte. Mit der Zeit verlegten sich die Hersteller von Fertighäusern auf immer hochwertigere Baustoffe und individuellere Varianten. Der Kostenvorteil gegenüber der traditionellen massiven Bauweise blieb dabei allerdings auf der Strecke. Nun verspricht Knauf einen neuen Anlauf durch industrielle Massenfertigung. Mit der Besonderheit, dass die Modulbauten der Zukunft nicht nur kostengünstig, sondern energieeffizient und individuellen Kundenwünschen entsprechen sollen. Das Knauf-Konzept ist in Zusammenarbeit mit dem Logistik-Professor Horst Wildemann (TU-München) entstanden, eine Studie umfasst fast 400 Seiten. Herzstück soll eine App sein, die es dem Bauherren ermöglicht, in wenigen Arbeitsschritten sein Vorhaben am Computer zu planen. Ist die Skizze des künftigen Traumhauses fertig, einschließlich aller Details von der Küchenausstattung bis hin zur Art der Energieversorgung, errechnet das Programm die exakten Kosten, die beste Finanzierung und den Bautermin. Das Konzept wurde auf einem Kolloquium in München vorgestellt und hat das Baukastensystem der Autoindustrie zum Vorbild. Beim Hausbau a la Knauf besteht der Baukasten aus einem Gerüst aus Stahlblechpfeilern und aufwändig isolierten Gipskartonplatten. Die Pfeiler lassen sich ohne Schweißen verbinden, erläuterte Grundke laut Medienberichten. Dann werde das Gerüst mit schall- und wärmegedämmten Gipskartonplatten beplankt, die zuvor millimetergenau in der Fabrik gefertigt wurden und an der Baustelle binnen eines Tages montiert werden, so der Plan. „Die Großserienfertigung mit der Individualisierung verbinden ist der Kick“, sagte Manfred Grundke Anfang des Jahres dem „Tagesspiegel“. „Sonst können Sie die ganze Sache vergessen.“ Gut Ding will Weile haben, sagt das Sprichwort, und Knauf braucht Partner. Denn die Hausfabriken will der Gips-Gigant aus Iphofen nicht selbst betreiben. Es gebe Gespräche mit möglichen Partnern, ließ das Unternehmen zu Beginn des Jahres wissen. Man stehe „Gewehr bei Fuß“. Abmarschbereit ist man offenbar noch immer, offensichtlich fehlt noch das Signal zum Aufbruch. Trotz mehrfacher Anfrage der Redaktion ließ sich die Presseabteilung des Iphöfer Konzerns nicht eine Silbe zum aktuellen Stand des Projekts entlocken. Ebenso wenig Fotos, die einen Modulbau á la Knauf zeigen. Foto: Foto: Jens Büttner, dpa

Äußerst schmalbrüstig kommt die Sitzung des Kitzinger Verwaltungs- und Bauausschusses am Donnerstag (22. Juni, 18.30 Uhr) daher. Einziger Tagesordnungspunkt von etwas Gewicht ist die erste Änderung des Bebauungsplans Armin-Knab-Straße.

Was dem Ausschuss vorliegt, ist ein weiterer Verfahrensschritt in einem schon lange sich hinziehenden Veränderungsprozess in dem Gebiet. Der Bebauungsplan brauchte eine Änderung, als der Baustoffhändler BayWa seinen Standort zwischen der Armin-Knab-Straße und der B8 verließ – Richtung Gewerbegebiet Großlangheimer Straße – und auf dem Gelände Wohnungen entstehen sollten.

Die Pläne lagen im April und Mai öffentlich aus. Dazu gab es diverse Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange (Behörden, Verbände und Institutionen). Diese äußerten sich zu der geplanten Verstärkung des Wohnbaus in dem auch von Gewerbe geprägten Areal. Ergebnis war ein geänderter Planentwurf. Wenn der Ausschuss dem zustimmt, gibt es noch eine verkürzte Auslegung und dann den endgültigen Beschluss zum geänderten Bebauungsplan.

Der Rest der Tagesordnung sind zwei Auftragsvergaben (Bauhof-Heizanlage und Umbau Siedlungsschule) und die Umstufung verschiedener Straßenzüge.

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