KITZINGEN

Maschenweise Kunstwerke

Generationenübergreifend, herzlich und offen: Jeden Freitag klappern beim Stricktreff die Nadeln. Alle Interessierten sind willkommen
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Lisa Kriesinger und Tatjana Fischer-Hock von WirKT umrahmen die Damen des Strickkreises: Petra Spielberg-Amtmann, Jasmin Müller, Agnes Wahl und Ursula Seibt mit einem kleinen Teil der vielen Werke, die sie in den vergangenen Jahren geschaffen haben. Foto: Fotos: Daniela Röllinger
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Der kleine Hase hat einen ziemlich dicken Bauch. Nicht etwa, weil er zu viele Karotten gegessen hat – sein Mageninhalt ist vielmehr technischer Art. Schuld daran ist Jasmin Müller: Sie hat das Kuscheltier mit Spieluhr für ihre Kinder gehäkelt. Wer wissen will, wie das geht, kann sie gerne fragen – freitags beim Strickkreis der Arbeiterwohlfahrt im Ehrenamtlichenzentrum WirKT in Kitzingen.

Die Kinder lernen es in der Schule, die jungen Mütter tun es, die älteren Frauen sowieso: Stricken und Häkeln sind Hobbys, die Generationen vereinen. Und so kann man den Kitzinger Kreis gut und gern als Mehrgenerationentreff bezeichnen. Ursula Seibt ist so etwas wie der Kopf der Gruppe. Sie hat schon vor vielen Jahren einen Strickkreis im Wilhelm-Hoegner-Haus ins Leben gerufen, damals in erster Linie für Senioren. Später hat man sich der Ehrenamtsvereinigung WirKT angeschlossen, ist in die Würzburger Straße umgezogen, neue Teilnehmerinnen wie Jasmin Müller und Petra Spielberg-Amtmann kamen dazu. „Da war es dann kein Seniorenkreis mehr, sondern mehr ein Mütter-Kinder-Kreis“, erzählt Ursula Seibt, und genau dieser Aspekt ist ihr wichtig: „Es sollen Kinder dabei sein. Wer das nicht mag, hat Pech gehabt.“

Inzwischen ist der Kreis in den neuen WirKT-Räumen in der Kitzinger Fußgängerzone zuhause. Dort sitzt Seibt mit anderen Frauen am Tisch und strickt Socken. Ohne Anleitung, versteht sich, schließlich hat sie in ihrem Leben schon unzählige Paare gefertigt, für die Familie, für Bekannte. Eigentlich hat sie immer eine Auftragsarbeit zu erledigen. Zuhause arbeitet sie gerade an einer Trachtenjacke mit Zopfmuster. „Das ist nicht schwierig“, versichert sie. Nur bei der Größe ist sie etwas unsicher – das Kind, das die Jacke bekommen wird, wohnt weiter weg und ist deshalb zur Anprobe nicht greifbar. „Ich bring‘ meinen Sohn mit, der ist auch vier. Er kann probieren“, kommt sofort die Unterstützung von Tatjana Fischer-Hock. Die WirKT-Mitarbeiterin und die Leiterin der Einrichtung Lisa Kriesinger setzen sich gerne mit in den Raum, wenn die Handarbeiterinnen kommen.

„Ich bin dabei, die Ferse zu lernen“, sagt Tatjana Fischer-Hock. Der schwierigste Teil bei den Socken, der ihre volle Konzentration erfordert. Da ist sie für jeden Tipp der „alten Hasen“ dankbar. Und die geben ihr Wissen auch jederzeit gern weiter. Seit eineinhalb Jahren ist Fischer-Hock bei WirKT und freut sich immer auf das Treffen der Gruppe. „Man kommt her und fühlt sich sofort aufgehoben.“ Es wird gearbeitet und geplaudert, mal übers Handarbeiten, mal über Gott und die Welt. Und manchmal auch über die Kindererziehung, schließlich sind die Kinder dabei, so oft es geht – auch wenn der Nachwuchs von Jasmin Müller und Petra Spielberg-Amtmann inzwischen in Kindergarten und Schule ist.

Ursula Seibt freut sich schon, dass jetzt Ferien sind, und die Kinder wieder mitkommen. Die neunjährige Pia häkelt inzwischen sogar schon selbst. Zu Weihnachten hat sie einen Tannenbaum gemacht. Dass sie selbst mal so eifrig handarbeiten würde, hätte Jasmin Müller früher nicht gedacht. „Meine Lehrerin hat gesagt, tu mir einen Gefallen und lass die Finger von Wolle.“ Gut, dass sie diesen Rat nicht befolgt hat.

Unzählige Kuscheltiere wären nicht gehäkelt worden, Spieluhren nicht entstanden, es gäbe das Nachtlicht mit der Meerjungfrau nicht, die Greifbälle für Babys, den Adventskranz, den Flaschengeist und vieles mehr. Die Bandbreite dessen, was Müller und ihre Freundin Petra Spielberg-Amtmann häkeln, ist riesig. Einen Teil ihrer Werke haben die vier an diesem Tag anwesenden Handarbeiterinnen auf dem Tisch ausgebreitet. Wer die Sachen ansieht, wundert sich nicht, dass sie bei Familie, Freunden und Bekannten begehrt sind. So manches Lieblingskuscheltier ist hier entstanden – und sogar der Inhalt eines Kaufmannsladens. Dass man Nudeln, Gemüse und Obst auch häkeln kann, begeistert Tatjana Fischer-Hock, die sich gerne inspirieren lässt. „Da gibt es ganz tolle Sachen.“ Agnes Wahl verfolgt die Unterhaltung und schaltet sich ein, ohne groß auf das Werk in ihren Händen zu achten. Es wird ein Pulli mit verschiedenfarbigen Streifen. „Ganz einfach, drei rechts, drei links, da brauch‘ ich nicht hinschauen.“

Wie am Fließband geht es, und da sie nur noch für sich selbst strickt und häkelt, ist es wenig verwunderlich, dass sie fast jede Woche einen neuen Pulli anhat. „Ich hab‘ mindestens 80 Stück“, sagt sie. Agnes Wahl hat das Stricken von ihrer Tante gelernt und greift zu Nadeln und Wolle, seit sie zehn Jahre alt ist. Beim Weihnachtsmarkt, so beschließen die Damen, während die Nadeln klappern, wollen sie in diesem Jahr wieder an einem Tag mit einem Stand dabei sein, ihre Werke verkaufen und den Erlös über die AWO einem guten Zweck spenden. Bis dahin wird die Menge auf dem Tisch noch deutlich angewachsen sein.

Info: Der Stricktreff der Arbeiterwohlfahrt findet jeden Freitag von 9.30 bis 12 Uhr in den WirKT-Räumen in der Kitzinger Fußgängerzone statt. Wer Interesse hat, kann jederzeit vorbeikommen. Infos gibt es bei WirKT, Tel. 09321/9254284.

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