Mainsondheim
Überraschung

Mainsondheimer Burschen nehmen Landrätin auf den Arm

Wenn es beim Umzug sogar der Landrätin die Sprache verschlägt, haben die Burschen alles richtig gemacht - wie bei der Mainsondheimer Kirchweih.
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Sprachlos war Landrätin Tamara Bischof, als sie beim Mainsondheimer Kirchweihumzug von Quasimodo aus den Zuschauern herausgezogen und  auf den Arm genommen wurde. Als verrückter Hutmacher führte Andreas Böhm durch's Programm.
Sprachlos war Landrätin Tamara Bischof, als sie beim Mainsondheimer Kirchweihumzug von Quasimodo aus den Zuschauern herausgezogen und auf den Arm genommen wurde. Als verrückter Hutmacher führte Andreas Böhm durch's Programm.
Ein Mann mit Buckel und missgestaltetem Gesicht humpelte am Wochenende in Mainsondheim auf Landrätin Tamara Bischof zu, riss sie an sich und verschleppte sie. Diese war zuerst erschrocken, lachte dann - und war am Ende sprachlos. Denn der Quasimodo, der sie aus den Zuschauern beim Kirchweihumzug herauszog und auf den Arm nahm, war nur ein verkleideter Kirchweihbursche. "Jetzt bedanken Sie sich mal bei den Leuten für die vielen Stimmen zur Landratwahl", forderte er, als er sie vor den versammelten Mainsondheimern wieder auf den Boden stellte. Es passiert selten, aber Tamara Bischof verschlug es die Sprache.
Die "Entführung" der Landrätin war nur ein Highlight des Mainsondheimer Kirchweihumzugs, bei dem die Burschen mit vielen kreativen Wagen punkteten: Die Piraten der Fluch der Karibik, Kopffüßler und blaue Bären der Monster AG, Käpt'n Balu, Das Dschungelbuch und die Gummibären-Bande sind nur eine Auswahl der Wagen, die sich unter dem Motto "Walt Disney" durch den Dettelbacher Ortsteil schlängelten.

Lustige Szenen


Begleitet von der Rödelseer Blaskapelle und dem farbenprächtigen Albertshöfer Spielmannszug ging's zum Ausgrabungsort. Dort liefen bei der Suche nach dem Kirchweihfass lustige Szenen ab: Hutmacher Andreas Böhm - aus Alice im Wunderland - führte durch ein humorvolles Programm, in dem die Geometer als Gummibären-Bande, der Glöckner von Notre Dame, der die Landrätin buchstäblich auf den Arm nahm, und Queen Elisabeth, welche der Burschenschaft die Nacktfotos ihres Enkels Prinz Harry abkaufen wollte, eine Rolle spielten.
In der anschließenden Kirchweihpredigt erfuhren die Mainsondheimer, was die Mainfähre "Herta" mit dem Christopher-Street-Day in Köln am Rhein zu tun hat. "Seit den 50er Jahren, des wäß jedes Kind, dass drunten im Mee die Herta schwimmt." Bei einer routinemäßigen Reparatur entdeckte man einen größeren Schaden am Getriebe der Fähre. Beim ersten Testlauf nach der Reparatur stockte allen der Atem - die Fähre drehte sich immer im Kreise. "Geradeaus fahren hat nicht funktioniert, da ist beim Zusammenbauen ein Fehler passiert. Doch selbiger ist gefunden worden, jetzt kann die Fähre wieder gradaus fahren", stellte der Kirchweihprediger erleichtert fest. Aber über den pinkfarbenen Anstrich machte er sich trotzdem so seine Gedanken: "Was haben die sich bloß gedacht - oder war es ein Ergebnis nach einer versoffenen Nacht?" Er fragte sich, ob die Telekom die Farbe spendiert hat oder ob Westerwelle den Pinsel führte. "Ich habe zuhause noch Hello-Kitty-Fähnli im Sack, damit könne mer sie a noch beflagg!" Eine andere Möglichkeit wäre, die Mainfähre zum Christopher-Street-Day nach Köln am Rhein auszuleien - da nähme man vielleicht noch Geld für einen neuen Anstrich ein.

Ein paar Bier zuviel


Das lockende Angebot einer Brauereibesichtigung für sechs Euro einschließlich Fahrt, Essen und Trinkerei hatte ein Mainsondheimer Organisationstalent mit seinen Kollegen angenommen - doch dieser Nachmittag hatte Folgen: "Nach dem Biergenuss ersehnte Mancher sich den Bus." Doch in Mainsondheim angekommen, ging's im Sportheim mit Fußball weiter. Wie es sich gehört, fuhr der Kollege am Ende mit einem Fahrrad heim, doch bereits in Albertshofen endete die Fahrt mit einem gewaltigen Sturz - und sein Tag endete im Krankenhaus.
"Seit sieben Jahren verfasse ich die Kirchweihpredigt mit Geschichten und Erlebnissen aus dem Dorfgeschehen. Meine Kumpels halten das ganze Jahr Augen und Ohren offen, um die witzigsten Geschichten aufzuspüren und mir zu erzählten" schmunzelt der Kirchweihprediger Patrick Langer. Die Mitglieder der Burschenschaft organisieren auch den Festzug. Deshalb legen sich die Burschen beim Wagenbau so richtig ins Zeug. Die Vorstandschaft und viele der 173 Mitglieder treffen sich drei Monate vor der Kirchweih und arbeiten auf den großen Tag hin. Ein großer Tag, der diesmal sogar der Landrätin die Sprache verschlug.
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