Castell

Männer des Herrn

"Standing Ovations" für zwei einzigartige Männer Gottes: den Mesner Friedrich Ernst und den Organisten Walter Kreß.
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Hast du Töne: Seit sage und schreibe 30 Jahren spielt Walter Kreß die Casteller Orgel. Friedrich Ernst ist sogar schon seit 41 Jahren Mesner. Foto: Scheller
Hast du Töne: Seit sage und schreibe 30 Jahren spielt Walter Kreß die Casteller Orgel. Friedrich Ernst ist sogar schon seit 41 Jahren Mesner. Foto: Scheller
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Der kleine Moritz kriegt große Augen. Wenn er seinen Uropa Friedrich Ernst in der Casteller Kirche besucht, entdeckt er immer irgendwas Neues. Zum Beispiel das Geheimnis der Altarkerzen.

Dass Menschen ein Licht aufgeht, ist Friedrich Ernst schon seit gut 41 Jahren zu verdanken. So lange zündet der 84-jährige Casteller Mesner die Kerzen vor jedem Gottesdienst in der St.Johannes-Kirche an. Er läutet die Glocken, steckt die Liednummern auf, putzt, wechselt die Paramente (Altartextilien), schmückt mit Hilfe seiner Frau Elsbeth das Taufbecken und hält bei Bedarf sogar selbst mal das Abendgebet.

5000 Gottesdienste

Fünf Dekane, viele Pfarrer und noch mehr Lektoren hat Friedrich Ernst in all den Jahren begleitet. Mehr als 5000 Gottesdienste, Beerdigungen, Hochzeiten und Taufen mitgestaltet, "darunter auch einige katholische", erzählt er.


In Castell sind sich alle einig: Wie Friedrich Ernst in seiner besonnenen, würdevollen Art durch die Kirche schreitet, ist er ein wahrer Diener Gottes. Selbst eine Hüft-Operation vor einiger Zeit konnte ihn nur kurz von der Grafschaftskirche fernhalten.

Kein Wunder also, dass Dekan Günther Klöss-Schuster vor wenigen Tagen einem Festgottesdienst Spannung verlieh, indem er ankündigte: "Jetzt wird es Ernst, liebe Gemeinde." Und Friedrich Ernst zu sich nach vorne bat.
"Durch einen Fehler in der Verwaltung haben wir einen wichtigen Termin verpasst: Herrn Ernsts 40-jähriges Dienstjubiläum als Mesner", stellte Klöss-Schuster fest. Der Fehler bestand darin, dass Ernsts Anstellung bei der Verwaltung erst Jahre später gemeldet wurde. Klöss-Schuster hat nun im Personalbogen das richtige Dienstantrittsdatum eintragen lassen: 1. Dezember 1972. "Seit 41 Jahren also dienen Sie unserer Gemeinde und Gott in beispielloser Treue und großer Bescheidenheit", wandte sich der Dekan an Ernst. "Es ist fast undenkbar, ohne Sie Gottesdienst zu feiern. Sie gehören einfach dazu: zum Gottesdienst, zu dieser Kirche."

Dabei war das anfangs gar nicht so gedacht. "Eigentlich hatte ich nur für ein Jahr zugesagt", erinnert sich Friedrich Ernst. "Und das auch nur, weil Dekan Schmidt mir damals bald das Haus eingerannt hat."

Aus dem einen Jahr sind mittlerweile 41 geworden. Dekan Klöss-Schuster kommentiert das auf seine Art: "Es ist so schön, jemanden wie Sie zu haben, auf den man sich voll und ganz verlassen kann. Wie schön, dass es Sie gibt."

Im Namen der Kirchengemeinde und des Kirchenvorstands überreichte Klöss-Schuster dem Jubilar ein Geschenk. Alle Kirchgänger standen auf und applaudierten mit voller Kraft.


"Das ist was!"

Dann wartete Klöss-Schuster mit der zweiten Überraschung auf: Er rief Walter Kreß zu sich, der sonn- und feiertags den Gottesdienst musikalisch mitgestaltet und den Gesang der Gemeinde an der Orgel begleitet. "Sonntag für Sonntag da zu sein, das ist schon was!" Kreß tue seinen Dienst seit 30 Jahren mit viel Hingabe. "Er kümmert sich auch rührend um unsere Orgel, ist immer dabei, wenn sie vor Konzerten gestimmt werden muss, und er notiert gewissenhaft alle Auffälligkeiten."

Der Dekan dankte dem Organisten unter lautem Applaus der Gemeinde ebenso herzlich wie zuvor dem Mesner: "Schön, dass wir Sie haben!"

Nach dem Gottesdienst, als die Kirche sich längst geleert hatte, durfte der kleine Moritz seinem Uropa helfen, die Kerzen zu löschen. Dabei entdeckte er, warum die Altarkerzen immer so schön tropfenfrei bleiben: Alles eine Frage der Fassade. Nur im Inneren, in einer Metallhalterung, brennt ein echtes Kerzchen, das bei Bedarf ausgewechselt wird. Der Rand bleibt immer schön.

Friedrich Ernst grinst. Er weiß: Das ist nur eines der Geheimnisse in "seiner" Kirche.



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