Rödelsee

Luthers Sprüche beim Fränkischen Sängertreffen

Für die Toten Wein, für Lebende Wasser - eine Vorschrift für Fische: Deftige Zitate, die Luther zugeschrieben werden, waren beim Sängertreffen auf dem Schwanberg zu hören.
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Zum 20. Mal fand das Sänger- und Musikantentreffen am Sonntagabend auf dem Schwanberg statt. Die Straßenmusikanten mit Hans Heilgenthal, Lissy Heilgenthal, Steffi Zachmeier und Heinrich Filsner spielten zu Liedern aus der Zeit Martin Luthers auch mit historischen Instrumenten. Weitere Mitwirkende waren der Hellmitzheimer Posaunenchor und die Kleinlangheimer Pfarrgasssänger. Foto: Foto: WINFRIED WORSCHECH
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Auch nach 20 Jahren ist die Beliebtheit des Fränkischen Sänger- und Musikantentreffens auf dem Schwanberg ungebrochen. Zum kleinen Jubiläum war am sonntäglichen Spätnachmittag der Innenhof des Schlosses wieder einmal voll besetzt und die Auftritte der Sänger und Musikanten wurden mit viel Beifall bedacht.

Priorin Ruth Meili von der Schwesterngemeinschaft auf dem Schwanberg hieß die Besucher - gut 400 dürften es gewesen sein - nach nach dem musikalischen Aufgalopp durch die Straßenmusikanten willkommen „in der guten Stube des geistlichen Zentrums“ und freute sich auf Musik, Lieder und Themen von einst und jetzt.

Gedanken über die Reformation

„Heute ist auch das Publikum beim Singen häufiger dabei, denn das Singen war auch ein Hauptanliegen von Martin Luther und er hat dafür gesorgt, dass deutsche Lieder gesungen wurden“, verkündete Reinhard Hüßner, Organisator und Sprecher des Treffens. Er gab damit auch das Thema vor, da es zur Tradition des Sänger- und Musikantentreffens gehört, dass nicht nur gesungen und musiziert, sondern über Land und Leute, in diesem Fall über das Gedenken an die Reformation, geredet wird.

So stimmten denn alle zur Musik der Straßenmusikanten ein „Geh aus mein Herz“, „Ein feste Burg ist unser Gott“, „Nun ruhen alle Wälder“, „Bajazzo“ und zum Schluss „Kein schöner Land“.

Hüßner erzählte, dass es im Hause Luthers Wein und Bier gab, da Luthers Ehefrau Bierbrauerin war. Mit Sprüchen Luthers sorgte der Sprecher für Heiterkeit: „Für die Toten den Wein, für Lebende das Wasser – eine Vorschrift für Fische.“

Zur Historie der Reformation erfuhr das Publikum, dass Martin Luther 1521 mit der Reichsacht verhängt wurde, dessen Schriften 1526 wieder erlaubt wurden. 1529 protestierten die evangelischen Fürsten gegen Kaiser Karl V. – „daher der Name Protestanten“ – als sich dieser wieder gegen Luther wandte.

1530 wurden die von Melanchthon verfassten evangelischen Glaubenssätze auf dem Reichstag zu Augsburg, bekannt als „Confessio Augustana“, von dem gebürtigen Kleinlangheimer und sächsischem Kanzler Christian Beyer auf deutsch verlesen. Auf dem Schwanberg verlas Ansgar Leimig von den Kleinlangheimer Pfarrgasssängern als Christian Beyer Teile der Confessio.

Stellvertretender Landrat Paul Streng hob die Atmosphäre des Sänger- und Musikantentreffens hervor, „das nichts von seiner Attraktivität verloren hat, was auch an der Qualität der Veranstaltung liegt“. Rödelsees Bürgermeister Burkard Klein hatte die fränkische Nationalhymne „Wohlauf die Luft geht frisch und rein“ zu einem Loblied umgedichtet und sang nach der bekannten Melodie „Wer Franken liebt, den Schwanberg kennt, der kommt zu allen Zeiten auf diesen schönen heilgen Berg“ und weitere Verse, die mit einem Lob auf Reinhard Hüßner endeten.

Die Pfarrgasssänger, diesmal mit Leimig und Gerhard Zehnder zu zweit, sangen Loblieder auf das fränkische Weinland, Lieder von Martin Luther und aus seiner Zeit, so zum Beispiel „Aus tiefer Not“, das Landsknechtlied „Wir zogen in das Feld“ oder „Wo soll ich mich hinkehren“.

Schalmei, Hirtenhorn, Psalter

Neben fränkischen Weisen hatten die Straßenmusikanten auch Lieder aus der Zeit vor etwa 500 Jahren zu bieten, wobei historische Instrumente wie Schalmei, Hirtenhorn, Psalter, Bockpfeife und Chalimaux erklangen. Der Hellmitzheimer Posaunenchor intonierte neben den Liedern zusammen mit dem Publikum ebenfalls Lieder von Martin Luther. Über dieses Ensemble erfuhren die Zuhörer, dass 34 Musikanten aus der Ortschaft mit rund 400 Einwohnern und einem Durchschnittsalter von 34 Jahren neben den Vorträgen zum Lob Gottes zu allen möglichen Gelegenheiten ihre Instrumente erklingen lassen.

 


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