Ob er ein Held ist? Lukas Muth schüttelt seine halblangen Haare und grinst. "Quatsch. Das war echt keine Frage." Fast zwei Tage lang Liegen, sich am linken Arm Blut abzapfen und am rechten wieder zuführen lassen - diese Strapaze nahm der 19-jährige Sommeracher auf sich, ohne viel Gerede darum zu machen. "Ich wusste ja, wofür's gut ist." Um einem anderen Menschen mit seiner Blutstammzellen-Spende das Leben zu retten.

Im Herbst 2010 war Lukas Muth noch Schüler des Egbert-Gymnasiums Münsterschwarzach. Dort organisierte das Würzburger "Netzwerk Hoffnung" eines Tages eine Blutspende-Aktion, um potenzielle Stammzellspender für Leukämiekranke zu finden. "Ich bin mit meinen Kumpels spontan hingegangen." Gerade 18 geworden, ließ Lukas sich "ein paar Spritzer" Blut entnehmen, füllte einen Fragebogen aus und dachte: "Davon werde ich jetzt lange Zeit nichts mehr hören."


Manchmal kommt es anders...



Doch manchmal kommt es anders als man denkt. Schon nach ein paar Monaten, kurz vor dem Abitur, bekam der junge Mann einen Brief, in dem er gebeten wurde, sich nochmal genauer in der Würzburger Uni-Klinik untersuchen zu lassen. "Warum - das stand da noch nicht drin." Das erfuhr der Sommeracher erst vor Ort, von Mitarbeitern des "Netzwerks Hoffnung", der Uniklinik-Spenderdatei. "Sie sagten, ich könnte ein geeigneter Spender sein. Aber zuerst seien weitere Untersuchungen nötig, eine Feintypisierung." Also fuhr Lukas Muth einige weitere Male nach Würzburg.

Dann, kurz nach Beginn seines Energietechnik-Studiums in Erlangen, wurde es ernst. Der leidenschaftliche Gitarrist und Kontrabassist musste entscheiden: "Mach' ich's oder mach' ich's nicht?" Er kannte die Risiken - von der verminderten Blutgerinnung während der Spendenzeit bis hin zum möglichen Maschinenausfall - und hielt sie für überschaubar. "Man hat mir alles gut erklärt, ich habe mich ziemlich sicher gefühlt. Ich habe nicht lange gezögert."


Zehn Bauchspritzen



Nachdem er noch einmal gründlich durchgecheckt worden war, ging's los: An den fünf Tagen vor der Spende musste der Student sich täglich zwei Spritzen in den Bauch geben, die das Wachstum der Stammzellen anregten. "Mein Papa hat mal probiert, mir eine Spritze zu geben", erzählt Lukas grinsend. "Aber er hat dann doch gesagt, ich soll's lieber selber machen. War auch echt kein Problem."

Am Tag der Spende ließ der Sommeracher die Uni sausen - "ein Kommilitone hat für mich mitgeschrieben und die Vorlesungen habe ich mir danach online angeschaut". Per Taxi ging es in die Uni-Klinik. Dort wartete neben einem Tagesbett eine große Apparatur auf ihn - damit werden dem entnommenen Blut die wertvollen Stammzellen entzogen. "Mein linker Arm wurde auf einer Schiene fixiert und ich durfte ihn nicht bewegen", erinnert sich Lukas.


Froh über Gesellschaft der Freundin



Fünf Stunden können lang sein - das merkte der junge Sommeracher jetzt. Toilettengang? Unmöglich - eine Flasche sorgte für Abhilfe. Essen? Nicht erlaubt. "Trinken durfte ich aber zum Glück. Ich war froh, dass meine Freundin Martina bei mir war, ich hätte allein nicht mal den Laptop bedienen können, weil überall Schläuche hingen."

Am Abend prüften die Mitarbeiter des Netzwerks Hoffnung dann die Zahl der Stammzellen - und stellten fest, dass es noch nicht genug waren. Also ging die Prozedur am Folgetag weiter. Direkt nach der Spende fühlte Lukas sich zwar "ein bisschen geschlaucht", aber ansonsten "ging's mir gut". Eigentlich sogar sehr gut, denn: "Das Gefühl, jemandem helfen zu können, ist schon toll!"


Den Empfänger suchen



Wer seine Stammzellen erhalten hat, das weiß der 19-Jährige nicht - noch nicht. "Erst zwei Jahre nach der Spende darf man beim Netzwerk anfragen, ob der Empfänger Kontakt möchte." Lukas Muth würde sich sehr freuen, wenn er Näheres über den Menschen erfahren würde, dem er wahrscheinlich das Leben gerettet hat. "Ich werde auf jeden Fall nachfragen." Und würde er nochmal Stammzellen spenden? "Aber klar. Was sind schon zwei Tage Liegen gegen ein neues Leben?"