IPHOFEN

Zusammen Zeit und Energie sparen

Nachhaltiger leben: Die Gruppe "MitTeilen" aus Iphofen schafft das mit einfachen Mitteln. Man kauft gemeinsam ein, bringt anderen etwas mit und gibt Sachen weiter, die man selbst nicht mehr braucht.
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Der Eine hat mehr Kürbisse im Garten, als er verbrauchen kann. Der Andere fährt zum Bioladen oder zur Mühle und kann anderen etwas mitbringen. Die Dritte hat eine Jacke, die viel zu schade zum Wegwerfen ist und die jemand anders gut brauchen kann: In der Gruppe „MitTeilen“, der Steffi (hinten), Verena, Susanne und Armin sowie 17 weitere Teilnehmer angehören, hat schon so manches den Besitzer gewechselt. Foto: Foto: Daniela Röllinger

Es ist ein soziales Netzwerk im wörtlichen Sinn: 20 Bekannte und Freunde aus dem Raum Iphofen haben sich zusammengeschlossen, um mit eigentlich ganz alltäglichen kleinen Beiträgen etwas für die Umwelt und das Miteinander zu tun. Der Name ihrer WhatsApp-Gruppe ist Programm: „MitTeilen“.

Verena, Steffi, Susanne und Armin sehen sich nicht als Vorreiter oder als besonders engagiert. Sie tun, was in ihren Augen selbstverständlich ist: Sie versuchen, Energie zu sparen und umweltbewusst zu leben. Das kann jeder für sich alleine, aber das kann man zusätzlich gemeinsam tun und so mit kleinen Schritten viel erreichen.

„Es wäre schön, wenn sich auch andere zusammentun, um Energie zu sparen.“
Armin, Mitglied der Gruppe „MitTeilen“

Die Geburtsstunde der Gruppe war ein Vortrag zum Thema „Besser leben ohne Plastik“, den einige Freundinnen und Bekannte vor zwei Jahren gemeinsam besuchten. In dem Referat wurde die Eröffnung des Unverpackt-Ladens in Würzburg erwähnt. Einkaufen ohne Verpackung oder mit möglichst wenig Verpackung, das gefiel ihnen allen. Doch Unverpacktes und Großpackungen gibt es eben nicht überall. „Man muss extra hinfahren und das lohnt alleine nicht“, sagt Armin.

Also entstand die Idee, sich zu vernetzen. Einer fährt und die anderen fahren mit. Oder einer fährt und bringt den anderen etwas mit. Wobei die Gruppe schnell merkte: Das mit dem Mitbringen ganz ohne Verpackung ist gar nicht so einfach – man muss mit vielen Behältern anrücken und den Überblick behalten. Bei vielen anderen Einkaufsmöglichkeiten aber ist es dagegen problemlos möglich, andere mit zu beliefern – für die Iphöfer ist das inzwischen in vielen Bereichen selbstverständlich geworden.

Der Sammel-Einkauf bei „Unverpackt“, im Bioladen, beim Gewürzhändler, auf Bauernhöfen oder in der Mühle stand am Anfang. Inzwischen geht es bei „MitTeilen“ um einen weiteren Aspekt: Was eine Familie nicht mehr braucht, wird ebenfalls in der Gruppe angeboten: Kleidung, ein Kinderlaufstall, Spielzeug, ein Kindersitz, Ordner, Schuhe, ein Regal, ein Sofa, Teppiche... Die Liste ist lang. Auch zu groß gewordene Blumenstöcke waren schon dabei – die stehen inzwischen im Schulgebäude und erfreuen Schüler und Lehrer – und sogar Bruchsteine sind einmal angeboten worden. Wer Interesse halt, meldet sich. Meist findet sich tatsächlich ein Abnehmer. „Die Bruchsteine waren ganz schnell weg“, erzählt Steffi und lacht. „Wer die wohl gekauft hat?“ Denn das wird in der Gruppe nicht publik gemacht, man nimmt direkt Kontakt zu demjenigen auf, der die Ware anbietet.

Viel los ist in der Gruppe nicht nur im Herbst und Frühjahr, wenn die Garderobe gewechselt und der Schrank ausgemistet wird, sondern auch zur Erntezeit. „Das Obst und Gemüse im Garten ist ja immer auf einmal reif“, sagt Verena. Also wird nachgefragt, ob jemand Zucchini, Paprika, Äpfel oder Gurken braucht – und ein anderer freut sich über die regionalen Produkte. Ob die Sachen verkauft, verschenkt oder getauscht werden, dafür gibt es keine Vorgaben, das kann jeder frei entscheiden. „Es geht ja nicht um den Profit. Unser Grundgedanke ist die Nachhaltigkeit.“

Wer etwas hat, der meldet sich – und auch, wer etwas braucht. Das Akkuladegerät für das ferngesteuerte Fahrzeug der Kinder ist verschwunden? Kein Grund für Steffi, das Auto wegzuwerfen: „Ich hab' einfach jemanden gesucht, der so ein Gerät hat.“ Und Armin, der mal das Paddeln im Kanu ausprobieren wollte? „Ich kauf doch nicht für das eine Mal gleich so ein Ding!“, sagt er. Viel lieber hat er es geliehen. „Wenn ich öfter paddeln gehe, kann ich immer noch eins kaufen.“

Die Menschen, die sich in Iphofen zusammengetan haben, „ticken ähnlich“, sagen sie über sich selbst. Das sei eine wichtige Grundlage, damit der Zusammenhalt funktioniert, gerade wenn es um einen gemeinsamen Einkauf oder das Mitbringen von Ware geht. „Man muss sich darauf verlassen können, dass die Leute ihre Ware dann auch abholen – und bezahlen“, sagt Steffi. Das geht nur, wenn man sich zumindest ein bisschen kennt.

Die Iphöfer Gruppe würde sich freuen, wenn andere ihrem Beispiel folgen. „Wenn sich andere ebenfalls zusammentun, um Energie zu sparen, wäre das schön“, sagt Armin. Er bezieht „Energie“ nicht nur auf das Autofahren. „Der Mensch spart auch Energie, weil Einkaufen ja zeitaufwändig ist“, sagt der Iphöfer. Praktisch wäre ein solcher Zusammenschluss seiner Ansicht nach zum Beispiel beim Brötchenkauf am Wochenende, wie ihn fast jeder schon erlebt hat: Da trifft man mit schöner Regelmäßigkeit gleich mehrere Leute aus dem gleichen Straßenzug – und jeder ist ganz für sich alleine zum Bäcker gefahren. Ein typisches Beispiel für überflüssige Verschwendung von Zeit und Energie.

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