Kitzingen

Zusammen ist man weniger allein

Die Fasten-Redakteure sind froh über jeden, der ihrem inneren Schweinehund einen Tritt gibt.
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Frisch geduscht, Tisch gedeckt: Ninas 6 Uhr-Plan im Urlaub geht auf! Foto: Nina Grötsch
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Kitzingen

Eine Woche ist vorbei. Wie immer gilt: Jeder Anfang ist schwer. Aber wir haben uns wacker geschlagen. Jeder auf seine Art.

Kaffee-Faster und Sportler Ralf Dieter:

„Sieben, Acht.“ Ich mag es, wie uns Wolfgang durch die mittwochabendlichen Sportstunden führt. Unaufgeregt, souverän, niemals laut. Einen Befehl braucht unser „Vorturner“ nicht. Er leitet uns durch sein Vorbild an. Seit ein paar Wochen bin ich Mitglied des „Männersports“ in unserem Stadtteil. Einmal die Woche treffen sich Männer im gesetzten Alter, um sich mit Hantel und Thera-Band zu stärken. Zur Belohnung für die Quälerei gibt es eine halbe Stunde Volleyball zum Abschluss. Wolfgang ist sicher ein paar Jahre älter als ich. Erschreckenderweise sieht man ihm das nicht an. Vor allem nicht bei den Übungen. „Sieben, Acht“, zählt er laut beim zehrenden Aufwärmen mit und stemmt die Hanteln in die Höhe, zur Seite oder stößt sie waagrecht nach vorne. Bei „Acht“ ist Schluss mit der einen Übungsreihe, dann kommt die nächste dran. Zehn Minuten dauert dieses Aufwärmen. Danach bin ich meistens fertig für die Dusche. Aber es hilft nichts, noch liegen fünfeinhalb Wochen Verzicht vor mir. Kein Kaffee, keine Süßigkeiten, kein Alkohol. Nach Ostern trink ich dann wieder Bier. Und zähle dabei wie Wolfgang; „Sieben, Acht.“

6-Uhr-Aufsteherin Nina Grötsch:

Es war ein gemeiner Start: Statt um sechs klingelte mein Wecker am Aschermittwoch schon um fünf. Abfahrt Skiurlaub! (Habe ich eigentlich ein Stundenkonto, das sich nun nach Tag 1 schon im Plus befindet?) Zugegeben, um 6 Uhr aufzustehen war nicht gerade das Beste am Urlaub – selbst der Sonnenaufgang hinter den Bergen entlockte mir nur ein Gähnen. Immerhin war Verlass auf meine zweijährige Nichte, deren Schlafbedarf etwa zeitgleich mit meinem gedeckt war und die mir gleich noch ihren Papa als Küchenhelfer opferte. Um 7 Uhr wartete in unserem Appartement ein reich gefüllter Frühstückstisch mit Rührei und Bacon, Müsli und weiteren Schmankerl auf stolze 15 „Langschläfer“. Natürlich hätte ich kurz darauf die Erste auf der Piste sein können, doch konnte ich meine Euphorie für Frühsport zum Glück zügeln. Wer weiß, wie ausgepowert ich sonst gewesen wäre, wo ich auch so schon um 20 Uhr herum eine leichte Bettschwere verspürte. In zwei Wochen fahre ich übrigens mit sieben Freundinnen auf ein Mädelswochenende. Dort ist Frühstück inklusive. Was mir wohl da einfällt? Ich bin auf jeden Fall schon gespannt, wer freiwillig mit mir ins Zimmer geht...

Fleisch- und Cappuccino-Fasterin Daniela Röllinger:

Was hat mich nur geritten? Das frage ich mich jedes Jahr wieder kurz nach Beginn der Fastenzeit. Die ersten Tage sind in der Regel kein Problem und das war auch diesmal so. Ich habe es locker geschafft, auf jegliche Milch-im-Kaffee-Variationen, auf Wurst und auf Weißmehl-Brötchen und -Gebäck zu verzichten. Aber dann ging er am Dienstag los, der Geburtstagsreigen. Was bedeutet, an der reich gedeckten Kaffeetafel zu sitzen, vor leckerem Streuselkuchen und Torten. Wie gut, dass ich mir nur vorgenommen habe, den Konsum dieser Köstlichkeiten weitgehend einzuschränken. Der Streuselkuchen, so viel sei verraten, war echt lecker. Vom absoluten Verbot war ja da auch nicht die Rede... Anders beim Fleisch, das soll es bis Ostern gar nicht geben. Also habe ich beim Abendessen den Leberkäse tapfer links liegen gelassen und habe beim Salat zugegriffen – einschließlich der kleinen Schinkenstückchen im Nudelsalat. Und ich geb es zu: ein Brötchen hab ich auch dazu gegessen. Wenn ich den Tag so Revue passieren lasse, fällt der Cappuccino bei der morgendlichen Dienstbesprechung da gar nicht mehr ins Gewicht. Zwischenresümee: Sechs Tage prima, ein Tag Totalausfall. Das muss besser werden.

CO2-Fasterin Diana Fuchs:

Erst habe ich mein Fahrrad fit für den Frühling gemacht (und gelernt, dass Kettenöl nicht mehr aus der Jeans rausgeht). Dann habe ich 24 Stunden auf Smartphones, Tablet und PC verzichtet (hatte an dem Tag frei – weiß nicht, was sonst der Chef gesagt hätte). Am Freitag galt es, die Heizung richtig einzustellen – das spart bis zu einem Viertel Energie und damit CO2. An den Folgetagen habe ich mein Auto entrümpelt (Gewicht spart Sprit und damit Abgase), auf dem Wochenmarkt eingekauft statt im Discounter und ein saisonales Gemüse probiert: Petersilienwurzel. Die Suppe aus den würzigen weißen Kegeln und orangeroten, heimischen Karotten hat auch meinen Kindern geschmeckt. Kurzum: Ich habe mich eine Woche lang so klimaschonend wie möglich verhalten. Zuvor habe ich mit dem CO2-Rechner des Umweltbundesamtes meinen persönlichen CO2-Fingerabdruck ermittelt. Uff, der ist ganz schön gewaltig. Ihn zu reduzieren, fällt mir in der Gemeinschaft leichter als alleine. Deshalb freue ich mich, dass die Fasten-Challenge der Metropolregion Nürnberg schon viele Fans gefunden hat. Ihre Kommentare geben meinem inneren Schweinehund einen (virtuellen) Tritt. Los Leute, zusammen schaffen wir das!

Wer Lust zum Mitmachen hat: Infos: co2fasten.worldpress.com; außerdem freuen wir uns auf unserer Facebook-Seite „Fest am Fasten“ über jegliche Unterstützung.

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