Kitzingen

Wir schrumpfen auf die schräge Art

Von Vitaminschocks und Sport im Fernsehen: Aus dem Fastenquartett in der Redaktion wird ein Trio.
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Gemüse, Gemüse, Gemüse... Kein Wunder, dass es Nina Grötsch gefühlt schon aus den Ohren wächst. Foto: Foto: Julia Göbel
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Kitzingen

Wir sind geschrumpft. Leider nicht so sehr vom Gewicht her, wie man es sich von einer Fastenaktion wünschen würde. Die Zahlen, die manche Kollegen in diesem Zusammenhang nennen, verschweigen wir lieber, sie sind wahrscheinlich eher der Kategorie Märchen zuzuordnen. Nein, wir haben einen Krankheitsausfall. Und wer krank ist, soll weder fasten noch Sport treiben. Der Kollege braucht also in dieser Woche nicht mal eine Ausrede.

Nina Grötsch

(wenig Kohlenhydrate): Bei Babys sagt man doch immer, dass sie so eine schöne Hautfarbe bekommen, wenn es mit den Karotten los geht. Bei Erwachsenen scheint dies nicht der Fall zu sein. Meine Teint wird weder bräuner noch grüner – was ich ehrlich gesagt eher nachvollziehen könnte, bei den Bergen an Brokkoli, Kohlrabi, Lauch, Rosenkohl und anderem grünen Gemüse, das ich aktuell zu mir nehme. Ich glaube, mein Körper weiß gar nicht mehr, wie ihm geschieht. So gesund wurde er vermutlich seit dem Säuglingsalter nicht mehr ernährt. Um den drohenden Vitaminschock abzuwenden, habe ich mich am Sonntagabend dann tatsächlich zu einer weiteren Sünde hinreißen lassen. Meine Großeltern feierten Diamantene Hochzeit und wir waren alle in die Wirtschaft eingeladen. Vor mir lag eine Speisekarte voller Verlockungen. Leider auch voller Kohlenhydrate. Da erinnerte ich mich plötzlich an die weisen Worte meines Opas zu Kinderzeiten: „Du musst'n Kloß ess, damitst was wirscht!“ Ich hab an dem Abend gleich zwei gegessen. Es war schließlich Opas großer Tag.

Daniela Röllinger

(Nichts Süßes): Der Körper braucht Zucker, und er bekommt tagtäglich genug davon. Auch wenn man auf Süßigkeiten verzichtet. Er ist in den Cerealien beim Frühstück versteckt. Im Ketchup auf den Pommes – naja, die sollte man in der Fastenzeit wahrscheinlich eh nicht essen. Im Sekt, im Apfelsaft, im Rotkohl aus dem Glas, im Joghurt, sogar im Pizzateig. Zucker ist allgegenwärtig. Ich könnte also, wenn ich Heißhunger auf Süßes habe, theoretisch ein bisschen Blaukraut essen. In der Praxis ist das eher schwierig, denn einen Herd habe ich nicht neben dem Schreibtisch stehen und so weit, dass ich das Zeug kalt aus dem Glas löffle, ist es dann doch nicht.

Was könnte man denn sonst tricksen? Mal schauen, was andere so treiben. Schließlich gibt es unzählige Blogs und Threads und Foren zu dem Thema. Rohe Karotten werden dort als Ersatz angepriesen, oder Trockenfrüchte. Einer meint, mit Erdnussmus gefüllte Datteln wären eine wunderbare Sache, das Zeug schmecke wie Snickers. Keine Lösung für mich, damit kann man mich jagen. Bevor ich was mit Erdnüssen zu mir nehme, esse ich lieber mein ganzes Leben lang keine Schokolade mehr. Vom gleichen „Faster“ stammt ein weiterer Tipp: Eis aus sehr reifen, gefrorenen Bananen machen und das Ganze mit Kakao aufpeppen, dann habe man fast ein Schokoladeneis. Von wegen „fast“. Eis ist Eis und dass Kakao nichts mit Schokolade zu tun hat, kann mir auch keiner erzählen. Unverfroren sind sie alle, diese Faster. Wie wäre es damit, nächstes Mal mal auf Schummeln zu verzichten?

Ralf Dieter

(mehr Sport): Der Kollege ist raus – zumindest für diese Woche. Ob die vermehrte Sauerstoffzufuhr beim Männersport seiner Gesundheit zugesetzt hat? Auf jeden Fall ist er so platt, dass rein sportlich gar nichts geht. Sofa, eine dicke Decke, heißer Tee und Medikamente sind angesagt – hoffentlich reicht's wenigstens für Sport im Fernsehen. Lass es langsam angehen, Kollege, wir wünschen gute Besserung!

Diana Fuchs

(nur regionale Produkte konsumieren): Der arme Ralf. Wenn wir gewusst hätten, dass ihn die Grippe am Schlafittchen packt, hätten wir ihn vergangene Woche nicht so gnadenlos ausgebuht. Und jetzt? Jetzt würde er bestimmt lieber sporteln als sich Schüttelfrost- und Fieberattacken hinzugeben. Ralf zu Ehren (und ein klitzekleines bisselchen aus schlechtem Gewissen) habe ich mich diese Woche besonders angestrengt, die Fastenehre hochzuhalten. Und das, obwohl wir zuhause eine tschechische Austauschschülerin hatten, die dem fränkischen Essen mit einiger Skepsis begegnete. Der Inhalt von Bratwürsten war ihr sehr suspekt. An Kraut gewöhnte sie sich, nachdem sie ihre Aversion gegen den Geruch besiegt hatte. Schäufele mit Klößen fand sie auf Anhieb spitze und Gelbe-Rüben-Salat ebenso. Ich denke, sie mag Franken jetzt – und zwar im doppelten Sinn. Und ich? Ich gewöhne mich langsam daran, vorausschauender zu sein und nicht erst spontan am Abend nach einem geeigneten Essen zu suchen – dann wird es mit der Regionalität nämlich schwierig. Was ich auf jeden Fall merke: Der Gelbe Sack bekommt derzeit deutlich weniger Inhalt. Regionale Produkte kauft man oft direkt vor Ort, im Bauernladen oder auf dem Markt. Und das spart in der Summe allerhand Verpackungsmüll.

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