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SCHWANBERG

Wildkatze auf dem Schwanberg

Der Nachweis ist erbracht. Auf dem Schwanberg hat es zumindest eine Wildkatze gegeben. Ob das Tier und eventuell auch seine Artgenossen hier heimisch werden, ist allerdings fraglich.
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Sabine Jantschke ist Freiwilligen-Koordinatorin im Wildkatzenprojekt in Bayern. Foto: Foto: BN
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Der Nachweis ist erbracht. Auf dem Schwanberg hat es zumindest eine Wildkatze gegeben. Ob das Tier und eventuell auch seine Artgenossen hier heimisch werden, ist allerdings fraglich.

Sabine Jantschke hat eine ganz besondere Leidenschaft: Sie kümmert sich um den Fortbestand und das Überleben von Wildkatzen. Jantschke ist Koordinatorin aller Ehrenamtlichen für das Wildkatzenprojekt des Bund Naturschutz in Bayern. Bei ihr laufen die Fäden zusammen – oder besser: die Haarproben. Rund 150 Ehrenamtliche waren 2019 im Norden des Freistaates unterwegs, stellten so genannte Lockstöcke auf und schauten in regelmäßigen Abständen nach, ob sich eine Wildkatze daran gerieben hat.

Die Stöcke werden in Gebieten aufgestellt, die für die Wildkatzen attraktiv erscheinen – zusammenhängende Waldgebiete mit viel Totholz, mit Hecken und Gestrüpp, in denen sich die scheuen Tiere verstecken können.

Baldrian zieht die Tiere an

In einigen hundert Metern Abstand werden die Stöcke aufgestellt und regelmäßig mit einer Baldriantinktur eingesprüht.

„Die zieht die Tiere an“, erklärt Jantschke. Idealerweise reiben sich die Katzen an den Stöcken, hinterlassen Haare, die von den Ehrenamtlichen eingesammelt und an die Koordinatorin geschickt werden. Die nimmt eine Voruntersuchung vor und leitet die aussichtsreichen Proben an ein Labor weiter.

Die Ergebnisse des Monitorings waren für das Projektteam teilweise überraschend. Im Landkreis Lichtenfels und in der Region um Litzendorf bei Bamberg konnten viele Tiere nachgewiesen werden. In anderen Gebieten hingehen blieben Nachweise aus. „Das ist uns selbst ein Rätsel“, bekennt die Freiwilligen-Koordinatorin im Wildkatzenprojekt. Es habe auch wieder zwei Erstnachweise gegeben. Einen davon im Landkreis Kitzingen.

Zusammen mit einer Freundin betreute sie im letzten Jahr selbst ein paar Lockstöcke auf dem Schwanberg.

Etwa 600 Tiere in Bayern

Auf der nördlichen Seite und in der Nähe des Mittelwaldpavillons zwischen Iphofen und Birklingen standen die Stöcke. „An beiden Orten konnten wir den gleichen Kater nachweisen.“ Einen weiteren Erstnachweis gab es im Landkreis Neustadt/Aisch und im Nürnberger Land. Insgesamt sind 23 Landkreise in Bayern beprobt worden. Seit 2013 gibt es das Projekt, dennoch ist es fast unmöglich, genaue Angaben über die Population der Tiere im Freistaat zu machen.

„Sie sind nun mal sehr aktiv und wandern viele Kilometer von Revier zu Revier“, erklärt Jantschke. Sie schätzt die Zahl der Wildkatzen in Deutschland auf 5000 bis 7000. In Bayern dürften nach sehr groben Schätzungen 600 bis 700 Tiere leben.

„Erfreulicherweise gibt es Anzeichen, dass sie sich hier ausbreiten“, sagt Jantschke. Ob sie hier auch langfristig heimisch werden, lässt sich derzeit noch nicht sagen.

Wälder mit viel Totholz, Lichtungen im Wald und Wiesen am Waldrand sind bevorzugte Orte für die Tiere. Hier finden sie Futter, hier können sie sich gut verstecken. „Auf den Äckern und in den Weinbergen finden sie keine Deckung“, bedauert Jantschke. Außerdem mangelt es an zusammenhängenden Revieren, durch die die Wildkatzen streifen könnten. „Der Biotopverbund in Bayern lässt zu wünschen übrig“, erklärt sie.

Dabei sei die Wildkatze eine sogenannte Schirmart, will heißen: geht es ihr in einem bestimmten Gebiet gut, fühlen sich auch andere Wildtiere wie Fledermäuse, Schwarzstörche, Uhu, aber auch bestimmte Pilze und Flechten dort wohl.

Kaum Kontakte zu Hauskatzen

Der März ist für die Wildkatzen eine sensible Zeit. Zwischen Januar und März pflanzen sie sich fort. Zu Kontakten mit Hauskatzen kommt es – im Gegensatz zu manch anderen Ländern – in Deutschland seltener. So genannte Hybride – Mischlinge aus Wild- und Hauskatze – gibt es in Deutschland nur rund vier Prozent. „In Schottland sind beispielsweise fast nur noch Mischlinge unterwegs“, erklärt Jantschke. Ob der Kater vom Schwanberg bereits eine Partnerin gefunden hat, kann sie derzeit nicht nachweisen.

Wildkatzeninventur

Die Wildkatze zählt zu den seltensten und scheuesten Bewohnern in Bayerns Wäldern. Die Unterscheidung zwischen Wild- und Hauskatzen gelingt nur über eine Genanalyse. Um an das benötige Genmaterial zu gelangen, startete der BN bereits 2014 eine „Wildkatzeninventur“ in Nordbayern, fünf Jahre später die zweite.

Insgesamt haben bei der Aktion die Aktiven des BN in 23 nordbayerischen Landkreisen 361 Haarproben an knapp 600 Lockstöcken gesammelt. Es ließen sich 68 Haarproben genetisch Wildkatzen zuordnen, 89 weitere stammten von Hauskatzen.

Die Ehrenamtlichen leisteten dabei Tausende Stunden Forschungsarbeit, die vom Bayerischen Naturschutzfonds aus Zweckerträgen der GlücksSpirale sowie von Förstern (BaySF), Jägern vor Ort und dem Landwirtschaftsministerium unterstützt wurde.

Seit Anfang Februar 2020 findet ein ebenso aufgebautes Wildkatzenmonitoring mit Hilfe von Freiwilligen in Südbayern statt.