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KITZINGEN

Wer angelt sich die Einbrecher?

Kurz vor Weihnachten wurden mehrere Geräteschuppen im Gebiet des Schulzentrums angegangen. Die Polizei geht nicht von einer organisierten Bande aus
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Die komplette Ausrüstung ist einem passionierten Angler in Kitzingen gestohlen worden. Foto: Foto: Rene Ruprecht
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Ihren Namen will sie nicht nennen. Der Schrecken sitzt noch tief. Mitten in der Nacht haben sich Unbekannte an ihrem Geräteschuppen zu schaffen gemacht. Der steht im Vorgarten. Drei Meter sind es bis zur Haustür.

In der Nacht auf Donnerstag wurden aus einer Gartenhütte in der Paul-Rücklein-Straße in Kitzingen diverse Angelutensilien entwendet. So meldete es die Polizei vor rund einer Woche. Es war offensichtlich nicht der einzige Fall, in dem Gerätschaften aus Kitzinger Gärten geklaut wurden. Am Sonntag vor Heiligabend meldete die Polizei einen weiteren Fall aus der Glauberstraße. Zwischen dem 15. und 22. Dezember hat dort ein bislang unbekannter Täter den Maschendrahtzaun zu einem Grundstück aufgezwickt. Anschließend drang er auf das Grundstück ein und entwendete aus einem massiven Holzunterstand eine Motorsense sowie eine Gasflasche. Der Beuteschaden betrug rund 600 Euro. Sehr ärgerlich – aber kein Vergleich zu dem finanziellen Verlust, den die Frau, die wir der Einfachheit halber Miller nennen, erleiden musste. Rund 7000 Euro sind die Angelutensilien wert, die ihr Mann vor mehr als 15 Jahren kaufte. Entsprechend sprachlos und frustriert schaut er auch noch Tage später drein.

Die beiden sind in England groß geworden, vor rund 14 Jahren nach Kitzingen gekommen. Er war ein leidenschaftlicher Angler. An Seen und Flüssen hat er oft mehrere Tage gecampt und hunderte Fische an Land gezogen. „Und dann habe ich sie gleich wieder ausgesetzt“, erzählt er. In Deutschland war er überrascht, dass die Fische tatsächlich mit nach Hause genommen werden und auf den Tellern landen. Weil er keine deutsche Berechtigung besaß, hat er die Angelausrüstung einfach im Schuppen gelagert. Gut verpackt, ungenutzt. Für spätere Zeiten.

Die Tür zum Schuppen war stets abgeschlossen. Wird schon nichts passieren. 14 Jahre ging das auch gut. „Wir haben hier nie etwas Kriminelles erlebt“, berichtet Frau Miller. Kurz vor Weihnachten war allerdings Schluss mit dem Frieden in der Nähe des Kitzinger Schulzentrums. „Bei unserer Nachbarin waren sie am 20. Dezember zugange“, berichtet sie. Bohrer und allerhand Werkzeug transportierten die Täter ab. Eine Nacht später kehrten sie zurück. „Es müssen mehrere gewesen sein“, sagt Herr Miller. Seine Angelausrüstung sei nicht nur sehr umfangreich, sondern auch sehr schwer gewesen. Mindestens 50 Kilo habe beispielsweise eine Tasche mit speziellem Zelt, Tisch und einer Edelstahl-Bank gewogen. Die Angelruten waren mehr als zwei Meter lang.

An ein gezieltes Vorgehen glaubt er dennoch nicht. „Niemand wusste von meiner Ausrüstung, das muss ein Zufall gewesen sein.“ Die beiden glauben eher an eine organisierte Bande. An ein paar Täter, die vor Weihnachten in und um Kitzingen herum zugeschlagen haben. Frau Miller berichtet von einer Freundin, die im Bereich Neuer Weg wohnt und ebenfalls ungebetenen Besuch bekommen hatte. Einen Tag vor Weihnachten sind die Täter dort durch den Keller in die Wohnung eingedrungen.

Polizeihauptkommissar Joachim Schinzel weist die Befürchtung von einer organisierten Bandenkriminalität von sich. Die hätten es in der Regel auf ganz andere Beute abgesehen: Schmuck, Geld, Elektrogeräte. „Diese Banden suchen sich die Häuser ganz gezielt aus, die sie angehen“, erklärt Schinzel. Im Fall der teuren Angelausrüstung handele es sich eher um eine Zufallstreffer von Dieben. Die dürften allerdings beim Absetzen der Ware ihre Schwierigkeiten bekommen. Hochwertige Angelausrüstung bekommt man nicht so leicht an den Mann, ohne dabei aufzufallen.

Genau darauf hofft auch das Ehepaar Miller. Eine Liste mit den gestohlenen Utensilien ging nicht nur an die Polizei, sondern auch an Christian Gröll von der Koppelfischereigenossenschaft Kitzingen e.V. Der hat versprochen, seine Mitglieder zu informieren – und die Augen offen zu halten.

Diebesgut Zur gestohlenen Angelausrüstung gehören unter anderem ein „Fox Evolution“ Bivvy Zelt mit Winterschutz sowie drei „Fox“ DXR Bite-Alarm mit Empfänger und einem blauen Licht. Diese Teile sind in Deutschland nicht – oder nicht in dieser Ausfertigung – zu haben. Wer Teile dieser Ausrüstung zum Kauf angeboten bekommt, sollte sich unbedingt mit der Polizei in Verbindung setzen: Tel. 09321 / 141-0.

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