GNODSTADT/KITZINGEN

Weihnachtskrippen für den guten Zweck

Werner Biebelriether hat zehn Jahre lang gewerkelt, um den Mukoviszidose e.V. zu unterstützen.
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Ein paar Weihnachtskrippen hat er noch im Keller stehen. Werner Biebelriether und Schwiegertochter Claudia freuen sich auf deren Verkauf und weitere Spenden für die Regionalgruppe Unterfranken des Mukoviszidose e.V. Foto: Foto: Ralf Dieter
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Zehn Jahre hat er gebastelt, geklebt und gewerkelt. Zehn Jahre lang ist er auf Weihnachtsmärkte in Unterfranken gefahren, um seine Produkte für einen guten Zweck zu verkaufen. Jetzt ist Schluss. Zum Glück hat Werner Biebelriether einen Nachfolger gefunden.

Werner Biebelriether ist ein stolzer Opa. Für seine beiden Enkel würde er alles tun. Als sie mit der seltenen Krankheit Mukoviszidose auf die Welt kamen, stand für ihn fest: Da muss etwas getan werden. Biebelriether wollte helfen, Spendengelder eintreiben. Als gelernter Spengler-Installateur verfügt er über handwerkliches Geschick. Und als sein Enkel Nils eine Weihnachtskrippe geschenkt bekam, machte es bei ihm „Klick.“ „Das kann ich auch“, dachte sich der heute 73-Jährige. Und machte sich wenig später an die Arbeit.

Eine kleine Werkstatt hat er sich gebaut, einen Heizofen hinein gestellt und angefangen zu werkeln. Wie viele Krippen er in all den Jahren gebaut hat? Biebelriether zuckt mit den Schultern. Genau kann er das nicht sagen. „Im letzten Jahr waren es 41“, weiß er. „Und die habe ich alle verkauft.“ 200 Euro kostet die teuerste Krippe, andere wechselten etwas günstiger den Besitzer. Manche hat er aus Fichten-, andere aus Buchenholz gemacht. Zuletzt hat er mit Kirschbaumholz gearbeitet. „Den Erlös habe ich immer zu hundert Prozent gespendet“, erklärt er. Das Geld ging an den Mukoviszidose e.V. Und der kann jede Summe gut gebrauchen, wie Schwiegertochter Claudia Biebelriether versichert. Seit etlichen Jahren engagiert sie sich im unterfränkischen Ableger des bundesweiten Vereins. Sie organisiert Veranstaltung und ist Ansprechpartnerin für Betroffene.

Die haben viele Fragen, die Unsicherheit ist groß. Claudia Biebelriether kann das gut nachvollziehen. Sie kann sich noch gut an die Diagnose bei ihren Kindern erinnern. „Ich wusste vorher gar nichts über die Krankheit.“ Wie auch: Mukoviszidose ist eine seltene Erkrankung. Etwa 8000 Fälle gibt es in Deutschland. Das Tückische daran: Zwei vollkommen gesunde Partner können ein Kind bekommen, das an Mukoviszidose erkrankt. „Der Salz- und Wasserhaushalt im Körper ist gestört“, erklärt Claudia Biebelriether. „Dadurch bildet sich ein zähflüssiges Sekret.“ Und das schädigt Organe wie die Lunge oder die Bauchspeicheldrüse. Mukoviszidose ist behandelbar – aber nicht heilbar. „Je eher die Therapie beginnt, desto besser“, sagt Claudia Biebelriether und freut sich, dass es seit etwa einem Jahr ein Neugeborenen-Screening gibt. Direkt nach der Geburt können die Ärzte feststellen, ob die seltene Erbkrankheit vorliegt. Bei Biebelriethers erster Geburt dauerte es noch sechs Wochen, bis die Diagnose vorlag. Wertvolle Zeit war verstrichen.

Zum Glück geht es ihren Kindern heute – den Umständen entsprechend – gut. Nils macht eine Ausbildung zum Elektriker und Lilli ist Leistungsturnerin. „Sport ist gut für die Betroffenen“, versichert ihre Mutter. „Die Vibrationen helfen, den Schleim zu lösen.“ Dennoch: Das Leben als Mukoviszidose-Patient ist eingeschränkt. Beide müssen sehr gut auf ihre Ernährung aufpassen. „Die Betroffenen können beispielsweise kein Fett verdauen“, erklärt ihre Mutter. In der Bauchspeicheldrüse fehlen Enzyme, die extern zugeführt werden müssen. Oft brauchen die Betroffenen eine Magensonde, die nachts angeschlossen wird, um Kalorien zuzuführen. Zu den Begleiterscheinungen von Mukoviszidose zählt auch Diabetes. Die Lungenfunktion ist oft eingeschränkt.

Rund 30 Menschen engagieren sich im Mukoviszidose e.V. in Unterfranken. Sie stehen als Ansprechpartner für Betroffene zur Verfügung, helfen beim Ausfüllen eines Kurantrages und sammeln Spendengelder. Die werden beispielsweise zur Finanzierung einer professionellen psychosozialen Beratung eingesetzt. Außerdem unterstützt der Verein die unterschiedlichen Forschungsaktivitäten an den deutschen Uni-Kliniken. Claudia Biebelriether wünscht sich, dass neue Therapieformen entwickelt und neue Medikamente entdeckt werden, die die Lungenfunktion der Betroffenen steigern. „Jede kleine Spende hilft dabei“, versichert sie. Und deshalb engagiert sie sich im Verein. An diesem Wochenende wird sie am Würzburger Weihnachtsmarkt mit einem Stand vertreten sein, die restlichen Krippen ihres Schwiegervaters sind von Freitag bis Sonntag im Kitzinger Bellissimo zu sehen – und natürlich für den guten Zweck zu erwerben. Mit deren Verkauf ist für Werner Biebelriether Schluss. In Paul Zimmermann hat er einen Nachfolger gefunden. Der will den Krippenbau in den nächsten Jahren weiterführen und hat zugesichert, einen Teil des Erlöses an den Mukoviszidose-Verein zu spenden.

Mukoviszidose

Wie viele: In Deutschland sind rund 8000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene von dieser bislang unheilbaren Erbkrankheit betroffen. Jedes Jahr werden hierzulande ca. 300 Kinder mit Mukoviszidose geboren.

Was: Von Geburt an verstopft zähes Sekret Lunge, Bauchspeicheldrüse, Leber und Darm. Regelmäßig wiederkehrende Entzündungen zerstören die Lunge Stück für Stück. Zusätzliche Sauerstoffversorgung und Transplantation können notwendig werden. Mit fortschreitendem Lebensalter können Diabetes, Osteoporose und Nierenerkrankungen hinzukommen. Immer noch sterben Kinder, bevor sie erwachsen werden.

Die häufigsten Symptome: Chronischer Husten; Lungenentzündung; Verdauungsstörungen; Untergewicht; erhöhte Salzausscheidung über die Haut.

Was tun: Mehrmals täglich Medikamente einnehmen; regelmäßiges Inhalieren; Atemtherapie, Physio- und Sporttherapie; spezielle, sehr kalorienreiche Ernährung; Schutzmaßnahmen gegen Krankheitserreger

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