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Manche Wohnmobilisten machen Ärger

Die Campingplätze dürfen am kommenden Wochenende wieder öffnen – aber unter welchen Bedingungen? Die Betreiber warten auf klare Ansagen
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Neda Hartmann freut sich: Ab dem 30. Mai darf sie wieder Gäste auf dem Camping-Platz „Schiefer Turm“ begrüßen. Unter welchen Auflagen, ist ihr heute allerdings noch nicht klar. Fotos: Ralf Dieter Foto: Ralf Dieter
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Frank Hartmann ist hin- und hergerissen. Einerseits freut er sich, dass die Campingplätze Ende nächster Woche endlich wieder öffnen können. Andererseits ärgert er sich über das Hick-Hack der letzten Wochen. Er ist nicht der einzige. Die Camping- und Wohnmobilstellplätze gehören zu den letzten Einrichtungen, die in Bayern wieder öffnen dürfen. Seit diesem Montag haben die Dauercamper wieder Zutritt. Ab dem kommenden Samstag dürfen alle „normalen“ Gäste wieder anreisen. „Das Telefon steht nicht mehr still“, sagt Hartmann. Für die Pfingstferien gibt es jede Menge Anfragen und Reservierungen. Auch für später. „Manche stornieren aber auch schon wieder, weil die Grenzen nach Italien oder Kroatien wohl doch wieder aufmachen“, ergänzt seine Frau Neda.

„Ein Stück weit fühle ich mich im Stich gelassen.“
Frank Hartmann, Campingplatz-Besitzer

Die letzten Wochen bedeuteten für beide nicht nur deshalb ein Auf und Ab. „Der Informationsfluss war nicht wirklich gut“, sagt Hartmann. „Um es mal vorsichtig auszudrücken.“ Wer darf wann und unter welchen Bedingungen öffnen? Diese essenziellen Fragen sind zum Teil bis heute nicht geklärt. Dürfen die Waschräume öffnen? Welche Vorschriften müssen die Betreiber umsetzen? „Bis heute nicht klar“, wundert sich der Besitzer des Platzes „Schiefer Turm“ in Kitzingen. Auf seine Anfragen bei Stadt oder Landkreis gibt es keine Antworten. „Ein Stück weit fühle ich mich im Stich gelassen.“

Am meisten ärgert er sich, dass auf einigen Wohnmobilstellplätzen bereits wieder Camper stehen. In Mainstockheim, Albertshofen und Dettelbach hat er dieser Beobachtungen gemacht. Auf Nachfrage erklärt Horst Reuther, dass der Albertshöfer Platz gesperrt sei, ein rotes Absperrband ist montiert. Gegenüber, am Mainstockheimer Ufer, sind ein paar Wohnmobile zu sehen. Zwei gehören den ehrenamtlichen Mitarbeitern, eines einem Paar aus Cuxhaven, das keinen festen Wohnsitz in Deutschland hat und schon seit sieben Wochen in Mainstockheim steht. Und dann muss Bürgermeister Karl-Dieter Fuchs immer wieder neue Ankünftler vertreiben. „Ich schicke jeden Tag bestimmt zehn Wohnmobilisten fort“, sagt er. Die ignorieren die Absperrbänder und zeigen teils wenig Verständnis für die Maßnahme. „Dass es in den Bundesländern unterschiedliche Regelungen gibt, macht es nicht einfacher für uns“, bedauert Fuchs.

Ein paar Kilometer weiter in Dettelbach ist die Sache noch ein wenig verzwickter. Der Platz, auf dem die Wohnmobilisten stehen, ist rechtlich gesehen lediglich ein öffentlicher Parkplatz. Als die Ausgangsbeschränkungen gefallen sind, war der Platz teilweise gut gefüllt. So gut, dass ihn Bürgermeister Matthias Bielek letztendlich sperren ließ. Die Verkehrsüberwachung prüft regelmäßig, ob dort trotzdem Wohnmobilisten stehen. „Das Absperrband wird immer wieder mal entfernt, die Schilder umgestellt“, wundert sich der Bürgermeister, der Verständnis für den Ärger mancher Campingplatz-Besitzer äußert. Volle Wohmobilstellplätze, während die Campingplätze geschlossen bleiben müssen. „Das geht natürlich nicht.“

In Kitzingen war der Wohmobilstellplatz bislang zu, er wird am 30. Mai öffnen. 70 Stellplätze gibt es dort. Ob alle gleichzeitig belegt sein dürfen? Claudia Biebl, Pressesprecherin der Stadt, weiß es noch nicht. „Die Lage verändert sich ständig“, sagt sie. Eines weiß sie aber schon jetzt: Die Stadt als Betreiber muss nachweisen können, wer wann auf dem Platz gestanden hat – damit eine mögliche Infektionskette nachzuweisen ist. Wie die Stadt das bewerkstelligen will? „Vielleicht müssen wir Security einstellen“, sagt Biebl. „Wir wissen es noch nicht.“

Barbara Kautz weiß, dass sie sich einen ganz anderen Start ins neue Berufsleben gewünscht hat. Seit Anfang dieses Jahres betreiben die Familien Kautz und Weniger den Campingplatz Mainblick in Schwarzenau. Am 28. März wollten sie in ihre erste Saison starten. Eine Woche vorher kam der Shutdown. Auch Kautz beklagt eine fehlende Verlässlichkeit. „Die Entscheidungen ändern sich täglich.“ Ob Corona-Hotline, Landratsamt oder Polizei: Keiner konnte ihre klare Anweisungen liefern. „Wir hingen ganz schön in der Luft.“ Immerhin: Seit Mittwoch ist der Biergarten am Platz geöffnet, ab kommenden Montag darf auch die Gaststätte aufmachen.

„Ich schicke jeden Tag bestimmt zehn Wohnmobilisten fort.“
Karl-Dieter Fuchs, Bürgermeister Mainstockheim

Warum die Bewirtung draußen bis 20 Uhr begrenzt ist, während ein paar Schritte weiter im Gastraum bis 22 Uhr geöffnet sein darf, erschließt sich ihr nicht. „Und meinen Gästen sicher auch nicht.“

In normalen Jahren hätten die meisten Campingplätze ihre Tore Anfang April geöffnet. Die Einnahmen von zwei Monaten fehlen auch Tanja Herlitz in ihrem Campingplatz Ankergrund in Volkach. „Normalerweise sind wir zu den Osterferien und der Spargelzeit voll belegt“, sagt sie. Für die Pfingstferien gibt es jede Menge Buchungen aus ganz Deutschland. Die Dauercamper haben ihre Parzellen schon größtenteils belegt. „Wir hätten auch viel früher schon öffnen können“, meint Herlitz. Die Ansteckungsgefahr auf einem Campingplatz sei weitaus geringer als in einem Supermarkt oder Baumarkt, argumentiert sie. „Oder beim Friseur“, ergänzt Neda Hartmann. 100 bis 120 Quadratmeter hat so ein Stellplatz im Schnitt. „Das Ansteckungsrisiko tendiert gegen Null“, versichert ihr Mann Frank. Immer vorausgesetzt, die Gäste halten sich an die Hygieneregeln.

60 Dauercamper und 90 Stellplätze weisen die beiden auf ihrem Kitzinger Campingplatz aus, etwa 8000 Gäste kommen pro Jahr. „Und die lassen richtig Geld in der Stadt“, sagt der Platzbesitzer. Camping boome und sei längst ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Kommunen geworden. Auch deshalb ist er enttäuscht von der geringen Aufmerksamkeit, die seine Branche in den letzten Wochen erfahren hat. „Unser Bundesverband hat ein schlüssiges Konzept an die Landesregierung geschickt, aber selbst zwei Wochen später kam keine Antwort“, ärgert er sich. Der Corona-Shutdown sei für ihn nachvollziehbar gewesen. „Aber danach wäre es logisch gewesen, diejenigen Branchen zuerst zu öffnen, in denen die Ansteckungsgefahr am geringsten ist.“ Im Einzugsbereich der Mainschleife gibt es vier Campingplätze und sieben Wohnmobilplätze. „Das ist ein wichtiger Wirtschaftszweig für die Region“, weiß Marco Maiberger. Für die Pfingstferien gibt es jede Menge Anfragen von Touristen. „Die Telefone stehen nicht mehr still“, berichtet er. Auch Wohnmobilisten rufen an und fragen nach. Maiberger muss sie noch vertrösten. Die Informationen und Vorgaben aus München fließen sehr spät, das war schon in Sachen Gastronomie so. „Da haben wir am Donnerstagabend die Anweisungen erhalten und am Montag ging es los“, erinnert sich der Leiter der Volkacher Tourist-Info. Für die Betreiber bedeutet das eine enorme Herausforderung. Und für die Gäste auch. „Die müssen unsere Konzepte und Vorkehrungen schließlich verstehen und umsetzen.“