GROßLANGHEIM

Warmes für kalte Zeiten

Renate, Erika, Betti und Anna haben ein großes Herz für Kinder, vor allem für arme oder verwaiste.
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Renate Strung ist glücklich: Mit den drei fleißigen Strickerinnen Erika, Betti und Anna kann sie sich auf engagierte Helferinnen verlassen, die kein Kind frieren lassen. Foto: Foto: Diana Fuchs
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Zu dritt sitzen sie am Tisch. Sie stricken und unterhalten sich. Vor ihnen liegt ein großer, farbiger Berg von Socken, Kuscheltieren, Pullis, Westen, Täschchen, Mützen und Schals – ihre selbst gemachten Werke. „Ich denke beim Stricken immer: 'Wieder was für ein Kind getan, das sonst frieren müsste'“, sagt Erika Reinhardt. Betti Priebe und Anna Rausz nicken. Die Freude und Hoffnung in den Augen der Kinder ist der Antrieb ihrer Stricknadeln.

Jahr für Jahr fertigen die drei Damen aus Kitzingen und Albertshofen aus kuscheliger Wolle schöne warme Kleidungsstücke an. Diese verpackt die Großlangheimerin Renate Strung – zusammen mit vielen anderen Dingen – in schön weihnachtlich beklebte Schuhkartons. Etwa 30 solcher eigenen Pakete bringt Renate Strung Jahr für Jahr auf den Weg zu bedürftigen Kindern, außerdem nimmt sie die Pakete von Privatleuten an, die ebenfalls bei der christlichen Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ mitmachen wollen. Der Grund für ihren Einsatz ist der gleiche wie bei ihren Helferinnen: „Während ich die Geschenke in die Kartons lege, denke ich immer an die Kinder, die sie ein paar Wochen später, an Weihnachten, auspacken. Ich hoffe, dass die Mädchen und Buben die Wertschätzung und Liebe spüren, mit der wir die Pakete gepackt haben.“ Jedes Empfängerkind solle mit dem Geschenk erfahren, dass es Menschen gibt, die an es denken.

Die Pakete aus Bayern werden heuer nach Osteuropa und Zentralasien gebracht. Empfänger sind Jungen und Mädchen aus Flüchtlingslagern, Slums, Waisenhäusern oder ohne Wohnsitz.

„Wer einen Schuhkarton packt und bei einer Sammelstelle abgibt, wird gebeten, freiwillig eine Geldspende von zehn Euro dazuzutun“, sagt Renate Strung. „Damit könnten alle Kosten gedeckt werden, um ein Paket zu einem Kind zu bringen.“ Strung ist der christliche Gedanke wichtig, der „Weihnachten im Schuhkarton“ zugrunde liegt: „Vor Ort helfen christliche Gemeinden, bedürftige Personen zu finden, die beschenkt werden sollen. Sie betreuen Familien auf Wunsch auch darüber hinaus. Das ist für mich nachhaltige, weitreichende Hilfe.“

Die Aktion begann mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahr 1989. Bilder verwahrloster Kinder aus Rumänien gingen wenig später um die Welt. Der Engländer David Cooke rief öffentlich dazu auf, für die Waisenkinder zu sammeln, was zu der Idee führte, Geschenke in Schuhkartons zu sammeln. Weltweit packten immer mehr Menschen Schuhkartons, weshalb Cooke die Kampagne „Operation Christmas Child“ 1993 an die internationale Organisation „Samaritan's Purse“ übergab. Innerhalb von 20 Jahren konnten über 100 Millionen Schuhkartons ausgeliefert werden. In Deutschland startete „Weihnachten im Schuhkarton“ im Jahr 1996.

Fast so lange ist Renate Strung dafür aktiv. Und sie hat treue Helferinnen. Betti Priebe, 88, und die 20 Jahre jüngere Erika Reinhardt hat sie in der Freien Christengemeinde Kitzingen kennen gelernt. „Die Renate hat gesagt, sie sucht jemanden, der Kindersocken stricken kann“, erinnert sich Betti Priebe. „Da hab' ich gedacht, das könnte ich sein.“ Seither lässt die einstige Gärtnerin die Nadeln für arme oder verwaiste Kinder glühen. Erika Reinhardt und Anna Rausz tun das Gleiche, „ebenso wie viele weitere Helfer im Hintergrund, „denen ich von Herzen dankbar bin“, sagt Renate Strung. Sie spricht ihrem ganzen Team wohl aus der Seele, wenn sie sagt: „Päckchen für Kinder mit schönen und nützlichen Dingen zu füllen, ist eine Freude, die zum eigenen Herzen zurückkommt.“

Weihnachten im Schuhkarton – Wer, was, wo?

Abgabestelle: Geschenkpakete können bis 15. November bei Renate Strung, Am Viehtrieb 47, in Großlangheim abgegeben werden. Die Transportkosten (zehn Euro) können in einem Umschlag mitgeschickt oder an den Berliner „Geschenke der Hoffnung e.V.“ überwiesen werden.

Aktion: Seit 1996 gibt es die christliche Aktion „Weihnachten im Schuhkarton – Geschenke der Hoffnung“. Kinder in von Armut geprägten Ländern sollen durch die Pakete Wertschätzung und Zuwendung erfahren. Geschulte ehrenamtliche Partner in Kirchengemeinden vor Ort kümmern sich auch nach der Verteilung um die Kinder und bieten zum Beispiel Essen oder Hausaufgabenhilfe an.

Inhalt der Pakete: Am besten ist eine bunte Mischung aus Kleidung (Mütze, Schal, Handschuhe, Socken, Pulli), Hygieneartikeln (Zahnputzzeug, Bürste, Kamm), Spielsachen (Auto, Ball mit Pumpe, Jo-Jo, Springseil, Puppe, Kuscheltier, Dynamotaschenlampe, Mundharmonika, Blockflöte), Süßigkeiten (Vollmilchschokolade, Bonbons, Lollis – mind. haltbar bis März 2020) und Schulsachen (A5-Hefte, Bunt- und Bleistifte mit Spitzer, Radiergummi, Solartaschenrechner etc).

Nicht in die Pakete dürfen: Gebrauchtes, Zerbrechliches, Lebensmittel wie Nudeln, Zucker oder Mehl, Süßigkeiten mit Nüssen und Mandeln, Lebkuchen, Müsliriegel und Flüssigkeiten (Seifenblasen).

Etiketten: Bitte kennzeichnen, für wen das Geschenk gedacht ist (Mädchen oder Junge, 2 bis 4 Jahre, 5 bis 9 Jahre oder 10 bis 14 Jahre). Entsprechende Etiketten gibt es auf www.weihnachten-im-schuhkarton.org

Alle Infos:

www.weihnachten-im-Schuhkarton.org

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