KITZINGEN

Warme Suppe und ein Herzenswunsch

Nach längerer Pause öffnet Uwe Hartmann am Samstag den Sozialen Zaun in Kitzingen wieder und bietet an diesem Tag zusätzlich eine Suppenküche an. Er will mit Spendern und Abnehmern ins Gespräch kommen, denn die Einrichtung funktioniert nur, wenn alle mitziehen.
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Die Schürze sitzt, die Suppenkelle liegt bereit: Uwe Hartmann und seine Mitstreiter laden zur Suppenküche am Sozialen Zaun ein. Foto: Foto: DANIELA RÖLLINGER
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Der Griff nach dem Strohhalm steht sinnbildlich für den Versuch, etwas zu retten, was fast hoffnungslos erscheint. So ähnlich geht es Uwe Hartmann, nur greift der zur Suppenkelle. Sein Ziel: Er will den Sozialen Zaun in Kitzingen erhalten. Seine Idee: Spender und Abnehmer sollen bei einer heißen Suppe ins Gespräch kommen.

Aufgeben ist nicht sein Ding, wenn ihm etwas am Herzen liegt. Und der Soziale Zaun liegt Uwe Hartmann am Herzen. Der Stadtrat der Bayernpartei hat das Projekt 2016 ins Leben gerufen, nachdem er im Fernsehen einen Beitrag über eine derartige Einrichtung in Darmstadt gesehen hatte.

Spenden in Tüten verpacken und beschriften

Aus vielen vorherigen Gesprächen mit Bürgern wusste er, dass Armut auch in Kitzingen eine Rolle spielt, zum Beispiel bei alten Menschen, deren Rente eigentlich hinten und vorne nicht reicht, die aber nicht „aufs Amt“ gehen möchten. Der Zaun, so dachte Hartmann, könnte ihnen helfen. Das Prinzip ist einfach: Es gibt eine Stelle, an den Spender Kleidung, Schuhe, Hygieneartikel und Ähnliches in Tüten ablegen können. Wer so etwas braucht, kann es sich holen. Ohne große Bürokratie, anonym. Die Stadt zog mit. Auf dem Feuerwehrgelände wurde ein Platz gefunden, der Bauhof baute einen Zaun, an den die Spenden, abgepackt in beschrifteten Tüten, gehängt werden konnten. Soweit die Theorie, die zum Großteil auch in der Praxis funktionierte.

Doch nicht alle hielten sich an die Regeln. Spender stellten volle Säcke oder Kartons voller Kleidung einfach ab, Abnehmer rissen die Behälter auf, warfen alles durcheinander, was sie nicht brauchen konnten, die Sachen wurden nass und dreckig. Andere rissen Kleidungsstücke, die wie gewünscht in beschrifteten Tüten am Zaun hingen, heraus, probierten sie an und warfen sie auf den Boden, statt sie wieder in die Tüten zu stecken. Dazu kam: Unbekannte legten immer öfter Müll am Sozialen Zaun ab, Hausabfall, dreckige Windeln. „Die mussten wir dann entsorgen“, so Hartmann. Unter diesen Voraussetzungen verloren gleich mehrere Helfer die Lust. Hatten ursprünglich acht Personen den Sozialen Zaun betreut, blieben am Ende nur noch drei. Zweimal hat Uwe Hartmann den Sozialen Zaun schon geschlossen, zuletzt vor zwei Monaten. „Jetzt, wo die kalte Jahreszeit beginnt und es auf Weihnachten zugeht, wollen wir nochmals versuchen, für die Bedürftigen Kleidung und Hygieneartikel am Sozialen Zaun im Hof der FFW Kitzingen zur Verfügung zu stellen.“ Er und seine Mitstreiter weiten das Projekt sogar aus: Im Winter wird es einmal im Monat eine Suppenküche geben, das erste Mal am Samstag, 30. November. 50 Portionen Leberknödelsuppe stellt ein Sponsor zur Verfügung, der laut Uwe Hartmann ungenannt bleiben will. Sie wird am Samstag, 30. November, von 11.30 bis 13 Uhr kostenlos verteilt – direkt am Zaun, der von diesem Zeitpunkt an auch wieder bestückt werden darf.

Bei Suppe mit Spendern und Abholern ins Gespräch kommen

Die Initiatoren hoffen, bei dieser Aktion sowohl mit den Spendern als auch mit den Bedürftigen über die richtige Verhaltensweise am Sozialen Zaun ins Gespräch zu kommen. „Da können wir erklären, warum es wichtig ist, dass die Leute ihre Spenden einzeln in Tüten bringen und beschriften, statt ganze Kartons hinzustellen“, so Hartmann. Und den Abholern sagen, dass sie die Spenden, die sie nicht mitnehmen, wieder in die Tüten stecken müssen, damit jemand anders sie nutzen kann. Weil bei der Suppenspeisung zudem Bedürftige kostenlos zu einer warmen Mahlzeit kommen, würden mit der Aktion am Samstag mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen, so der Stadtrat. Er hofft zudem, dass vielleicht jemand vorbeikommt, der bereit ist, ab und an auch mal am Sozialen Zaun nach dem Rechten zu sehen. Denn derzeit decken das Ehepaar Hartmann und eine weitere ehrenamtliche Kraft die gesamte Woche alleine ab. Ein großer Zeitaufwand für drei Personen. „Wir stoßen an unsere Grenzen“, so Hartmann.

Ab Samstag also ist der Soziale Zaun wieder geöffnet, die Suppenspeisung gibt es danach noch drei Mal: Am 28. Dezember, am 18. Januar und am 22. Februar, jeweils von 11.30 bis 13 Uhr. Ändert sich in diesen Monaten nichts an der Anlieferungs- und Abholpraxis sowie den Müllablagerungen, sieht es düster aus um das Hilfsprojekt. Die Bayernpartei habe sich eine Zeitfrist bis Mai gesetzt. „Bleibt alles wie bisher, werde ich der Stadt mitteilen, dass wir das Projekt nicht mehr machen können.“

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