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KITZINGEN

Von wegen schwarzes Schaf

Tierische Kontrolle: Das Veterinäramt zu Besuch beim Circus Solero
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Ali Baba schaut ganz selbstbewusst in die Kamera. Und das völlig zurecht. Der Trampeltierhengst und seine Artgenossen werden im Circus Solero gut behandelt, wie Tierärztin Dr. Claudia Baldauf feststellt. Foto: Fotos: Ralf Dieter
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Solche Patienten hat Dr. Claudia Baldauf auch nicht alle Tage. Wobei: Patienten ist das falsche Wort. Die Trampeltiere vom Circus Solero sind wohlauf. Der Besuch der Veterinärärztin ist Routine.

Fünf Trampeltiere, sieben Ziegen, zwei Holländische Friesen, dazu Shetland- und Welsh-Ponys: Auf der Wiese an der B8 am Anfang der Kitzinger Siedlung stehen nicht nur ein großes Circuszelt und ein paar Wohnanhänger. Dort sind auch die Tiere unter einem Zeltdach untergebracht. Und deren ordnungsgemäße Pflege will überwacht und dokumentiert sein.

Sobald ein Zirkus, der mit Tieren reist, in einer Stadt gastiert, muss das Veterinäramt informiert werden. „Wir schauen dann erst mal in die Zirkus-Datenbank“, erklärt die Tierärztin. Dort tragen die Kollegen aus anderen Landkreisen eventuelle Unregelmäßigkeiten oder Auffälligkeiten ein. „Früher hat es schon das eine oder andere schwarze Schaf gegeben“, erinnert sich Dr. Baldauf, die seit 2001 in Kitzingen ihren Dienst verrichtet. „Das hat sich längst geändert.“

Keine Beanstandungen

Vieles hat sich zum Besseren gewandelt. Zu ihren Anfangszeiten waren die Tiere beispielsweise noch überwiegend angebunden. Jetzt können sich Ali Baba, Achilles und all die anderen Vierbeiner des Circus Solero in ihren Boxen bewegen. Sie haben alle jederzeit Zugang zu Wasser und bekommen frisches Heu. Futter, Trinken, Bewegungsmöglichkeiten, genug Schatten und Luftzirkulation: Das sind die Dinge, nach denen Dr. Baldauf vor allem schaut. Beim Circus Solero gibt es keine Beanstandungen. Nur eine Kleinigkeit. Bei zwei Ziegen fehlen die Ohrmarken.

Gabriele Köllner schüttelt den Kopf, wenn sie an die Vorurteile denkt, die es immer noch über die Tierhaltung im Zirkus gibt. „Wir behandeln unsere Tiere gut“, betont sie und fragt, wie es auch anders sein könne. Jeden Tag werden sie einem Publikum vorgeführt, jeden Tag von der Öffentlichkeit begutachtet.

Köllner ist quasi mit den Tieren aufgewachsen, ist ein echtes Zirkus-Kind. „Meine Großeltern und Ur-Großeltern hatten auch schon einen Zirkus“, sagt sie. Jetzt ist sie mit ihrer Tochter und ihren Enkeln in Kitzingen gelandet. Nicht zum ersten Mal.

Der Platz zwischen Mozartstraße und B8 ist in Privatbesitz. Köllner ist froh und dankbar, dass die Familie ihre Zirkus-Zelte dort zum wiederholten Male aufstellen darf. „Es wird immer schwieriger, einen geeigneten Ort zu finden“, berichtet sie. Viele Städte würden ihr gar keinen Platz mehr vermieten, andere irgendwo am Rande der Stadt, in einem unattraktiven Gewerbegebiet. „Da kommen kaum Leute vorbei“, ärgert sie sich. Das Geschäft werde immer schwieriger, Jugendliche würden kaum noch kommen, nur noch die ganz kleinen Kinder mit ihren Bezugspersonen.

In diesem Sommer macht die lang anhaltende Hitze und Trockenheit auch ihrem Zirkus zu schaffen. Zum Einen zieht es die Leute eher ans Wasser als in ein Zirkuszelt. Zum anderen wird es immer schwieriger, Futter für die Tiere zu bekommen.

Einen Ballen Heu fressen die Trampeltiere, Pferde und Ziegen pro Tag. Bei den Landwirten im Umfeld wird Gabriele Köllner nicht mehr fündig. Die haben selbst kaum noch Vorräte. Also muss sie das Heu teuer bei Händlern besorgen. 50 Euro zahlt sie für einen Ballen. Auch die Kosten für den Transport werden nicht weniger. Wie gut, dass ihre Tiere gesund sind. Der nächste Spezialist für Trampeltiere müsste aus Österreich herbeigerufen werden. Dr. Baldauf bekommt in ihrem Arbeitsalltag eher selten Trampeltiere zu Gesicht. Dennoch weiß sie einiges über die Tiere. Harter Kiesboden ist ab und zu gut, damit sie ihre Sohle ablaufen können. Auf Dauer würde ihnen der weiche Grasboden auf der Kitzinger Wiese nicht gut tun. Auch frische Zweige sind wichtig. Weniger als Ernährung, vielmehr als Beschäftigung. „Sie knabbern halt gerne auf Ästen und Zweigen herum.“ Aber Vorsicht: Es gibt auch giftige Pflanzen. Und Spritzmittel auf den Blättern bekommen den Tieren auch nicht gut.

Straffe Höcker, ein gutes Zeichen

Es gibt einiges zu beachten bei der Inspektion der Zirkus-Tiere. im Circus Solero ist jedenfalls nichts zu beanstanden. Die Trampeltiere um Hengst Ali Baba stehen gut im Futter. „Die Höcker sind ganz straff“, sagt Dr. Baldauf und deutet auf die beiden aufrecht stehenden Erkennungsmerkmale der Tiere. „Das ist immer ein gutes Zeichen für die richtige Ernährung.“ Fett ist in den Höckern eingelagert und keinesfalls Wasser, wie manche Leute immer noch glauben. Gabriele Köllner muss bei dieser Vorstellung lachen.

Am Boden der Freifläche hat sie zwei Salzsteine zum Lecken deponiert. „Die Trampeltiere brauchen Mineralien“, erklärt Dr. Baldauf und nimmt kurz das Heu unter die Lupe. Zufrieden wendet sie sich den Ziegen und Pferden zu. Auch dort ist alles in Ordnung. „Auslauf brauchen sie und Kontakt“, erklärt sie. Beides ist vorhanden. Ihre Erkenntnisse trägt Dr. Baldauf in die Zirkus-Datenbank ein. Sobald sich der Circus Solero wieder auf den Weg in einen anderen Landkreis macht, wissen die Kollegen in den dortigen Veterinärämtern schon Bescheid, dass es sich hier auf keinen Fall um ein schwarzes Schaf handelt.

Vorstellungen: Der Circus Solero ist noch bis Sonntag, 23. September, in der Mozartstraße in Kitzingen zu sehen. Die Vorstellungen sind täglich um 17 Uhr, Sonntags nur um 14 Uhr.

Kartenvorverkauf an der Zirkuskasse eine Stunde vor jeder Vorstellung.

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