GEISELWIND

Vom Kunden-Fest zum Mega-Event

Vom Buchen der Bands über die Stellplatz-Reservierung für 800 Trucks bis zur Verpflegung: Hinter dem Trucker- und Country-Festival am Pfingstwochenende in Geiselwind steckt ein immenser Aufwand.
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750 bis 800 Trucks kommen an Pfingsten zum Trucker- und Country-Festival Geiselwind. Alle werden in Reihen aufgestellt, die Front in einer Linie, nicht zu eng, nicht zu weit voneinander entfernt, damit die drei Platzbereiche, die zur Verfügung stehen, ausreichen. Foto: Foto: Eventzentrum Geiselwind
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Geiselwind Die Routen von Lkw-Fahrern kreuzen sich selten und wenn, dann ist der Termindruck meist groß. Außer am Pfingstwochenende – da steuern Tausende von Truckern aus ganz Deutschland und Europa Geiselwind an, um beim Trucker- und Country-Festival miteinander zu feiern. Zum 38. Mal stellt die Familie Strohofer die Veranstaltung vom 7. bis 10. Juni auf die Beine. Wie groß der planerische und logistische Aufwand ist, wird im Gespräch mit Ruth Strohofer deutlich.

Frage: Seit vielen Jahren zieht es Trucker und Country-Musik-Freunde zu Pfingsten nach Geiselwind. Seit wann gibt es das Festival?

Ruth Strohofer: Mein Vater Anton hat es 1981 initiiert. Er wollte, dass unsere Stammkunden mal in größerer Gruppe ein Wochenende lang zusammenkommen können. In der Regel sind die Fahrer ja alleine unterwegs und treffen sich nur sporadisch.

Wie sah dieses erste Fest aus?

Strohofer: Wir hatten ein Festzelt auf dem Parkplatz aufgebaut und es sind gleich beim ersten Mal bestimmt 2000 Leute gekommen. Die Fahrer haben damals noch sehr viel Countrymusik gehört und mein Vater hatte Tom Astor als Musiker gebucht. Das zog viele Leute an.

Seitdem gibt es das Fest jedes Jahr?

Stohofer: Anfangs alle zwei Jahre, weil wir es abwechselnd mit Kollegen in Hof durchgeführt haben. Die hörten 1990 auf und seitdem gibt es jedes Jahr das Trucker- und Country-Festival Geiselwind.

Ohne Planung lässt sich eine so große Veranstaltung nicht auf die Beine stellen. Wann beginnt die Vorbereitung?

Strohofer: Wenn das Fest vorbei ist, finden gleich Feedback-Gespräche statt und damit die Vorbereitung fürs nächste Jahr. Auch die Bands müssen da schon gebucht werden.

Wie viele Gruppen spielen diesmal?

Strohofer: Wir haben zwölf Bands im Programm, darunter am Freitag bei der Highway Party die aus Mallorca bekannte Mia Julia. Diese Party ist eher für junge Fahrer und Leute aus der Region gedacht. Am Samstag gibt es einen hochkarätigen Country-Abend, am Sonntag nochmals Country und als Special Linda Feller und Jonny Hill, die auf ihrer Tour bei uns Station machen.

Wer stellt das Musikprogramm zusammen?

Strohofer: Dafür ist vor allem mein Mann Manfred zuständig, er sucht die Bands aus und bucht sie.

Und wer ist Kopf des Orga-Teams?

Strohofer: Beim Trucker- und Country-Festival bin ich das. Jeder in der Familie hat eine Veranstaltung, für die er hauptverantwortlich ist: mein Sohn Moritz für die Traumsafari, meine Nichte Isabell für die Tattoo-Convention und Manfred für das Bike-and-Music-Weekend. Trotzdem packen bei jedem Festival alle mit an. Jeder ist für einen anderen Bereich zuständig. Moritz macht immer das Personalmanagement, mit bis zu 150 Aushilfen ist das bei größeren Festivals gigantisch, außerdem die Zusammenarbeit mit Partnern und Sponsoren. Marketing deckt Isabell ab, Manfred macht die Infrastruktur, das Getränkemanagement, die Bereiche Sicherheit und Verkehr... Meine Schwester Manuela hält beim Truckerfest den Country-Gottesdienst ab, der immer sehr gut angenommen wird. Außerdem haben wir noch ein Eventteam mit Auszubildenden, die viele Aufgaben übernehmen. Ohne unsere tollen Mitarbeiter könnten wir das Festival nicht stemmen.

Was muss außerdem organisiert werden?

Strohofer: Sehr aufwändig ist die Lkw-Anmeldung und das Management für die Stellplätze. Die Lkw-Fahrer melden sich über ein Reservierungssystem online an, aber das ist aufgrund der großen Nachfrage nur knapp drei Wochen geöffnet. Dann sind alle Plätze belegt.

Wie viele Fahrzeuge kommen denn?

Strohofer: Es sind immer 750 bis 800 Fahrzeuge, je nachdem, wie viele Auflieger dabei sind oder ob es mehr Zugmaschinen sind. Manche Fahrer kommen einzeln, aber es gibt auch Speditionen, die mit 20 oder 30 Fahrzeugen dabei sind. Die wollen dann beieinander stehen. Der Brummi-Club Fränkische Schweiz hilft uns, die vielen Fahrzeuge beim Festival richtig zu platzieren. Die Trucks dürfen nicht zu eng stehen, damit die Türen gut aufgehen, und nicht zu weit auseinander, damit möglichst viele unterkommen. Und dann sollen die Fahrzeuge in der Front in einer Linie stehen, damit die Besucher ein tolles Bild von den Trucks und der Branche bekommen. Da wird schon viel rangiert, vor allem am Samstag.

Wie viele Leute sind dafür im Einsatz?

Strohofer: Der Brummi-Club, der Sicherheitsdienst und unsere Leute zusammen sind es locker 20, die nur Fahrzeuge stellen.

Haben Sie schon immer einen Sicherheitsdienst gebraucht?

Strohofer: Anfangs hatten wir noch mehr eigene Mitarbeiter im Einsatz, da war das Festival ja noch nicht so groß und die Anforderungen auch nicht. Ab einer bestimmten Größe kann man das nicht mehr selbst machen. Wir arbeiten mit dem Sicherheitsdienst B.O.S, das sind Profis, die zum Beispiel auch Rock im Park betreuen.

Wie groß ist der bürokratische Aufwand für die Veranstaltung?

Strohofer: Der ist schon groß. Man braucht viele Genehmigungen für die Veranstaltung, den Zeltplatz, das Parken, dazu vorübergehende Gaststätteneinrichtungen, dann die Händler... es ist alles genau geregelt. Und man braucht ein Sicherheitskonzept.

Wer stellt das auf?

Strohofer: Wir setzen uns jedes Jahr mit den Behörden, der Polizei, der Feuerwehr und dem Rettungsdienst zusammen und besprechen die Veranstaltungen. Wir haben ja nicht nur das Truckertreffen, sondern auch viele andere Events.

Wie viele Besucher kommen zum Truckerfest?

Strohofer: Eine genaue Zahl ist schwer zu sagen, aber es sind schon zigtausende. Neben den Fahrern sind es ihre Familien und Kollegen und Leute, die sich für Trucks und Countrymusik interessieren. Dazu viele Leute aus der Region, die die Programmpunkte nutzen. Und viele Familien – das Kinderland und die Sonntagsshow in der Eventhalle werden sehr geschätzt. Genauso wie die Modelltruckshow, die in der Music-Hall aufgebaut wird. Auch die Aktionen unserer Partner wie zum Beispiel der Polizei sind sehr beliebt. Auf dem Gelände herrscht ein ständiges Kommen und Gehen.

Zigtausende, die ja auch versorgt werden müssen...

Strohofer: Wir haben viele eigene Versorgungseinrichtungen, das ist ein großer Vorteil: die Eventküche, das Restaurant, die Grillstation, Burger King und natürlich die Metzgerei – deren Team hat alle Hände voll zu tun, damit alle Bratwürste aus eigener Schlachtung bekommen. Außerdem haben wir als externe Versorger noch Foodtrucks. Und für die Trucker gibt es am Samstag und Sonntag auch ein Frühstücksbüffet in der Eventhalle.

Laden Sie die Trucker dazu ein?

Strohofer: Die Fahrer zahlen für das ganze Wochenende einen Unkostenbeitrag von 30 Euro, darin ist zweimal Frühstück, die Konzerte in der Halle, Gutscheine für Essen und Trinken und ein Erinnerungsgeschenk enthalten. Wir stellen da also schon ein Riesenprogramm für die Trucker auf. Aber so war es ja von Anfang an gedacht: Als Fest von uns für unsere Stammkunden, mit dem wir zudem das Verständnis für die Fahrer und die Branche fördern.

Das Festival: Das Trucker- und Country-Festival findet von Freitag, 7., bis Montag, 10. Juni, auf dem Gelände des Autohofs Strohofer in Geiselwind statt. Es gibt zahlreiche Konzerte und ein umfassendes Rahmenprogramm für alle Altersgruppen. Infos gibt es unter www.truckerfestival-geiselwind.de

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