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SCHWARZENAU

Viele offene Baustellen

Den Wandel in der Landwirtschaft mitgestalten: Thomas Schwarzmann hat mit dem Versuchs- und Bildungszentrum für Schweinehaltung in Schwarzenau viel vor.
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Langweilig wird ihm in den nächsten Monaten sicher nicht. Der neue Leiter des Staatsgutes Schwarzenau, Thomas Schwarzmann, hat genug zu tun. Im Außenbereich entstehen derzeit beispielsweise drei neue, moderne Ställe. Foto: Foto: Ralf Dieter
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Langeweile ist noch keine aufgekommen. Und das wird sich auch in absehbarer Zeit nicht ändern. Thomas Schwarzmann hat genug Baustellen – im übertragenen, wie im wörtlichen Sinn.

Seit sechs Monaten ist Schwarzmann Leiter des Versuchs- und Bildungszentrums für Schweinehaltung Schwarzenau. Er ist für mehr als 60 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit verantwortlich, die sich um die Pferdedeckstation, die Leistungsprüfung für Schweine, das Schlachthaus, die Verwaltung, die Küche und das Internat sowie die Sauenherde mit 250 Zuchtsauen und 1.000 Mastplätzen und den Ackerbau auf über 280 Hektar kümmern.

Der Oberfranke hat die Nachfolge von Dr. Peter Lindner in einer Zeit des Übergangs angetreten. „Die Landwirtschaft befindet sich in einem Prozess des Wandels“, sagt der 51-Jährige. Ein Wandel, den er zusammen mit seinen Mitarbeitern mitgestalten will. Ein Wandel, für den das bayerische Staatsgut Schwarzenau Impulse geben möchte.

Mehr als 30 Jahre Berufserfahrung hat Schwarzmann vorzuweisen. Er hat Landwirtschaft studiert und anschließend unter anderem mehr als 25 Jahre als Berater im Schweinebereich gearbeitet. Seine Schwerpunkte sind die Produktionstechnik, der Stallbau und die Wirtschaftlichkeit der Verfahren. Im Landkreis Lichtenfels betreibt er selbst einen Nebenerwerbsbetrieb mit Schweinen und Ackerbau. Schwarzmann weiß aus eigener Erfahrung um die Ängste mancher Kollegen, die zwischen der Sorge um den Lebensunterhalt und den stetig steigenden Ansprüchen der Verbraucher nicht selten aufgerieben werden. „Um diesem Umstellungsprozess gerecht zu werden, müssen sie eine Menge Geld in die Hand nehmen“, weiß er. „Zum Beispiel beim Tierwohl.“ Viele Betriebe stehen vor der Entscheidung: entweder die Hoftore schließen oder die neuen Herausforderungen annehmen. Das bedeutet: investieren und modernisieren. Wie emotional das die Landwirte beschäftigt, zeigt sich aktuell bei den Schlepperdemos.

Mut machen Schwarzmann die Begegnungen mit jungen Hofnachfolgern in den landwirtschaftlichen Schulen, in denen er als Lehrkraft tätig war. „Sie stehen den Veränderungen relativ offen gegenüber“, berichtet er. „Sie wachsen in diese Zeit des stetigen Wandels hinein.“ Statt der reinen Leistung der Tiere stünden längst auch andere Schwerpunkte im Fokus: die Langlebigkeit und Robustheit der Tiere in einem artgerechten Umfeld beispielsweise. Wer heutzutage einen Stall baut, der beschäftigt sich intensiv mit Tierwohlkriterien, denkt über Ställe mit Auslauf, Beschäftigungsmöglichkeiten für die Tiere sowie Bewegungsbuchten nach, um Schweinefleisch nach den Wünschen der Verbraucher zu erzeugen.

Als Lehr- und Versuchsbetrieb will und muss das Staatsgut mit gutem Beispiel vorangehen. 7,2 Millionen Euro werden für umfangreiche Sanierungs- und Umbauarbeiten in die Hand genommen. Diese „Generalsanierung“ umfasst den Bau einer Güllegrube, die Renovierung der Hygieneschleusen, die Sanierung des Internatsgebäudes sowie den Bau von drei neuen „Tierwohl-Ställen“. Im Außenbereich entstehen diese Ställe für Sauen mit Auslauf im Deckbereich, für Ferkelaufzucht mit strukturierten Buchten mit Fress-, Liege- und Beschäftigungsbereich. Für Mastschweine und Ferkelaufzucht entsteht ein klassischer Pig Port Stall. Ab Herbst diesen Jahres soll in den neuen Stallungen bereits geforscht werden.

Insgesamt informieren sich im Schnitt pro Jahr mehr als 2.000 Personen in und um die Lehr- und Versuchs-Arbeit in Schwarzenau. „Schwarzenau hat sich in den letzten Jahren über die Landesgrenzen hinaus einen exzellenten Ruf als Zentrum für die konventionelle Schweinehaltung erarbeitet“, freut sich Schwarzmann. Für ihn ist das Motivation und Verantwortung zugleich.

In den Stallungen im Ortskern von Schwarzenau hat das Staatsgut aktuell in die Erneuerung der Filteranlagen investiert. „Wir haben damit auf die Beschwerden einzelner Anwohner über Geruchsbelästigung reagiert“, sagt Schwarzmann, der das Gespräch mit den Beschwerdeführern und dem Bürgermeister gesucht hat. „Eine Selbstverständlichkeit“, sagt er. „Natürlich wollen wir in gutem Einvernehmen mit den Anwohnern und der Gemeinde leben.“

Neben der Bildung bleibt das Versuchswesen im Bereich der Haltung und Ernährung der Schweine ein Schwerpunkt der täglichen Arbeit. Forschungsfelder wie die schmerzfreie Kastration, artgerechte Haltung im Einklang mit der Bewirtschaftung, Kupierverzicht bei den Ferkeln, Abferkeln in Bewegungsbuchten und nährstoffreduzierte Fütterung werden bearbeitet, um den Landwirten Antworten auf neue Fragestellungen geben zu können. Dabei arbeitet man intensiv mit den Experten der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) zusammen.

Neben den Forschungsprojekten will Schwarzmann auch an den Praktikerseminaren und Fachtagungen für Landwirte festhalten. „Wir wollen unsere Erkenntnisse schließlich möglichst direkt an die Bauern weitertragen und diskutieren“, erklärt er.

Dank der Investitionen wird Schwarzenau auch weiterhin der Standort für Forschung und Lehre im Schweinebereich bleiben. Davon ist Thomas Schwarzmann überzeugt. Er will seinen Beitrag dazu liefern, dass die Weichenstellungen in die Zukunft der Schweinehaltung wissenschaftlich begleitet werden – im Spannungsfeld zwischen Landwirt und Verbraucher. Langweilig wird es ihm dabei sicher nicht.

Grundlegende Änderung

Sieben Staatsgüter gibt es im Freistaat. Seit Anfang des Jahres arbeiten sie sowohl im Versuchs-, als auch im Bildungswesen überbetrieblich zusammen. Ein besonderes Augenmerk wird auf Tierwohlaspekten, Umwelt- und Klimaschutz sowie Artenschutz/Biodiversität und Nachhaltigkeit im praktischen Betrieb sowie in der Versuchs- und Bildungsarbeit liegen, heißt es in einer Pressemitteilung der Bayerischen Staatsgüter. Unter deren Dach werden das Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Geflügel- und Kleintierhaltung in Kitzingen sowie das Fachzentrum für Schweinehaltung in Schwarzenau enger zusammenarbeiten.

Mit der neuen Rechtsform eines „Nettostaatsbetriebes“ werden die Staatsgüter kaufmännisch geführt und stärker betriebswirtschaftlich ausgerichtet. Ziel ist laut Pressemitteilung eine Effizienzsteigerung und eine Unterstützung des Innovationsprozesses in der Landwirtschaft.

Es gibt künftig vier Schwerpunktbetriebe für Forschung/Versuchswesen: Schwarzenau/Kitzingen (Schweine/Geflügel); Achselschwang (Rinderfütterung); Grub (Rinderhaltung) und Freising (Pflanzen).

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