KITZINGEN

Traditionell und nachhaltig

Jedes Jahr neue Kugeln für den Christbaum? Das muss nicht sein. Der Schmuck von Oma hat seinen besonderen Charme und weckt Erinnerungen.
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Rot, gold, silber, blau, grün? Mit den Jahren sammelt sich allerhand Weihnachtsschmuck im Keller an. Wird der immer wieder verwendet, kann das auch nachhaltig sein. Allerdings gibt es viele schöne Alternativen – vom Tannenzapfen über den gebackenen Lebkuchenmann bis zum gehäkelten Schmuck. Foto: Foto: D. Röllinger

Das Haus ist mit Lichterketten geschmückt, auf dem Adventskranz glitzern bunte Kugeln und Plastikfiguren, am Christbaum glänzt Lametta. Geht das in Zeiten, in denen Klimaschutz und Nachhaltigkeit in aller Munde sind? Vieles, aber nicht alles, sieht Dr. Kirsten Bähr kritisch. Die Umweltreferentin beim Verbraucherservice Würzburg sagt nämlich auch: „Je länger etwas genutzt wird, desto nachhaltiger ist es.“

Rot, pink, blau, braun, weiß, gold, silber: Die Trendfarben für den Schmuck am Weihnachtsbaum variieren Jahr für Jahr. Wer sich der Mode unterwirft, bei dem stapeln sich im Keller die Kartons. Wie oft genutzt? Womöglich nur ein-, zweimal. Irgendwann landen die Deko-Objekte in der Mülltonne.

Mehrfach verwenden

Weihnachtskugeln sind aus Glas oder – weil vielen das zu zerbrechlich sind – aus Kunststoff. Ein langlebiges Material und deshalb gut über lange Zeit zu verwenden. Wären da nicht die wechselnden Farb-Trends. „Wenn ich ein Sortiment von Weihnachtsschmuck auf dem Speicher habe und es jedes Jahr wieder verwende, kann das schon nachhaltig sein“, sagt Kirsten Bähr. „Wenn ich jedes Jahr etwas Neues kaufe, ist das eher ungünstig.“

An Weihnachten ist es nicht anders als sonst im Jahr: Die Frage der Nachhaltigkeit hängt direkt vom Verhalten der Menschen ab. Lametta – das in diesem Jahr wieder „in“ sein soll – einfach im Baum hängen zu lassen, das geht gar nicht. Wird es fein säuberlich abgesammelt und dann im nächsten Jahr wieder verwendet, sieht es schon nicht mehr ganz so schlimm aus. Und wenn es irgendwann doch weggeworfen wird, ist die richtige Sortierung des Mülls ganz wichtig.

„Oft gibt es keine klaren Ja/Nein-Antworten auf die Frage der Nachhaltigkeit“, sagt Kirsten Bähr. Obwohl sie Lametta durchaus kritisch sieht, ebenso wie Schokoanhänger am Weihnachtsbaum, denn die sind in Alufolie verpackt, die dann im Müll landet. Wobei Alu zumindest recycelt werden könne, sofern der Abfall richtig getrennt wird.

Langlebige Materialien sind die eine Alternative, die noch bessere sind Dinge, die gut abbaubar sind. Die Natur bietet da viele Möglichkeiten – Tannenzapfen, getrocknete Früchte, Gewürze wie Zimtstangen. Auch selbst gebastelte Strohsterne – aus echtem Stroh, nicht aus künstlichem – machen sich gut am Christbaum, ebenso Bänder und Schleifen aus wiederverwertbaren Materialien. „Eine gute Möglichkeit ist es auch, Sterne oder andere Anhänger aus Wolle zu häkeln.“ Dass auf vielen Weihnachtsmärkten schon solche Anhänger angeboten werden, hält die Umweltreferentin für ein gutes Zeichen. Zudem gibt es viele Anleitungen, solchen Schmuck selbst herzustellen, vom gehäkelten Christbaum über den Nikolaus bis zum Lebkuchenmann. Der muss nicht unbedingt aus Wolle bestehen – auch selbst gebackene Figuren erfreuen am Christbaum das Auge.

„Beim Thema Weihnachten hat sich die Nachhaltigkeit noch nicht so durchgesetzt“, findet Kirsten Bähr, auch wenn immer mehr Leute auf diesen Aspekt achten. „Weihnachten ist ein sensibler Bereich“, sagt sie. Viele knüpfen bestimmte Vorstellungen und Erwartungen an das Fest, haben ein bestimmtes Bild im Kopf, wie Weihnachten gefeiert werden soll. Da spielen auch Erinnerungen eine Rolle. Daher hat es nach Ansicht von Bähr sogar einen ganz besonderen Charme, Dinge von früher wieder zu verwenden – vielleicht den Schmuck an den Baum zu hängen, den die Oma schon verwendet hat. „Das ist in vielen Familien sogar Tradition.“

Geht es um Nachhaltigkeit und Klimaschutz zur Weihnachtszeit, spielt natürlich auch die Beleuchtung eine große Rolle. Und da geht es um weit mehr als um den Christbaum im Wohnzimmer. Der sollte mit einer energiesparenden LED-Kette geschmückt werden, wobei unbedingt auch auf ein Sicherheitssiegel geachtet werden muss. „Hier ist Qualität sehr wichtig“, betont die Umweltreferentin.

Während der Christbaum meist an Heiligabend geschmückt wird, leuchten viele Häuser, Gärten und Straßenzüge schon ab Beginn des Advents, oft bis etwa Dreikönig, also fünf bis sechs Wochen lang. Einen Baum im Garten mit einer Lichterkette zu schmücken, findet Bähr noch „ok“. „Aber manche illuminieren ihren ganzen Garten.“ Viele machten dabei einen Denkfehler: Sie argumentieren mit der energiesparenden LED-Kette und schmücken deshalb mehr Bäume und Sträucher als früher. „Das ist kontraproduktiv.“

Auch in den Städten habe die Beleuchtung massiv zugenommen. Die Lichter tauchen die Umgebung in ein besonderes Flair, vermitteln festliche Stimmung, was vielen gefällt. Doch Kirsten Bähr findet, dass es zu viel geworden ist. „Weniger ist mehr“, appelliert sie. Nicht nur, weil die zunehmende Lichtverschmutzung Lebewesen in der Natur beeinflusst und es auch nicht gut für den Menschen sei, wenn mit ständiger Beleuchtung die Nacht zum Tag gemacht wird. Zudem seien die Energiekosten immens, und die Energie müsse ja auch erst mal produziert werden.

Regional und saisonal

Der Höhepunkt der Weihnachtszeit sind natürlich der Heilige Abend und die Feiertage. „Das Essen und die Geschenke unterm Christbaum, das ist ja oft eine regelrechte Verpackungsschlacht“, gibt Bähr zu bedenken. Doch auch hier ist es nicht schwer, auf Nachhaltigkeit zu achten: mit regionalen und saisonalen Produkten fürs Festessen zum Beispiel, die kurze Transportwege haben und möglichst wenig Verpackung. Die unverpackten Produkte erscheinen meist nur vordergründig teurer: „Beim verpackten Obst sind öfter mal ein, zwei schlechte Stücke dabei. Ist es unverpackt, wählt man die gar nicht erst aus“, so Bähr. „Und man kauft nur so viel, wie man wirklich braucht.“ An Weihnachten könnte doch auch mal etwas Besonderes auf den Teller kommen – Straußensteak aus Südafrika oder argentinisches Rindfleisch, zum Beispiel? „Einmalig, für einen besonderen Anlass“, hält Kirsten Bähr das für gerade noch vertretbar, aber nicht, wenn man ständig solche Gerichte kocht. „Das ist auch gar nicht nötig, schließlich haben wir eine Vielfalt von sehr guten Produkten aus der Region.“ Auch daraus ließen sich tolle Festgerichte zaubern. Und dann sind da noch die Geschenke – viel, teuer, oft übertrieben. Auch hier rät die Verbraucherschützerin zu mehr Sorgfalt: Mit bewusst ausgesuchten Geschenken, die nicht teuer sein müssen, könne man Familie und Freunde genauso erfreuen. Oder mit langlebigen Produkten, die ebenfalls nachhaltig seien: „Lego wird ja meistens sogar von einer Generation zur nächsten weitergegeben“, nennt Bähr ein Beispiel.

Insgesamt könne man sich auch an Weihnachten das ökologische Prinzip als Richtschnur nehmen: 1. Weniger ist mehr. 2. Je länger ich etwas benutze, desto nachhaltiger ist es. 3. Die Entsorgung ist wichtig, damit möglichst Vieles dem Recycling zugeführt werden kann.

Info: Weitere Tipps rund um ein nachhaltiges Weihnachtsfest gibt es unter www.verbraucherservice-bayern.de

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