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Tierische Überraschung in den Weinbergen

Schweine, Rehe und Stare plündern immer wieder Rebstöcke. Es gibt auch einen Besucher, der etwas mitbringt.
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Reh im Weinberg: Die Wildtierkamera hat das Tier beim nächtlichen Traubenklau erwischt. Fotos: Artur Baumann Foto: Artur Baumann
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Die Weinlese ist so gut wie gelaufen. Nicht nur Menschen haben sich die reifen Trauben geholt. In den Weinbergen tummelte sich auch allerhand Getier. Schweine, Rehe und Stare sind die bekanntesten Traubenfresser in den Zeilen – es gibt aber auch ein paar überraschende Gäste.

Artur Baumann hat schon viel gesehen von der fränkischen und internationalen Weinwelt. Tote Mäuse, die kopfüber in den Astgabeln der Rebstöcke hängen, waren in diesem Herbst auch für ihn eine Premiere. Verantwortlich für dieses makabre Schauspiel zeichnet der „Raubwürger“. Ein kleiner, grauer Vogel, der sich die Weinberge als Vorratskammer ausgesucht hat. „Der muss auf dem Schwanberg heimisch geworden sein“, vermutet Baumann, der in seinem Weinberg eine Wildtierkamera installiert hat und immer wieder ungebetene Besucher dokumentieren kann: Rehe, die an Trauben naschen, Wildschweine, die den Boden umwühlen, selbst einen Dachs hat er in seinem „Wengert“ fotografiert. „Der Wild-Druck wird immer schlimmer“, sagt er. Der Geschäftsführer des Weinbaurings Franken hat einen Elektrozaun um seinen Weinberg bei Castell aufgestellt. 1,30 Meter hoch. „Danach war Ruhe.“

„Punktuell kann es zu richtigen Problemen kommen.“
Andreas Oehm, Vorstandsvorsitzender GWF

Vom Schwanberg kommen immer wieder Tiere in die Weinberge von Castell, Wiesenbronn, Rödelsee oder Iphofen herab, um Trauben zu naschen. Zwischen Würzburg und dem Spessart ist der Wild-Druck allerdings am höchsten. „Punktuell kann es zu richtigen Problemen kommen“, bestätigt Andreas Oehm, Vorstandsvorsitzender der GWF. In Stetten haben sich die Winzer deshalb zusammengetan, um eine Elektroumzäunung zu installieren. Immer wieder habe sich dort eine Rotte Wildschweine in den Weinbergen eingefunden. Die Tiere wühlen nicht nur den Boden um und hinterlassen teils Fußballgroße Löcher im Boden, die bei Arbeiten mit dem Schlepper durchaus gefährlich sein können. Sie verletzen und entsaften vor allem jede Menge Beeren. „Schweine sind halt Schweine“, kommentiert Oehm. Rehe gehen da schon vorsichtiger vor, zupfen in der Regel nur die Beeren ab. Für den Landwirt bedeuten ihre Besuche trotzdem einen Verlust. „Im Frühjahr knabbern sie auch gern die jungen Triebe an“, erinnert Baumann.

Die Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) hat große Teile ihrer Flächen deshalb mit Weidezäunen geschützt. „Das ist nicht all zu teuer, aber dafür wirksam“, erklärt Daniel Heßdörfer. Zumindest gegen Wildschweine und Rehe. Vor drei Jahren haben Stare einen ganzen Weinberg abgeerntet. „Die saßen auf einer Stromleitung und haben regelrecht gewartet, dass sie in die Zeilen einfallen können“, erinnert er sich. Netze dürfen gegen die Schwarmvögel nur unter Auflagen eingesetzt werden. Für eine Ganzflächenbespannung dürfen beispielsweise nur blaue Netze mit einer Maschenweite von 30 auf 30 Millimeter verwendet werden. Zum Boden muss ein Abstand von etwa 40 Zentimeter eingehalten werden – zum Schutz der Vögel und Kleinsäuger. Die eingenetzten Rebflächen müssen regelmäßig begangen werden. „Diese Netze können zu Todesfallen für die Tiere werden“, sagt Heßdörfer. Davon abgesehen ist der Aufwand für ihre Anbringung riesig.

Gegen die Schwarmvögel, aber auch gegen andere ungebetene Tiere helfen auch Schussanlagen, die in regelmäßigen Abständen laut knallen. Auch hier gibt es detaillierte Vorgaben: Die Geräte dürfen nur während der Tageszeit eingesetzt werden, zu reinen Wohngebieten ist ein Mindestabstand von 700 Metern einzuhalten, zu Misch-/Dorfgebieten sind es 300 Meter. „Die Schusshäufigkeit ist möglichst gering zu halten“, erklärt Baumann. „Um Belästigungen zu vermeiden.“

„Das ist nicht allzu teuer, aber dafür wirksam.“
Daniel Heßdörfer (LWG) über den Aufbau von Weidezäunen

Nach seiner Einschätzung ist der Einsatz dieser gasbetriebenen Anlagen in den letzten Jahren eher seltener geworden. Sie vertreiben vor allem Schwarmvögel wie Stare, die von oben in die Anlage einfliegen. Gegen Amseln oder Eichelhäher, die von der Seite einfliegen, bringt schon ein Schutznetz an der äußersten Zeile etwas. Der Schaden durch diese Vögel sei aber in der Regel sehr übersichtlich.

Am wenigsten Schaden richtet der kleine, graue Raubwürger an. „Im Gegenteil“, sagt Artur Baumann und muss lachen. „Der bringt ja sogar etwas mit.“

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