VOLKACH

Tatort Vogelsburg

Anja Mäderer schreibt einen Krimi, der an einer der bekanntesten Stellen Mainfrankens spielt.
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Aus der Vogelsburg wird im Krimi von Anja Mäderer eine Psychiatrische Klinik. Foto: Foto: Ralf Dieter
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Volkach Sie hat ein Buch geschrieben. Und als Schauplatz des Geschehens eine der schönsten Gegenden gewählt, die sie kennt. Anja Mäderer stammt aus Mittelfranken und lebt in München. Ihr Krimi spielt an der Mainschleife. Titel: „Einer flog über die Vogelsburg.“

Der Titel ist wohl nicht zufällig gewählt?

Mäderer: Nein, der Wiedererkennungseffekt ist durchaus gewollt. Wobei die Figuren in meinem Buch in einer modernen psychosomatischen Klinik sind, wo es natürlich nicht so drastisch und menschenverachtend zugeht wie im berühmten Kinofilm mit Jack Nicholson.

Wieso spielt ihr Buch in Mainfranken?

Mäderer: Sie werden lachen. Ich hatte den Krimi schon weitestgehend fertig und habe ich mich dann erst nach dem richtigen Standort umgeschaut.

Und haben die Mainschleife gewählt?

Mäderer: Ich hatte bis vor kurzem in Würzburg studiert. Bei einer Tour durchs Umland sind wir auch an der Vogelsburg vorbei gekommen. Ich war sofort begeistert.

In Ihrem Buch ist die Vogelsburg eine Klinik für psychisch Kranke.

Mäderer: Natürlich habe ich mir literarische Freiheiten genommen, aber auch intensiv recherchiert und Kontakt mit dem Juliusspital aufgenommen, das dort oben ja die Weinberge bestellt.

Warum haben Sie aus dem Ausflugslokal ausgerechnet eine psychiatrische Klinik gemacht?

Mäderer: Dieses Prinzip von einer geschlossenen Gesellschaft, in der einer der Mörder ist, hat mich schon immer fasziniert. So eine Klinik ist dafür natürlich prädestiniert.

Ihre privaten Ermittler haben alle ihre eigenen Zwangsstörungen, haben aber alle ihren Humor behalten.

Mäderer: Ja, das habe ich auch in der Wirklichkeit so erlebt. Diese Menschen haben untereinander oft einen humorvollen Umgang. Ihre tatsächliche Persönlichkeit ist für Außenstehende meist nicht zu erkennen, sie wird oft von der jeweiligen Zwangsneurose überlagert.

Wo haben Sie Einblicke in das Innenleben dieser Menschen gewonnen?

Mäderer: Eine Freundin von mir hat eine Zwangsstörung, da habe ich den Alltag mitbekommen und durfte auch mal ihre Therapiegruppe kennenlernen. Das waren interessante Einblicke.

Die als Vorlage für eine ungewöhnliche Ermittlergruppe dienten.

Mäderer: Ja, mein Protagonist muss alles schön ordentlich und super-hygienisch haben, dann gibt es Leute die ständig Angst vor Erkrankungen haben, oder solche, die völlig in sich gekehrt sind.

Aber zusammen schaffen sie es, einen Mord aufzuklären.

Mäderer: Mit vereinten Kräften und einer Menge Humor.

Wie lange haben Sie an dem Buch gearbeitet?

Mäderer: Zwei Jahre habe ich mich damit beschäftigt. Aber natürlich nicht am Stück. Es gab auch Phasen, in denen ich gar nicht zum Schreiben gekommen bin. Während des Studiums war das noch einfacher, jetzt arbeite ich als pädagogische Fachkraft in einer Flüchtlingsunterkunft und bin damit zeitlich nicht mehr so flexibel.

Das Schreiben ist bei Ihnen mehr Hobby als Beruf?

Mäderer: Ich würde gerne nur schreiben und Lesungen halten und davon leben können. Aber erst einmal werde ich wohl pausieren.

Warum?

Mäderer: Im Winter kommt unser erstes Kind.

Auch eine Art Krimi.

Mäderer: Ja und ich freue mich sehr auf einen guten Ausgang.

Krimi

Inhalt: Will Klien hatte eigentlich die Klinik aufgesucht, um in Ruhe seine Zwangsstörung behandeln zu lassen. Doch kaum dort angekommen, überschlagen sich die Ereignisse: Sein Therapeut schwimmt tot im Altmain, eine Mitpatientin wird im Schwimmbad ermordet, ein anderer Patient erhält Todesdrohungen. Notgedrungen bildet Will mit seiner Therapiegruppe eine Task Force, und die skurrile Truppe von Hobbydetektiven macht sich auf Verbrecherjagd. Autorin Anja Mäderer wurde 1991 in Mittelfranken geboren. Über Kurzgeschichten kam sie zum Schreiben und erhielt mehrere Auszeichnungen für ihre Texte. Sie studierte in Würzburg Geschichte und Germanistik und arbeitete nebenbei als Tutorin an der Universität und als Deutschlehrerin für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Inzwischen ist sie verheiratet und in einer Flüchtlingsunterkunft in München tätig.
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