SOMMERHAUSEN

Schlafen neben Lamas und Kamelen

Im Tierpark Sommerhausen sind Übernachtungen ein Abenteuer – auch ohne Unwetter.
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Abenteuerlich – nicht nur für die kleinen Besucher: Im Wildpark Sommerhausen kann man in Tipis übernachten. Foto: Foto: Wildpark Sommerhausen
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Gewitterwolken ziehen am Abendhimmel auf. Aber noch ist es hochsommerlich warm. In der Dämmerung zwischen den Bäumen spielen Kinder. Jugendliche vergnügen sich auf einem großen Hüpfkissen. Der Spielplatz der Umweltstation ist in Sicht. Im Biergarten gleich hinterm Eingang herrscht beinahe so etwas wie Feststimmung. Bunte Glühbirnen leuchten, man isst und trinkt unter den Schirmen.

„Die Leute aus der Gegend haben begriffen, dass es hier abends ruhig und gemütlich zugeht“, sagt Thomas Dodenhoff, der Leiter der Umweltstation. „Die Küche schließt um 18 Uhr, aber das Drehkreuz ist ja offen bis 21 Uhr. Viele kommen gegen 17 Uhr, essen und bleiben dann bis in die Dunkelheit, wenn der Spielplatz ihnen allein gehört.“

An diesem Tag ist die Jugendfeuerwehr Sommerhausen zu Gast. Und sie hat vor, noch länger zu bleiben. Eine Übernachtung auf der Tipi-Wiese ist geplant. Für die Umweltstation ist das Routine. „Wir haben bis zu 2000 Übernachtungen in unserer kurzen Saison“, erklärt Dodenhoff. „Sie kommen aus der Region, aber immer öfter auch von weiter weg. Es spricht sich langsam herum. Viele Schulklassen, Kindergärten und Vereine sind dabei, aber auch Familien. Wir bieten ja auch wirklich was.“

Tatsächlich kann man zusätzlich zu der Nacht im Tipi, wo man im eigenen Schlafsack auf einem Feldbett übernachtet, noch viele Erlebnisse buchen: Etwa eine Fledermaus-Nacht, das Basteln von „Bush Craft“, also Werkzeugen zum Überleben in der Wildnis. Reittage sind ebenso im Programm wie Ausflüge auf dem Esel, unter denen Enrico der kommunikativste ist. Man kann auch einen Rundgang bei den Tieren des Tierparks unternehmen, hinein in die Gehege und Ställe, um zu sehen, wer nachts aktiv ist und wer schläft. Wer flüchtet oder jagt. Oder träumt.

„Es ist schon was Besonderes, den Tieren im Dunkeln gegenüberzutreten“, so Dodenhoff. „Man nimmt alles ganz anders wahr.“ Ein Highlight für die Kinder sind dabei immer wieder die Vögel, die so fest auf ihren Stangen schlafen,dass man sie nehmen und von einem Stängchen auf ein anderes setzen kann, ohne das sie erwachen.

Die Gruppe der Jugendfeuerwehr hat an diesem Abend allerdings andere Pläne. Für sie steht das Gruppenerlebnis im Vordergrund. Zu acht sind sie dieses Mal, Kinder zwischen zwölf und 17 Jahren. Viele von ihnen sind nicht zum ersten Mal hier. „Schon dreimal“, sagt Lea Helm. Die Fünfzehnjährige ist, wie ihr Kollege Joshua Saak, seit ihrem zwölften Lebensjahr dabei und war schon oft zu Gast im Park. „Wir haben noch ein Lagerfeuer geplant“, erzählt sie. „Manche machen da die Nacht durch“, ergänzt Joshua, hält aber offen, ob er dazugehören will. Jugendwartin Angela Völker ist noch ganz entspannt. Ihr Baby auf der Schulter, sitzt sie im Biergarten, zusammen mit Eltern von Teilnehmern und Kollegen.

„Es ist schon ein tolles Erlebnis“, sagt sie. „Wenn man morgens neben Lamas und Kamelen aufwacht. Wir bieten das unseren Kindern gerne.“ Für die Jugend-Feuerwehr Sommerhausen ist der Aufenthalt ein Geschenk – im wahrsten Sinn des Wortes – denn er ist ein Dankeschön des Parks an die vielen Helfer der freiwilligen Feuerwehr, auf die er oft zurückgreift. „Wir sind froh, unseren Kindern das bieten zu können“, sagt Angela Völker.

Blitze zucken über dem Wald, als Lea und Joshua sich mit ihrer Jugendwartin zu den Tipis aufmachen. Die Truppe ist noch nicht eingezogen, zu verführerisch waren all die Angebote auf dem Spielplatz, wo noch immer einige zugange sind. Die ersten Tropfen fallen, die Gruppe beginnt zu laufen. Als sie die Tipis erreicht, ist aus dem Tröpfeln ein Sturzregen geworden. Fast ansatzlos bricht das Gewitter über den Park herein. Die gezackten Blitze leuchten im Sekundentakt auf, es donnert, Böen fegen durch die Bäume. Drinnen ist es trocken und sicher. Kein Zweifel, hier könnte man dem Unwetter trotzen. Aber was wird aus dem Lagerfeuer? Aus ihren Plänen für die Nacht?

Alle stehen da, mit feuchten Shirts, und ziehen ihre iPhones zu Rate. „Unwetterwarnung!“, verkündet Joshua. Lea und Angela Völker kommen zu demselben Schluss. Das hier ist kein kurzer Sommerregen. Sie werden die Übernachtung auf ein andermal verschieben.

Der Weg zurück zum Biergarten genügt, um alle klatschnass zu machen. Mit lautem Hallo werden sie von der Gruppe begrüßt, die sich in den Gastraum geflüchtet hat. Das Park-Personal ist losgegangen, um alles wetterfest zu machen. Raucher stehen draußen zwischen den Getränkekisten, wo der Regen auf die Sonnenschirme prasselt, und von Zeit zu Zeit Wasser in großen Schwällen von einer Markise schwappt. Die Pfützen auf dem Weg sind so groß und tief, dass ein Ausweichen sinnlos ist.

Wasser in den Schuhen, Kleidung, als hätte man damit gebadet. Es ist ein Erlebnis der besonderen Art. Die Jugendfeuerwehr tritt den Rückzug an. Diesmal kein Lagerfeuer, kein Lama neben dem Kopfkissen. Und Enrico, der Esel, wird die Morgensonne alleine begrüßen. Aber sie kommen mit Sicherheit wieder.

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