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Schafe im Weinberg

In den Weinbergen des Kitzinger Winzers Michael Völker tummeln sich über 20 Schafe. Sein Zwischenfazit zu dem auf zehn Jahre angelegten Projekt: "Die Tiere machen viel Arbeit, sind aber auch sehr nützlich."
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Michael Völker trägt ein Lamm auf den Armen. Seit drei Jahren hat der Kitzinger Winzer ein Projekt am Laufen. Die Frage lautet: Welchen Nutzen haben Schafe im Weinberg? Foto: Fotos: Ralf Dieter
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Sie sind nicht zu überhören und nicht zu übersehen. Oberhalb der Weinberge zwischen Kitzingen und Buchbrunn tummeln sich mehr als 20 Schafe in einem eingezäunten Bereich. Ein bis zwei Wochen müssen sie noch warten, dann dürfen sie zurück an ihren Arbeitsplatz: In die Weinberge von Michael Völker.

Vor drei Jahren hat der 37-jährige Winzer aus Kitzingen das Projekt gestartet. Auf insgesamt zehn Jahre ist der Versuch angelegt. Dann will er verlässlich wissen, ob sich der Einsatz von Schafen in Weinbergen lohnt. „Für ein Fazit ist es jetzt noch zu früh“, sagt Völker. Seine Zwischenbilanz sieht so aus: „Ich weiß nicht, ob es tatsächlich etwas bringen wird. Ich lerne immer noch viel dazu.“

Auf keinen Fall Glyphosat

Mit Tierhaltung hatte der 37-Jährige bis vor drei Jahren nichts am Hut gehabt. Mit einer möglichst naturnahen Bewirtschaftung seiner Weinberge schon. Den Einsatz von Glyphosat lehnt er strikt ab, den Einsatz von Maschinen will er so weit wie möglich reduzieren. Warum also nicht einen Versuch mit Schafen starten? Völker hat sich informiert und eingelesen. In Australien, Frankreich und Österreich liefen schon entsprechende Projekte. Die Argumente erschienen ihm stichhaltig.

Schafe halten die Begrünung zwischen den Rebzeilen niedrig, reduzieren so den Einsatz von Maschinen und machen Herbizide überflüssig. Gleichzeitig düngen sie den Boden auf ganz natürliche Weise. Völker hat den Boden in seinen schafbeweideten Flächen noch nicht analytisch untersuchen lassen. Aber er gräbt immer wieder ein Loch und schaut sich die obersten Schichten an. Locker und durchlässig sei der Boden, nicht so klumpig und lehmig wie in vielen konventionellen Weinbergen. „Der Boden ist für uns Winzer alles“, erinnert er. Entsprechend gut und nachhaltig sollte man mit dem Untergrund umgehen. Die Schafbeweidung ist da ein Mittel zum Zweck.

Das Interesse steigt

An der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) verfolgt Christian Deppisch die Versuche in Buchbrunn ganz genau. Deppisch ist Weinbauberater und führt daheim in Theilheim einen eigenen Betrieb, der nach Demeter-Richtlinien produziert. Die frisch geborenen Lämmer von Michael Völker will er in Kürze übernehmen und seine eigenen Versuche starten. „Die Schafe halten die Fläche sauber, setzen Gras in Dünger um und erledigen eine Arbeit, für die man sonst Maschinen einsetzen müsste“, nennt er die Vorzüge. Entsprechend groß ist das Interesse vieler fränkischer Winzer an diesen Versuchen, zumal die Verbraucher verstärkt nach ökologischen Erzeugnissen fragen. Ein Seminar „Ökologischer Weinbau“ mit einem Referat von Michael Völker war vor wenigen Wochen sehr gut besucht, Deppisch erhält immer wieder Anfragen von Winzern.

Etwa 400 Hektar werden in Franken derzeit ökologisch bewirtschaftet. Mit einem Anteil von knapp 6,5 Prozent an der gesamten Weinanbaufläche ist Franken damit deutschlandweit nur auf den hinteren Plätzen vertreten – zumindest noch: Denn die naturnah bewirtschafteten Flächen in Bayern nehmen weiter zu, wie die LWG mitteilt. Die Nachfrage nach Ökoprodukten sei ungebrochen groß, was Michael Völker nur bestätigen kann. Vor allem im Ausland sind seine Naturweine nachgefragt. Etwa 90 Prozent seiner Produkte gehen in Länder wie Russland, Australien oder in die USA. „Ich könnte noch viel mehr an den Mann bringen“, versichert er.

Die Wertschätzung für ökologisch erzeugte Weine wird beim Verbraucher weiter steigen. Das sieht auch die LWG so und hat in diesem Jahr ein Projekt gestartet, das sich mit Alternativen für den Einsatz von Glyphosat beschäftigt. Das Verbundprojekt mit Südtirol und Österreich ist auf drei Jahre angelegt. Getestet wird unter anderem der Einsatz einer Mulchfolie auf Rapsölbasis, die den Bewuchs in den Zeilen unterdrücken soll oder der Einsatz von Essigsäuren oder Ölen, die für eine Verbrennung der Blätter sorgen, ohne das Wurzelwerk anzugreifen. „Das Thema brennt den Winzern unter den Nägeln“, weiß Christian Deppisch. Dennoch: Mehr als eine Nische wird die Beweidung der fränkischen Weinberge mit Schafen nach seiner Überzeugung nicht werden. „Der Aufwand ist nicht zu unterschätzen.“

25 Tiere in der Herde

Michael Völker kann den Aufwand nach drei Jahren einschätzen. Die Flächen müssen eingezäunt werden, die Tiere nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter gepflegt werden. Sie müssen geschoren und gefüttert werden. Während des Austriebs dürfen sie auf keinen Fall in die Anlagen. „Sonst fressen sie mir die jungen Triebe alle weg“, erklärt er. Deshalb hält er die 25 Tiere umfassende Herde derzeit in einem umzäunten Bereich, der ihm vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) zur Verfügung gestellt worden ist.

In ein bis zwei Wochen dürfen die Tiere wieder in die Anlagen. Vorher muss er die Drahtanlagen allerdings gut überprüfen. Sauber und vor allem fest müssen die Triebe darin verankert sein. „Sonst ziehen sie die Schafe wieder heraus“, erklärt er. Passt die Vorarbeit, tun sich die Tiere lediglich an den Beikräutern in den Zeilen und an den Blättern gütlich und sorgen so für eine naturnahe Entlaubung.

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