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MARKTBREIT

Prachtvolle Geschichte

Gästeführungen, Teil 5: Die Handelsfamilie Günther wird in Marktbreit wieder lebendig
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In ihren Kostümen aus dem 19. Jahrhundert begrüßen Ulrike Zink und Harald Damm die Gäste in Marktbreit. Foto: Foto: Karl Schönherr
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Wenn man die beiden so miteinander sprechen hört, könnte man meinen, sie führten eine langjährige, wunderbare Ehe. Von ihren Kindern erzählen Ulrike Zink und Harald Damm und berichten stolz von ihren Enkeln und Urenkeln. Davon, was ihre Nachfahren alles erreicht und geschafft haben. Und welche Bedeutung sie für die Stadt hatten. Tatsächlich sind Ulrike Zink und Harald Damm zwei von sieben Gästeführern in Marktbreit. Zum 200-jährigen Stadtjubiläum spielen sie ein ganz besonderes Paar aus der Marktbreiter Geschichte. Die Rollen von Johann Adam sowie Maria Magdalena Günther sind ihnen ganz offensichtlich in Fleisch und Blut übergegangen.

Vor 200 Jahren hat Marktbreit sein Stadtrecht bekommen. Erstaunlich spät, war die Gemeinde am südlichen Landkreis Kitzingen doch eine der prosperierendsten im 18. und 19. Jahrhundert. „Man sprach damals von Würzburg bei Marktbreit“, sagt Harald Damm und muss lächeln. Für kurze Zeit hatte Marktbreit höhere Einnahmen durch Zölle als die Bischofsstadt mainabwärts zu verbuchen. „Deutschlandweit lagen wir auf dem 17. Rang“, berichtet er. Die Anbindung an den Main hatte zum wirtschaftlichen Aufschwung Marktbreits beigetragen, die relativ nahe Verbindung auf dem Landweg Richtung Donau tat ihr Übriges. Handelsschiffe aus ganz Europa liefen damals den Marktbreiter Hafen an. Es wurde eine Menge Geld umgesetzt. Mittendrin: die Handelsfamilie Günther.

„Ein halbes Jahr lang habe ich mich in Büchern und Listen vergraben.“
Ulrike Zink, Gästeführerin

27 Familien mit dem Namen Günther sind nachweisbar. Ulrike Zink hat deren Geschichte in minutiöser Arbeit zusammengetragen. „Ein halbes Jahr lang habe ich mich in Büchern und Listen vergraben“, sagt sie und lacht. Herausgekommen sind ein übersichtlicher Familienstammbaum – und viele spannende Geschichten. Die erzählen Harald Damm und Ulrike Zink bei ihren besonderen Stadtführungen zur Marktbreiter Stadterhebung in Kostümen, die an die Jahre 1800 bis 1830 erinnern. „Fast jedes schmucke Haus in Marktbreit hatte irgendwann einmal einen Bewohner mit dem Namen Günther“, erklärt Harald Damm. Ob Rathaus, Haus zur Grohe (Krähe) oder Malerwinkelhaus: Überall haben die Kinder und Kindeskinder der Händlerfamilie ihre Spuren hinterlassen. Los ging alles mit Lorenz Günther, der 1636 als Fischhändler von Albertshofen nach Marktbreit zog, vier Söhne zeugte, von denen zwei eine Art Dynastie begründeten. „Man sprach damals von den Medici von Marktbreit“, erklärt Harald Damm und lächelt spitzbübisch.

Tatsächlich ist der immense Reichtum der damaligen Zeit auch heute noch zu sehen – wenn man denn die Geschichte kennt und die Spuren richtig lesen kann. „Schauen Sie sich nur mal die Häuser mit den drei Etagendächern an“, sagt Ulrike Zink. „Das diente alles als Lagerfläche“. „Und im Keller stand zusätzlicher Lagerraum zur Verfügung“, ergänzt Harald Damm. Holz und Baumaterial wurden in Marktbreit verkauft, hier lagerten aber auch seltene Gewürze oder Zitrusfrüchte. „Sogar Rum-Lieferungen aus der Karibik sind nachweisbar“, erklärt Harald Damm.

Etwa eineinhalb Stunden Zeit nehmen sich die beiden für die Führung. Sie starten am Alten Kranen und enden am Friedhof, wo die Handelsfamilie Günther prachtvolle Grabstätten hinterlassen hat. Dazwischen werden die wichtigsten von mindesten 20 Häusern besucht, in denen eine der vielen Günther-Familien wohnte. „Leider können wir die meisten Häuser nicht betreten“, bedauert Ulrike Zink. „Die werden ja noch bewohnt.“ Immerhin: In ein Gebäude dürfen die Gäste zumindest einen Blick werfen und staunen dabei regelmäßig über die Pracht des Renaissance-Eingangs und die geschwungene Holztreppe.

Acht ihrer speziellen „Günther-Führungen“ haben die beiden in diesem Jahr schon durchgeführt.

„Man sprach damals von den Medici von Marktbreit.“

Harald Damm über die

Handelsfamilie Günther

„Immer wieder haben sich Nachfahren der Familie angemeldet“, freut sich Ulrike Zink. In den Gesprächen hat sie weitere Details gewinnen können, die sie in ihre lebhaften Erzählungen einbaut. Auch etliche Einheimische haben sich die exklusiven Informationen über ihren Heimatort nicht entgehen lassen und sind staunend durch die Straßen ihrer Stadt mitgelaufen. Auf Anfrage werden Zink und Damm noch mal in ihre Rollen als Ehepaar Günther schlüpfen. Zunächst gilt ihre ganze Konzentration aber dem „Historischen Spiel“, das Anfang Oktober im Lagerhaus die Geschehnisse rund um die Stadterhebung beleuchten wird. Seit Wochen proben etliche geschichtsbegeisterte Marktbreiter für das Theaterstück. Im Mittelpunkt steht der damalige Bürgermeister, der – wen wundert es – natürlich auf den Nachnamen Günther hörte.

Marktbreit erleben

Gästeführungen Marktbreit: Buchungen über die Tourist-Information, Tel.: 09332/59 15 95 oder Fax: 09332/59 15 97.

Angebote: Führung 1 –Marktbreit „Kompakt“, jeden Samstag, um 10.30 Uhr (von Mai bis Oktober). Führung 2: „Der Klassiker" Marktbreit - einst eine berühmte Handelsstadt. Führung 3 - „Mit dem Türmer durch Marktbreit.“ Führung 4 - "Dr. Alois Alzheimer"; Führung 5 – „Marktbreiter Turmweg - entlang der Stadtbefestigung.“ Führung 6 – „Stadtführung zum Dessert“. Führung 7 - Weinwandern auf dem „Liebespfad“; Führung 8 – „Kultur, Natur und Gesundheit“. Führung 9 - „MOOOBI“ – Die virtuelle Stadtführung.

Sonderführungen: Auf jüdischen Spuren in Marktbreit; Wenn Grabsteine erzählen; Schulstadt Marktbreit, früher und heute; Auf den Spuren der Römer in Marktbreit; Sakrale Tour: Friedhof-Kirche-Synagoge.

Theaterstück am 2. Oktober, um 19 Uhr: Eintrittskarten zum Preis von 200 Cent gibt es in der Tourist-Information. Machen Sie mit uns eine Zeitreise in das Jahr 1819, als der Bürgermeister Wilhelm Adam Günther mit seinen Magistratsräten und Bevollmächtigten um die Anerkennung als Stadt mit allen Mitteln warb.

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