MÖNCHSONDHEIM

Ohne den Verbraucher geht es nicht

30 Prozent ökologisch bewirtschaftete Flächen bis ins Jahr 2030. Klingt gut. Warum ein Bio-Landwirt aus Mönchsondheim trotzdem warnt.

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80 Prozent ihrer Kunden kommen aus dem Landkreis Kitzingen, die anderen sind Besucher des Kirchenburgmuseums oder auf der Durchfahrt: Ruth und Gerhard Heubach vor ihrem Hofladen in Mönchsondheim. Fotos: Ralf Dieter Foto: Ralf Dieter
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Eine Veränderung muss im Kopf anfangen. Gerhard Heubach weiß das. Und deshalb beobachtet er die jüngsten Entwicklungen in der Landwirtschaft durchaus skeptisch.

Heubach war einer der ersten Landwirte im Landkreis Kitzingen, der auf „Bio“ umstellte. Sein Vater wollte den Hof übergeben. 30 Jahre ist das jetzt her. Weniger als 20 Hektar, ein paar Schweine, ein paar Kühe, mitten im Ort gelegen. „Die besten Voraussetzungen, um aufzuhören“, erinnert sich Heubach und muss lächeln. Er hat nicht hingeworfen, sondern den Betrieb umgestellt. „Natürlich bin ich am Anfang belächelt worden“, erzählt er. Was viel schlimmer wog: Es gab kaum Informationen, keine professionelle Beratung. „In meiner Lehre habe ich kein einziges Wort über ökologischen Landbau gehört“, sagt er. Also ging er für zwei Jahre nach Landshut, wo 1988 die erste staatliche Schule für ökologischen Landbau gegründet wurde. „Da herrschte so etwas wie Aufbruchstimmung“, erinnert er sich. Was allerdings fehlte war anerkannte Fachliteratur – und erfahrene Lehrer. Dennoch: Gerhard Heubach hat sich durchgebissen, der ökologische Ansatz hat ihn von Anfang an überzeugt. „Das hat mich einfach angesprungen“, sagt er.

Entsprechend vorsichtig reagiert er auf die jüngsten politischen Entwicklungen. 30 Prozent ökologisch bewirtschaftete Flächen bis ins Jahr 2030. Das klingt auf den ersten Blick nach einer wunderbaren Forderung. „Aber wir brauchen dafür Landwirte, die auch dahinter stehen“, meint er. Menschen, die ihre Sichtweisen und ihr Problembewusstsein verändern. „So eine Umstellung geht im Kopf los“, betont er. Verordnen lässt sie sich nicht.

Heubach hat beispielsweise gelernt, das Unkraut auf seinen Feldern zu tolerieren. Sein Pflanzenbestand ist nicht zu vergleichen mit dem konventioneller Kollegen. Pflanzenschutzmittel braucht er nicht. Dafür sät er später und muss das Unkraut häufiger mit der Egge und dem Striegel bekämpfen. Dass er dabei mehr Diesel verbraucht als seine konventionellen Kollegen ist ihm klar. „Alles hat seine Auswirkungen“, sagt er und verweist auf eine weitere Forderung des kürzlich geschnürten Agrarpaketes: Mehr Grünland auf den Gewässerrandstreifen. Grundsätzlich begrüßenswert. „Aber das Gras muss auch jemand verwerten.“ Dieser Jemand sind Kühe. Und die schädigen mit ihrem Methanausstoß das Klima.

Ursache und Wirkung: Dieses Prinzip gilt auch für den politisch gewollten Anstieg der ökologisch bewirtschafteten Flächen. 30 Prozent mehr bis ins Jahr 2030 ist für Gerhard Heubach in Ordnung. „Aber diese Betriebe müssen sich dann auch konsequent an die Richtlinien halten, die wir erarbeitet haben“, fordert er und fürchtet Trittbrettfahrer, die den Ruf der Branche ruinieren könnten. Noch problematischer sieht er den nachgeordneten Sektor, die verarbeitenden Betriebe. „Wir haben jetzt schon Probleme, einen Metzger zu finden mit einer EU-Zulassung für die Schlachtung“, erzählt Ruth Heubach. Als gewerblicher Betrieb brauchen sie den aber.

Ähnlich sieht es beim Keltern aus. Derzeit bringen sie ihre Äpfel ins 35 Kilometer entfernte Bieberehren. Der dortige Betriebsinhaber sucht einen Nachfolger. Findet er keinen, haben nicht nur die Heubachs ein Problem. „Man will kleine landwirtschaftliche Strukturen beibehalten, aber die Auflagen für unsere Vermarktungspartner werden immer komplexer“, erklärt Gerhard Heubach. Und nicht nur für die.

Beim Thema Bürokratie wird der besonnene Landwirt für einen Moment laut. „Unser Arbeitsrhythmus richtet sich schon lange nicht mehr nach dem Wetter, sondern nach den Auflagen“, ärgert er sich. Scheint die Sonne, würde er gerne die Mahd einbringen. „Aber vorher muss ich in den Verordnungen nachlesen, ob ich das überhaupt darf.“ Das Leben als Landwirt ist immer kompliziert geworden. Heubach hat Flächen von der Stadt Iphofen gepachtet. Die gibt vor, wann er sein Grünland mähen darf. Andere Flächen sind im Kulturlandschaftsprogramm gelistet und unterliegen anderen Anforderungen. „Mein Vater hat einmal im Jahr einen Agrardieselantrag gestellt und das war's“, erinnert sich der 55-Jährige. Ihm kostet der bürokratische Aufwand rund 20 Prozent seiner Zeit. „Und 50 Prozent meiner Energie.“ Hinzu kommen viele Kontrollen.

Seit 1991 bewirtschaftet er seine Felder biologisch. „Seit Jahren liegt der Nährstoffsaldo im Minusbereich“, versichert er. Dennoch findet Jahr für Jahr eine Bodenuntersuchung statt. Zusätzlich kontrolliert ein Beamter, ob der Käse tatsächlich aus eigener Milch erzeugt wurde und die verwendeten Gewürze biologisch erzeugt wurden. Bis zu 600 Euro kostet das die Heubachs im Jahr. „Kosten, die wir an die Verbraucher weiter geben müssen“, bedauert Ruth Heubach. Die müssten auch in Zukunft mitziehen, um die geplante Agrarwende zu stemmen. Auf die Verbraucher und ihr Verhalten käme es ganz besonders an.

„Im Moment verbrauchen wir im Bio-Segment in Deutschland mehr als wir produzieren“, erklärt Gerhard Heubach. Will heißen: Bis dato ist man auf Import angewiesen. Mit dem 30 Prozent-Ziel würde sich das ändern. „Aber nur, wenn der Verbraucher mitzieht.“ Ökologisch hergestellte Ware ist nun mal teurer als konventionell produzierte Produkte. Diese Differenz müssen die Verbraucher leisten wollen. Sonst wird es nichts mit dem Wandel. „Eine Unterschrift unter der Artenschutz-Petition reicht nicht“, sagt Heubach. „Wenn ich danach das Billigfleisch im Discounter kaufe.“ Veränderungen müssen halt im Kopf anfangen.

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