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KITZINGEN

Bianca Tröge fordert: Beschlüsse umsetzen

OB-Kandidaten im Vergleich: Bianca Tröge (ödp) will mehr Grün in der Stadt, möglichst wenig Flächenversiegelung und eine faire Redekultur im Stadtrat.
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Bianca Tröge: „Viel zu oft haben wir im Stadtrat etwas beschlossen, das nicht umgesetzt worden ist.“ Foto: Foto: Ralf dieter
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Kitzingen Sie möchte in keiner anderen Partei sein. Das familiäre Miteinander ist genau ihr Ding. Und deshalb tritt Bianca Tröge am 15. März bei der Oberbürgermeisterwahl für die ödp an. Ihr Minimalziel: eine Stimme mehr als ihr Parteikollege Jens Pauluhn vor sechs Jahren erreichen.

Ist Kitzingen eine liebens- und lebenswerte Stadt?

Bianca Tröge: Absolut. Manchmal kommt es mir hier ein wenig vor wie im Urlaub im Elsass.

Was gefällt Ihnen besonders?

Tröge: Die Mainpromenade ist ein Traum. Und es gibt ganzjährig viel zu unternehmen, denken Sie nur ans aqua-sole, an den Stadtschoppen oder den Weihnachtsmarkt. Die kurzen Wege gefallen mir und es gibt genug kostenlose Parkplätze.

Woran mangelt es?

Tröge: Auf jeden Fall an der Barrierefreiheit in der Innenstadt. Und der Bahnhof ist als Entree in die Stadt ein Witz. Für Jugendliche gibt es zu wenig Angebote, um abends wegzugehen.

Würzburg ist zu nah.

Tröge: Schon, aber mit einer attraktiven Anbindung an den ÖPNV könnte man sogar Studenten nach Kitzingen locken. Sie studieren an der Uni und wohnen hier. Das würde der Stadt gut tun.

Welche Schwerpunkte würden Sie als OB setzen?

Tröge: Neben der Barrierefreiheit würde ich dafür sorgen, dass es einen Bus gibt, der alle Ortsteile miteinander verbindet. Der fährt mindestens jede Stunde und kostet höchstens 2,50 Euro pro Fahrt. Zusätzlich sollten wir als Stadt ein Anrufsammeltaxi fördern.

Was ist in den letzten zwölf Jahren versäumt worden?

Tröge: In Sachen sozialer Wohnungsbau hätten wir viel früher reagieren müssen. Ich bin eindeutig für einen Abriss der Häuser im Notwohngebiet. Und dann müssen wir die einzelnen Gruppen auseinanderdividieren. Ein Gebäude ist ausschließlich für die Obdachlosen reserviert, ein anderes für Familien. Natürlich ist Prävention wichtig, wir müssen diese Menschen sozial betreuen.

Und das Ganze wird wieder an Ort und Stelle aufgebaut?

Tröge: Auf keinen Fall, sonst gibt es ja wieder eine Art Ghettobildung. Ich würde diese Wohnungen in der Stadt und den Stadtteilen verteilen. So gelingt auch eher eine Integration.

Noch etwas, das in den letzten Jahren schlecht gelaufen ist?

Tröge: Viel zu oft haben wir im Stadtrat etwas beschlossen, das nicht umgesetzt worden ist.

Zum Beispiel?

Tröge: Da bin ich wieder beim barrierefreien Streifen durch die Innenstadt. Oder beim Konzept für den Bahnhofsvorplatz. Was ich gar nicht leiden kann, ist die Redekultur im Stadtrat. Es gibt Kollegen, die hören gar nicht zu, wenn jemand redet.

Wie sieht Ihre Vision für Kitzingen im Jahr 2030 aus?

Tröge: Ich will mehr Grün in der Innenstadt, Pflanzen, die sich an das veränderte Klima anpassen. Wir sollten Hausbesitzer, die ihre Fassade begrünen, finanziell unterstützen. Ganz allgemein müssen nachhaltige Projekte gefördert werden. Ökologisches Bauen, Solaranlagen, möglichst wenig Flächenversiegelung.

Wie wollen Sie die Bürger in Ihre Entscheidungen einbinden?

Tröge: Wir sollten in der Stadtverwaltung und im Stadtrat die besten drei Lösungen herausfiltern, um sie dann den Bürgern zur Abstimmung vorzulegen. Wir müssen den Bürgern manche Zusammenhänge besser erklären und ihnen klar machen, wie Entscheidungen zustande kommen. Bürgersprechstunden sind dafür eine gute Wahl.

Braucht es ein Staatsarchiv in Kitzingen?

Tröge: Der Mehrwert für Kitzingen erschließt sich mir nicht wirklich. Es bringt kaum Arbeitsplätze für die Stadt. Die Idee mit dem Grünen Klassenzimmer für die Kinder aus der nahen St. Hedwig-Schule gefällt mir sehr gut. Die Parkflächen auf dem Gelände werden der Stadt ebenfalls gut tun.

Braucht es ein Stadtmuseum?

Tröge: Die Diskussion muss geführt werden. Im Moment ist das Depot ja voll gestopft mit Materialien und Ausstellungsstücken. Wir müssen uns erst einmal darauf einigen, was wir eigentlich wollen. Ein Heimatmuseum? Ein modernes Museum?

Braucht es eine Vinothek?

Tröge: Unbedingt. Der Stadtschoppen, die Bar 1482: so etwas zieht die Leute an. Eine Vinothek im Dietz-Gebäude kann ich mir super vorstellen. Die Touristen können dort probieren und einkaufen und für die Einheimischen gibt es eine kleine Gastronomie.

Braucht es Wachstum?

Tröge: Kitzingen hat in den letzten Jahren neuen Wohnraum geschaffen. Denken Sie an die Brauhöfe. So ein Projekt stärkt die Innenstadt. In der Siedlung gibt es jede Menge Fluktuation, jüngere Familien kommen nach, das sorgt für eine Durchmischung. Und es gibt Bürogemeinschaft und Geschäftsleute aus Würzburg, die Kitzingen für sich entdecken, hier Wohnungen bauen und Arbeitsplätze schaffen. Nur so können wir die Geschäfte in der Innenstadt langfristig halten.

Wie geht die Wahl am 15. März aus?

Tröge: Ich kann das überhaupt nicht einschätzen. Es wird wohl eine Stichwahl geben, aber wer da hinein kommt? Ich möchte auf jeden Fall besser abschneiden als mein Parteikollege Jens Pauluhn vor sechs Jahren. Und wenn ich ihn nur um eine Stimme schlage (lacht).