LANDKREIS KT/KLEINLANGHEIM

Mit dem Pferd durch die Natur

Während viele Reiter sich auf Platz und Halle beschränken, erkunden Freizeitreiter Feld und Flur. Der Reiterstammtisch Kitzingen der Vereinigung für Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland sorgt für Wissen, Austausch und gemeinsame Ausritte.
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Die Freizeitreiter treffen sich nicht nur zum Stammtisch und zu gemeinsamen Ausritten: Bei der Spaßrallye sind das ganze Jahr über verschiedene Aufgaben zu erledigen und zu dokumentieren, zum Beispiel ein Bild mit einem Schneemann – hier Monika Link mit Ikarus. Foto: Foto: Susanne Link
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Eine Gruppe von Pferden steht mitten im Ort, direkt vor einer Gaststätte. Alltäglich war der Anblick nicht, der sich kürzlich in Altenschönbach bot. Während viele Reiter ihre Tiere in Hallen, auf Plätzen oder im Dressurviereck bewegen, zieht es die Freizeitreiter hinaus in die Natur. Und so führte der Neujahrsritt des VFD-Stammtisches diesmal von Prichsenstadt nach Altenschönbach und zurück.

Unterschiedliche Reitweisen, unterschiedliche Sättel, unterschiedliche Rassen, unterschiedliche Gangarten: Vom Araber über das Gangpferd bis hin zum Ponymix war alles vertreten, als sich zehn Freizeitreiter auf die etwa 15 Kilometer lange Strecke über Wiesenwege machten. Genau diese Vielfalt ist es, die den Kitzinger Stammtisch der Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland (VFD) ausmacht. „Jeder ist willkommen“, sagt Monika Link. Die 34-Jährige leitet die Kitzinger VFD-Gruppe, die etwa 40 Mitglieder umfasst.

Seit vielen tausend Jahren begleiten Pferde den Menschen. Die Motorisierung mit Autos und Traktoren ließ den Nutzen der Pferde für den Menschen schwinden – und so ging auch ihre Zahl im letzten Jahrhundert stark zurück. Als sie von der Arbeitskraft zum Freizeit- und Sportpartner wurden, stiegen die Zahlen wieder an. Zum 1. Januar 2019 waren bei der bayerischen Tierseuchenkasse 1137 Pferde im Landkreis Kitzingen gemeldet. Sie leben auf Koppeln und in Ställen, werden in Hallen und auf Plätzen geritten – und ein Teil eben auch draußen in der freien Flur.

Monika Link ist auf einem Bauernhof groß geworden, bekam im Grundschulalter ihr erstes Pony geschenkt. „Da wurde ein Mädchentraum wahr“, sagt die 34-Jährige lachend. Als das Pony zu klein für sie wurde, hat sie sich ihren ersten Haflinger gekauft, der dann aber nach drei Jahren krank wurde und starb. Sie hat getrauert, konnte sich nicht vorstellen, jemals ein anderes Pferd zu haben. „Ich habe alles verkauft, was mit dem Reiten zu tun hatte.“

Aber die Liebe zu Pferden und zum Reiten hat sie nicht losgelassen. Monika Link kaufte sich ein Jahr später wieder ein Pferd und hat inzwischen sogar drei Tiere: das englische Vollbut Kyburg ist 27 Jahre alt, den Pinto Ikarus mit 23 Jahren und das Pony Kiri (24), das aber so filigran ist, dass es nicht geritten wird. Seit nunmehr 15 Jahren begleitet die drei Pferde sie durchs Leben und umgekehrt.

„Ich bin der Typ Reiter, der raus will in die Natur“, sagt Monika Link von sich. Im VFD hat sie 2010 Gleichgesinnte gefunden und 2015 den Reiterstammtisch wiederbelebt, den es schon früher im Landkreis Kitzingen gegeben hatte. Die regelmäßigen Treffen, der Austausch, die Gespräche sind den Teilnehmern wichtig. Jeweils am letzten Donnerstag im Monat kommen sie zum Stammtisch zusammen, mal „offen“, um sich auszutauschen und zu plaudern, mal mit Themen und Referenten. Die Bandbreite ist groß – da geht es um erste Hilfe am Pferd, da wurde aber auch das Pferdekrematorium schon vorgestellt oder die Technik der Thermografie, die mit Hilfe von Wärmebildern zeigen kann, wo Pferde am Körper Problemstellen haben. In diesem Jahr wird es unter anderem um angstfreies Reiten gehen.

Auch Markus Schmitt vom Landschaftspflegeverband Kitzingen hat die Pferdefreunde schon über das Jakobskreuzkraut informiert, denn viele Freizeitreiter betreiben eine extensive Weidehaltung, möglichst naturnah. Da können sich eben auch unerwünschte Kräuter verbreiten, die den Tieren gefährlich werden können. „Das Kraut ist tödlich für die Pferde“, so Link.

Die Kleinlangheimerin hält ihre Tiere in der Offenstallhaltung. Sie leben draußen, können in den Stall, wann sie wollen. „Der natürliche Lebensraum existiert ja nicht mehr so wie früher. Ich versuche, ihn meinen Pferden zu bieten, soweit es geht.“ Draußen sein bedeutet allerdings auch, dass Monika Link nicht sofort losreiten kann, wenn sie das möchte. Zwar kommen die Tiere gleich ans Gatter, wenn sie sie ruft, weil es aber draußen dreckig ist, sind die Tiere es auch. „Meine Pferde legen sich auch gerne mal in den Dreck. Dass ich sie erst mal putzen muss, bevor ich reite, ist normal.“

In freier Flur zu reiten, ist für die älteren Pferde kein Problem. Sie sind es gewohnt, dass Menschen oder Hunde vorbeilaufen, Kinder sie streicheln, und Autos vorbeifahren. Jüngere Pferde müssen sich erst daran gewöhnen, aber auch das funktioniere bei den Gruppenausritten gut, sagt Monika Link. Wenn da mal ein jüngeres Tier herumhüpft, bleiben die anderen trotzdem ruhig.

Die Partnerschaft zwischen Mensch und Tier, das gegenseitige Vertrauen ist den Reitern wichtig. Das Tier muss wissen, dass ihm nichts passiert, wenn es über eine Brücke oder durch einen Tunnel geht - oder wenn es für einen Ausritt in der Gruppe in den Anhänger steigen muss. Und natürlich spielt die Gesundheit der Vierbeiner für die Freizeitreiter eine große Rolle. Schon alleine deshalb reiten sie nicht ausschließlich über Feld und Flur, sondern gehen auch auf den Reitplatz. „Das Pferd muss gymnastiziert werden, das ist wichtig für die Gesunderhaltung des Tieres“, sagt Monika Link. Genauso wie eine Sitzschulung für den Reiter, weshalb sie sich immer wieder mal mit einem Reitlehrer trifft.

Auch Claudia Fischer geht regelmäßig auf den Reitplatz, vor allem im Winter, wenn es früh dunkel wird. Am liebsten aber ist auch sie draußen unterwegs, am liebsten mit anderen Freizeitreitern. Sie gehört der Kitzinger Gruppe seit 13 Jahren an, war vorher schon 15 Jahre in Hessen im VFD. „Das ist eine schöne Gemeinschaft“, findet sie. Hier stehe nicht der Ehrgeiz an erster Stelle. Es gehe nicht um „höher, schneller, weiter“, sondern um die Gemeinschaft, die Partnerschaft mit dem Pferd und die Freundschaft. Man sei füreinander da – für die Menschen und die Pferde. „Da wird immer auf den Schwächsten in der Gruppe Rücksicht genommen.“

Wie beim Neujahrsritt treffen sich die Reiter auch im restlichen Jahr regelmäßig zu gemeinsamen Ausritten – und wie beim Stammtisch sind auch dabei alle Interessenten willkommen, die nicht dem VFD angehören. Unabhängig vom Alter der Menschen, von der Rasse und der Gangart der Pferde, betont Monika Link. Sie hat bereits die Spaßrallye vorbereitet, bei der das ganze Jahr über ein Zehn-Aufgaben-Katalog mit Pferd oder Pony, aber auch gerne mit dem Esel zu erreiten ist. Zudem hat Link mehrere gemeinsame Reit-Termine im Jahreskalender festgelegt, beispielsweise an Ostern. Dann gibt es wieder einen Orientierungsritt bei ihr in Kleinlangheim, der mit verschiedenen Aufgaben verbunden ist, die Reiter und Tier zu erledigen haben. Monika Link achtet darauf, naturnahe Aufgaben einzubauen – kleine Sprünge über den Bach, das Nachziehen von Rasselsäcken, um die Tiere an Geräusche zu gewöhnen. Sogar das Fell eines Wildschweines hatte sie schon mal ausgelegt und die Pferde mussten darum herumlaufen. Es geht aber auch um das Wissen der Reiter. Denn nur wer weiß, was den Tieren gut tut, kann ihnen ein guter Partner sein. Und das ist schließlich eines der Hauptanliegen des VFD.

VFD–Stammtisch: Der Stammtisch steht allen Interessierten offen und findet jeweils am letzten Donnerstag im Monat um 19.30 Uhr im Gasthaus „Bären“ in Kleinlangheim statt. Infos bei Monika Link, Tel. 0151/26670503

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