VOLKACH/LANDKREIS KT

Mehr Wildnis am Altmain?

Der Bund Naturschutz hat eine Vision: Der Flussabschnitt zwischen Volkach und Gerlachshausen soll wieder lebendiger werden.
Artikel drucken Artikel einbetten
Von der Vogelsburg aus öffnen sich die schönsten Blicke auf dem Altmain. Ulrike Geise und der Bund Naturschutz möchten den Abschnitt des Flusses zwischen Volkach und Gerlachshausen naturnäher gestalten. Foto: Fotos: Ralf Dieter
+1 Bild

Es ist ihr Herzensprojekt. Und deshalb steckt Ulrike Geise auch jede Menge Kraft und Energie in eine mögliche Umgestaltung des Altmains zwischen Volkach und Gerlachshausen.

Auf rund zwölf Kilometern Länge bewegt sich der Fluss dort zwischen Weinbergen und Wiesen entlang. Ein Idyll, das Kanufahrer, Touristen und Einheimische gleichermaßen fasziniert. Die Biologin und stellvertretende Vorsitzende des Bund Naturschutz in Kitzingen möchte diesem Flussabschnitt jetzt noch mehr Natürlichkeit zurückgeben. Mehr Dynamik, mehr Wildnis. „Als Fließgewässer ist der Main nicht lebendig“, sagt Geise. Wie sollte er auch.

In den 1950er Jahren ist der Fluss als Schifffahrtsgewässer ausgebaut worden – auch der Abschnitt zwischen Volkach und Gerlachshausen, der schon lange nicht mehr von Schiffen befahren wird.

Die Buhnen (Steinaufschüttungen) an den Uferbereichen sind ein Zeugnis dieser Eingriffe von Menschenhand. Etwa die Hälfte dieser Verbauten würde Geise gerne wieder entfernen lassen.

„Ohne dadurch die Ortschaften am Mainufer, die Straße oder die Campingplätze in irgendeiner Art und Weise zu gefährden“, versichert sie. Positiver Effekt eines Rückbaus: Der Main würde aktiv sein Flussbett verändern und damit würden sich auch die Uferbereiche nach und nach verändern. „Mal flacher, mal steiler.“ Der Main, so die Idee, soll wieder selbst die Landschaft mitgestalten können. Profitieren würden Pflanzen und Tiere. Ein größeres Pflanzen- und Artenspektrum versprechen sich Geise und ihre Mitstreiter. Anfang dieser Woche sind die Pläne im Volkacher Schelfenhaus vorgestellt worden. Rund 70 interessierte Bürger sind der Einladung des BN gefolgt. Der hatte im Vorfeld eine Machbarkeitsstudie „Dynamischer Altmain“ in Auftrag gegeben. Diplomingenieurin Loreen Ahmadian betonte, dass ein Beseitigen des Ausbaus an vielen Stellen aus hydrologischer Sicht ohne Gefährdungen für Ortschaften oder Straßen möglich sei. Auch bei Hochwasser würde sich die Gefährdungslage nicht verändern. Nur durch einen Rückbau der Verbauten könne der Main, der im Moment auf etwa 50 Meter in einer Rinne eingeengt ist, wieder Inseln, Altwässer und Seitenarme bilden, die für ihn typisch sein sollten.

Es würde eine deutlich „wildere“ Landschaft entstehen, die laut Geise in Deutschland einmalig wäre. Wie es weitergeht? „Ideal wäre die Gründung einer Projekt-Arbeitsgruppe, in der möglichst alle Interessensgruppen vertreten sind und in der man sich gemeinsam auf die nächsten Schritte und Ziele einigt“, meint Geise. Ob Fischer, Touristiker, oder Bürgermeister: Alle Anlieger sollten sich an einen Tisch setzen, um die Auswirkungen eines solchen Projektes zu diskutieren. Bislang, so Geise, habe sie keinerlei Ablehnung verspürt. Sollte das Projekt in eine Planungsphase überführt werden, stünden nach ihrer Überzeugung auch Zuschüsse für die Umsetzung der Rückbauten zur Verfügung.

Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren