KITZINGEN

Leise rieseln die Nadeln

Wer seinen vertrockneten Christbaum loswerden möchte, kann sich an eine der vielen Sammlergruppen wenden – oder gleich selbst in den Klosterforst fahren.
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Patrizia und Lilly sammeln im Auftrag der Pfadfinder vom Stamm Schwarzer Adler die Christbäume in der Kitzinger Innenstadt ein. Fotos: Julia Volkamer Foto: Julia Volkamer
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Für die Pfadfinder vom Stamm „Schwarze Adler“ sind die Arbeitshandschuhe an diesem diesigen Morgen das wichtigste Utensil. Die Nadeln der vertrockneten Christbäume, die Jan Demann und seine Truppe in der Stadt Kitzingen einsammeln, können nämlich ziemlich unangenehm werden – und zwar nicht nur an den Händen.

Das weiß auch Michael Hügel. Er ist Schornsteinfegermeister, verantwortlich für den Kehrbezirk Iphofen und Experte, wenn es um den Brennwert von Holz geht – und der ist bei einem Tannenbaum nicht besonders hoch. „Es knistert ganz schön und riecht vielleicht gut, aber man tut sich, der Umwelt und vor allem seinem Ofen nichts Gutes, wenn man seinen Christbaum verschürt.“

Das liegt vor allem an den ätherischen Ölen in den Nadeln. Die binden alles, was einen negativen Einfluss auf die Verbrennung hat: Feuchtigkeit, aber auch Schadstoffe. Die entstehen auch, wenn sich das Harz bei Hitze verflüssigt – und Tannen harzen im Allgemeinen sehr stark. Zudem ist das Holz längst nicht so trocken, wie die nadelnden Äste es vielleicht vermuten lassen. „Die Restfeuchte verringert sich erst nach etwa zwei Jahren Liegezeit auf 15 bis 20 Prozent“, erklärt der Kaminkehrer. „So lange wird wohl kaum jemand seinen Christbaum aufbewahren.“ Wer ihn doch unmittelbar nach dem Fest in den Ofen steckt, riskiert die Bildung von Glanzruß. „Der ist die Hauptursache für Kaminbrände und im Prinzip unverbrauchter Kohlenstoff.“

Vor diesem Hintergrund liegt die Entscheidung, seinen Christbaum den Pfadfindern zu überlassen, doch nahe – findet auch Otto Just. Der Neu-Kitzinger ist es aus Würzburg gewohnt, dass es einen zentralen Abholtermin gibt. Er ist froh, dass Lilly und Patrizia ihm die Arbeit abnehmen und seinen Christbaum durch das Treppenhaus schleppen. Er war auf den Aufruf der Pfadfinder aufmerksam geworden und meldete sich telefonisch an, so wie etwa 200 weitere Christbaumbesitzer in Kitzingen.

„Wir sind heute schon gut beschäftigt“, erklärt Jan Demann, der die Sammelaktion der „Schwarzen Adler“ koordiniert. Er hat die Helfer in jeweils neun Lauf- und Autogruppen eingeteilt und steht in ständigem Kontakt mit ihnen. „Eigentlich ist bei uns Pfadfindern das Handy verboten“, erklärt er. „Heute geht es aber nicht ohne.“ Er erhält Nachricht, wenn eine Laufgruppe in ihrem Bereich alle gemeldeten Adressen abgeklappert und die Bäume zur zentralen Sammelstelle gebracht hat. Dann können die Autogruppen los, die vertrockneten Äste und Stämme auf Anhänger laden und das Grüngut zum Stammplatz der Kitzinger Pfadfinder bringen, wo es schließlich zerkleinert und als Brennholz für den eigenen Outdoor-Herd verwendet wird.

Fürs Abholen bekommen die Pfadfinder außerdem eine Spende, die für die Jugendarbeit verwendet wird. „Da sind die Leute teilweise sehr großzügig“, weiß Jan Demann. Schon klingelt sein Telefon erneut. Am Eselsberg haben Christoph Böhm und sein junger Helfer alle Bäume eingesammelt und ziehen zum Krankenhausberg weiter. „Alles klar“, sagt Jan, hakt den Bereich auf seinem Plan ab und zieht dann mit Lilly und Patrizia weiter.

Sie sind nicht die einzigen, die am Wochenende unterwegs waren. Im ganzen Landkreis sammelten verschiedenste Gruppen die Tannenbäume ein – und brachten sie zum Großteil genau dorthin, wo letztendlich alle landen, die nicht verschürt werden: Ins Kompostwerk Klosterforst. Immer wieder steuern schwer beladene Fahrzeuge und Anhänger die Anlage zwischen Hörblach und Großlangheim an. Stefan Schmitt hat an diesem Wochenende Dienst und nimmt die Christbäume entgegen, die Privatleute oder auch Sammelgruppen bringen. „Wichtig ist, dass alle Störstoffe entfernt werden“, erklärt der Kompostwerker. „Sonst landet am Ende das Lametta im Kompost, da sind die Gartenbesitzer auch nicht gerade erfreut.“

In den letzten Jahren seien die Leute in dieser Hinsicht sehr diszipliniert gewesen, erklärt Nikolaus Schneider, Betriebsleiter im Kompostwerk Klosterforst. Inzwischen kenne auch fast jeder die Anlaufstelle, um seinen vertrockneten Christbaum loszuwerden. Natürlich könne man auch zu den örtlichen Häckselplätzen fahren. „Dort holen wir das Häckselgut irgendwann ab.“ Mindestens eine Fahrt könne eingespart werden, wenn die Leute ihre Bäume direkt in den Klosterforst brächten.

Noch weniger Aufwand haben all diejenigen, die ihre Bäume den Pfadfindern überlassen. Von der Aktion der „Schwarzen Adler“ haben schließlich alle etwas: Die Kitzinger müssen den nadelnden Gesellen nicht selbst entsorgen, die Pfadfinder bekommen neben einem kleinen Obolus auch noch Brennholz für ihre Gruppenaktionen und haben außerdem einen Anlass, sich einmal ordentliche Arbeitshandschuhe zuzulegen.

Mehr Informationen

Kompostwerk Klosterforst: Die Öffnungszeiten des Kompostwerks sind von Montag bis Freitag, von 9 bis 17 Uhr, und am Samstag, von 9 bis 12 Uhr.

Alternativen für die Entsorgung des Christbaumes sind die Biotonne oder der Grüngutsack, der 120 Liter fasst und für 5,60 Euro unter www.abfallwelt.de bestellt werden kann. Mehr Infos gibt es außerdem unter Tel. 09321/928–1234 per Mail unter abfall@kitzingen.de

Pfadfinderstamm „Schwarzer Adler“: Bei den Europapfadfindern St. Michael gibt es unterschiedliche Stufen, in Kitzingen sind die Wölflinge (8 bis 12 Jahre), Pfadfinder (ab 12 Jahre) und Rover (ab 18 Jahre). Die Gruppen treffen sich freitags von 17.30 bis 19.30 Uhr im Pfadfinderheim in der Ritterstr. 5 in Kitzingen. Mehr Infos gibt es per Mail an kontakt@schwarze-adler.de oder unter www.schwarze-adler.de

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