KITZINGEN

Kostenloser Zugang zur Kultur

270 kleine Theatergäste lernen dank Bernhard Lenz die Welt von Pippi Langstrumpf kennen.
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Unter den 270 Kindern in der Alten Synagoge gab es auch den ein oder anderen eingefleischten „Pippi“-Fan – deutlich zu erkennen an den zwei wippenden Zöpfen. Fotos: Julia Volkamer Foto: Julia Volkamer
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„Zit Euch warmä Zachän an“, schreibt das Mädchen mit den bunten Strümpfen und den wippenden Zöpfen an die grüne Schiefertafel, die am Rande der großen Bühne in der Alten Synagoge steht. Die Zuschauer lachen nur vereinzelt, der Großteil kann nämlich genauso wenig lesen und schreiben wie Pippi Langstrumpf, Astrid Lindgrens Heldin im Stück „Pippi feiert Weihnachten“. Das Publikum besteht aus hunderten Kitzinger Kindergartenkindern. Und die hätten die bärenstarke Bewohnerin der Villa Kunterbunt vielleicht nie kennengelernt – wenn es Bernhard Lenz nicht gäbe.

Der Kitzinger Geschäftsmann, ehemals geschäftsführender Gesellschafter der Heinrich Huppmann GmbH, lud auch in diesem Jahr zusammen mit „JungStil“, der Jugendarbeit der Stadt Kitzingen, 270 Kinder aus den Kindertageseinrichtungen in Kitzingen und den Ortsteilen zum Theatervormittag ein.

Aus allen Richtungen spazierten die Kinder, überwiegend im Alter von vier bis sechs Jahren, zusammen mit ihren Erzieherinnen zur Alten Synagoge, wo schon die Künstler des Wittener Kinder- und Jugendtheaters hinter ihrer kunterbunten Kulisse warteten. Wer jetzt großen Lärm erwartet hatte, wurde eines besseren belehrt: Die jungen Theaterbesucher wussten sich vorbildlich zu benehmen. Mucksmäuschenstill wurde es, als Richard Arndt-Landbeck das Licht dimmte. „Die Kinder sind schon ein bisschen aufgeregt“, flüsterte denn auch Erzieherin Tanya.

Mit ihrer Aufregung blieben sie nicht alleine. Marie-Kristin Müller hat für das laufende Wintersemester einen Praktikumsplatz im „JungStil“ ergattert – und die ehrenvolle Aufgabe erhalten, das Kindertheater zu organisieren. Ihr Vorgesetzter Jochen Kulczynski hatte nur lobende Worte für die Studentin der Sozialen Arbeit übrig. „Sie hat das wirklich sehr gut gemeistert.“ Die Kindergärten anschreiben, Anmeldungen entgegennehmen, Ehrengäste einladen, alles sei ihr leicht von der Hand gegangen. Als es aber daran ging, selbst zur Begrüßung die Bühne zu betreten, zitterte ihr doch die Stimme. Der lang anhaltende Applaus entschädigte die junge Organisatorin dann aber doppelt: Für ihre Nervosität und für ihren Einsatz.

Für das Event eingesetzt hatte sich auch die Stadt Kitzingen, die in Person von Oberbürgermeister Siegfried Müller und der ehemaligen Kinder- und Jugendreferentin Hiltrud Stocker in der Alten Synagoge vertreten war. Sie stellte die Lokalität kostenlos zur Verfügung. Alle weiteren Kosten übernimmt schon seit etwa 15 Jahren Bernhard Lenz. Einst inspiriert von der Kindergartenzeit seiner Enkelin, rief er diese Spendenaktion ins Leben. „Es ist immer seine größte Freude, wenn er den Kindern eine Freude bereiten kann“, erklärte Isabella Lenz-Schürer, die sich in Vertretung ihres Vaters von der Begeisterung der Kinder überzeugen wollte – und nicht enttäuscht wurde.

Denn das junge Publikum ging so richtig mit. Die Kinder lachten, als Pippi der nervigen „Prysseliese“ die lange Nase zeigte. Sie hielten die Luft an, als Donner-Karlsson und Blom die Kiste mit Gold klauten. Und sie klatschten, als die Polizisten Kling und Klang die Ganoven festnahmen – und Pippi endlich mit ihren Freunden das „Plündafest“ feiern konnte. „Für viele Kinder ist diese Aktion vielleicht der erste Zugang zu einem Theater“, vermutet Jochen Kulczynski. Und stellte Bernhard Lenz damit eine ganz große Dankesurkunde aus. „Die Kinder lernen hier ein Stück Kultur kennen.“ Jetzt wissen sie zumindest schon einmal, wer Pippi Langstrumpf ist. Und dass es jedes Jahr zu „Waihnachtän“ eine besonders wertvolle Spendenaktion in Kitzingen gibt.

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