MARKTBREIT

Klimaschutz nicht nur auf dem Papier

Das Gymnasium Marktbreit darf sich seit Jahren Internationale Nachhaltigkeitsschule nennen. Das Engagement der Schüler ist groß und wirkt weit über den Schulalltag hinaus.
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Aus der Fridays-for-Future-Bewegung entstanden: Die Mitglieder der Umwelt AG am Gymnasium Marktbreit wollen, dass die Erde grün bleibt, dass es weiterhin überall blüht, kreucht und fleucht. Foto: Foto: Rüdiger Horn
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Das Gymnasium Marktbreit ist eine Umweltschule und will es auch bleiben. Deshalb hat es sich in diesem Jahr erneut für die Auszeichnung „Umweltschule in Europa / Internationale Nachhaltigkeitsschule“ beworben. Die Chancen, den Titel behalten zu dürfen, stehen bestens, denn die Nachhaltigkeit spielt in dieser Schule eine wesentliche Rolle. Im Unterricht, in Projekten und Seminaren, in Arbeitsgruppen wie der Umwelt AG.

Die Klimakrise beschäftigt die junge Generation. Allwöchentlich gehen unzählige auf die Straßen, um bei Fridays-for-Future darauf aufmerksam zu machen, dass sich etwas ändern muss. Doch reicht es, nur zu demonstrieren? Sollte man sich nicht auch im eigenen Umfeld damit befassen, was jeder Einzelne im Kampf gegen die Klimakrise tun kann? Mit dieser Frage regte Pfarrer Matthias Wagner, der in Marktbreit unterrichtet, zum Nachdenken an. Er lud alle interessierten Schüler zu einem Treffen ein – damit war der Grundstein für die Umwelt-AG gelegt.

„Die Gesellschaft muss die Klimakrise als existenzielles Problem

erkennen.“

Jakob Wagner, Mitglied der Umwelt-AG

Die AG ist kein Wahlkurs, keine Pflicht, sondern ein rein freiwilliges Engagement außerhalb der Schulzeiten. 20 Schüler treffen sich wöchentlich, machen mit Aktionen und Projekten ihre Mitschüler und Lehrer darauf aufmerksam, dass sich etwas ändern muss. Die meisten von ihnen haben sich bereits im Vorfeld privat mit dem Klimaschutz auseinandergesetzt. Sie achten daheim darauf, Energie zu sparen, fahren mit dem Fahrrad zu Kumpels, entscheiden bewusst, was sie essen, informieren sich. „Wir wollen etwas bewirken“, sagt Gabriel Wagner, der sofort von der Idee einer Umwelt-AG begeistert war.

„Ich möchte, dass die Gesellschaft die Klimakrise als existenzielles Problem erkennt“, erklärt sein Bruder Jakob. Es müsse in die Köpfe, dass nicht Wachstumsraten oder der persönliche Spaß jedes Einzelnen im Vordergrund stehen, sondern die Zukunft der Erde, findet der Zwölftklässler. „Wir müssen die Probleme jetzt bekämpfen. In zehn oder zwölf Jahren kann es schon zu spät sein.“

Wissen zu vermitteln und Fakten weiterzugeben, das hat sich die Umwelt-AG zum Ziel gesetzt. Erreichen wollen sie das auf unterschiedlichen Wegen. „Wir haben zum Beispiel Umweltbildungsstunden in den siebten, achten und neunten Klassen abgehalten“, erzählt Philipp Sagstetter, der die elfte Jahrgangsstufe besucht. Statt vom Lehrer gab es Informationen von Schülern für Schüler: Sie haben den Klimawandel erklärt, die globalen Auswirkungen und das Artensterben, zusammen mit den Jugendlichen überlegt, wie sich die eigenen Aktivitäten auf das Klima auswirken – der Flug in den Urlaub, der Verzehr von Fleisch – und gemeinsam Alternativen erarbeitet. In Aktionen ging es um Müllvermeidung, Plastikmüll, Upcycling und einiges mehr.

Damit ist die Umwelt-AG ein wichtiger Baustein auf dem Weg, den die Marktbreiter Schule schon seit einigen Jahren eingeschlagen hat: Der Fokus wird verstärkt auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit gelegt. „Es begann mit dem Kopierpapier“, erzählt Rektor Friedhelm Klöhr. Die Schule stellte fest, dass ihr Papier aus Australien kommt. Musste das sein? Musste es nicht, und so wurde innerhalb kurzer Zeit auf Umweltpapier umgestellt, das aus Norddeutschland stammt. Ein erster Schritt von vielen hin zu nachhaltigem Handeln. Die schulinterne Kommunikation wurde von Papierform auf digital umgestellt, eine Gesundheitswoche abgehalten, es gibt Apfelpausen, Vorträge über Lebensmittelverschwendung, die Schulmensa wechselte auf einen Anbieter mit regionalen Produkten, Seminare zu Themen wie Wasserverbrauch, Energiewende und Leben in Trockengebieten wurden angeboten. Es gibt ein neues Mülltrennungssystem, in den Rasenflächen rund um die Schule wurden Blumen gepflanzt, im nächsten Frühjahr wird ein 900 Quadratmeter großer Schulgarten angelegt.

Aktivitäten, Vorträge und Seminare sind das Eine. Aber auch im normalen Unterricht werden Anstöße zum Umdenken gegeben. Werde zum Beispiel in Ethik über den Zusammenhang von Glück und Konsum gesprochen, habe das genauso mit Nachhaltigkeit zu tun, findet Friedhelm Klöhr. „Nachhaltigkeit hat viele Facetten.“

Die Bemühungen der Schule werden auch offiziell belohnt: 2016 hat sie sich erstmals um die Auszeichnung „Umweltschule in Europa / Internationale Nachhaltigkeitsschule“ beworben und den Titel seitdem jedes Jahr wieder erhalten. „Man muss sich immer neu bewerben“, erklärt der Rektor. „Wir müssen am Ball bleiben.“ Mindestens zwei Projekte müssen Schulen pro Schuljahr durchführen – und da bewiesen die Marktbreiter Ideenreichtum. Mal ging es um fiktive Reportagen aus dem Jahr 2030 auf der Grundlage heutiger geopolitischer Daten, mal um die Wasserknappheit in Mainfranken. Es gab unter anderem eine Deckel-Sammelaktion zur Finanzierung von Polio-Impfungen, Handyrecycling und nachhaltige Kunst.

Die Nachhaltigkeit ist in das Schulleben integriert, und das wirkt über den Schulalltag hinaus, in die Familien, in den Freundeskreis. Licht ausschalten, Wasser beim Zähneputzen abstellen, mit dem Rad zu Freunden fahren, weniger Fleisch essen – macht einer das vor, regt er oft auch andere zum Umdenken an.

Schulen, die Interesse an der Auszeichnung „Umweltschule in Europa / Internationale Nachhaltigkeitsschule“ haben, können sich noch bis zum 22. November bewerben. Unterlagen und Infos unter www.lbv.de.

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