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LANDKREIS KITZINGEN

Aufruf an Waldbesitzer: Käferholz schnell wegschaffen

Forstamtsleiter: „Wenn nicht alle intensiv zusammenhelfen, besteht die Gefahr, dass wir die noch verbliebenen Fichtenbestände bald nahezu vollständig verlieren werden!“
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abgestorbene Kiefern Foto Frank Popp
Deutlich zu sehen: Die Fichten in der Mitte sind dem Tod geweiht. Foto: Foto: Frank Popp
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Die gute Nachricht: Es gibt mehr Fördergeld als sonst. Die nicht ganz so gute: Wenn Waldbesitzer sich jetzt nicht mit der Aufarbeitung von Schadholz („Käferholz“) beeilen, könnte die Situation in den heimischen Wäldern heuer richtig schlimm werden. Darum lautet der Appell von Klaus Behr, dem Leiter des Kitzinger Forstamtes: „Auf geht's!“ Das Coronavirus ist übrigens keine Ausrede: Waldarbeiten sind keineswegs verboten.

Die Trockenjahre 2015, 2018 und 2019 sind daran Schuld, dass das Schädlingsaufkommen hoch ist. Sie haben unsere Wälder, vor allem die Fichtenbestände, stark geschwächt. „Viele Fichten sind nicht mehr in der Lage, den Käfer durch ausreichende Harzproduktion beim Einbohren in den Baum abzuwehren“, erklärt Klaus Behr.

Wo genügend Opfer sind, steigt auch die Zahl der Täter: In den letzten Jahren haben sich die Borkenkäfer – trotz intensiver Bekämpfungsmaßnahmen der Waldbesitzer – stark vermehrt. Auch für heuer rechnet Behr wieder mit „einem außerordentlich hohen Befallsdruck“. Dies gilt besonders für Bereiche mit höheren Fichtenanteilen, wie zum Beispiel im Raum Geiselwind.

„Deswegen sind jetzt zeitnah die Borkenkäferschäden aufzuarbeiten, die während der Wintermonate sichtbar geworden sind“, macht der Fachmann deutlich. Gleiches gelte für die Fichten-Windwürfe aus den letzten Wochen; werden diese nicht aufgearbeitet, sind die umliegenden Bestände extrem gefährdet. „Das gilt auch im Fall von Einzelwürfen!“, so Behr.

Schädlings-Holz, Ast- und Rindenmaterial müsse rasch aus dem Wald gebracht werden. „Es darf nur in einem Abstand von mehr als 500 Metern von den nächstgelegenen Fichtenbeständen gelagert werden.“ Giebelmaterial könne auch gehackt oder bei feuchter Witterung verbrannt werden. Nun die gute Nachricht, die Forstministerin Michaela Kaniber dieser Tage verkündet hat: Die bayerischen Waldbesitzer erhalten nun eine bisher nie dagewesene finanzielle Unterstützung bei der Beseitigung von Waldschäden und beim Waldumbau. So werde die insektizidfreie Borkenkäferbekämpfung mit bis zu zwölf Euro je Festmeter unterstützt. Auch die Fördersätze von Wiederaufforstungen nach Borkenkäferschäden und Pflanzungen für den Waldumbau sind seit Februar mehr als verdoppelt worden, teilte Kaniber mit.

Die Forstministerin bat alle Waldbesitzer intensiv, für eine rasche Aufarbeitung frisch geschädigter Fichten zu sorgen. Zudem sagte Kaniber, alle Beteiligten müssten sich gemeinsam darum bemühen, ausreichend Lagerkapazitäten für ein hohes Käferholzaufkommen in den kommenden Monaten zu schaffen.

Klaus Behr rät allen Waldbesitzern, die ihre Bemühungen zur Schädlingsbekämpfung gefördert haben wollen, sich möglichst vor Beginn der Maßnahmen an den zuständigen Förster zu wenden. Wer diesen nicht kennt, findet ihn online über das Portal „foersterfinder.de“.

Wer Unterstützung beim Einschlag, bei der Aufarbeitung und Vermarktung braucht, der sollte sich an die Forstbetriebsgemeinschaft Kitzingen in Iphofen wenden, so Behr; weitere forstliche Dienstleister sind online auf der „Unternehmerdatenbank.de“ zu finden.

„Ab einer Tagestemperatur von etwa 15 °C werden die Käfer demnächst wieder aktiv und setzen ihr Zerstörungswerk fort“, teilt Klaus Behr mit. Er appelliert an alle, die ein Stück Wald mit Fichtenanteilen besitzen: „Bitte kontrollieren Sie ab sofort im Abstand von 14 Tagen Ihre Fichtenbestände und zeigen Sie den Befall ihrem zuständigen Revierleiter umgehend an.“

Das Fazit des Forstamtsleiters: „Wenn nicht alle intensiv und konsequent zusammenhelfen, besteht die Gefahr, dass wir die noch verbliebenen Fichtenbestände bereits in den nächsten Jahren nahezu vollständig verlieren werden!“

Aktuelle Informationen

Schädling: Zur akuten Borkenkäfergefahr gibt es im Internet alle wichtigen Infos unter www.borkenkaefer.org.

Sicherheit: Tipps zur Arbeitssicherheit bei der Waldarbeit finden sich unter www.svlfg.de und unter www.waldbesitzerportal.bayern.de.

Förderung: Einzelheiten zur waldbaulichen Förderung und den Fördervoraussetzungen sind im Waldbesitzerportal unter www.waldbesitzerportal.bayern.de zu finden.

Virus: Zur aktuellen Situation der Land- und Forstwirtschaft in Zusammenhang mit dem Coronavirus gibt es auf der Homepage des Landwirtschaftsministeriums Antworten auf häufige Fragen:

www.stmelf.bayern.de