MARKT EINERSHEIM/SCHWEINFURT

"Jabo" und die Fußballkinder

Die Markt Einersheimer Nachwuchskicker durften mit den Profis des FC Schweinfurt 05 einlaufen.
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Nach dem Spiel nahm sich Adam Jabiri noch Zeit, um mit dem Markt Einersheimer Fußballtrupp ein Foto zu machen.Fotos:Max Kilian Foto: Max Kilian
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So schnell wird Leo diesen Nachmittag nicht vergessen. „Ich bin mit dem Adam eingelaufen“, erzählt er mit leuchtenden Augen. „Der ist in den gleichen Kindergarten gegangen wie ich und hat meinen Papa schon im Sandkasten getunnelt.“ Als eines von 24 Einlaufkindern durfte Leo im Willy-Sachs-Stadion ganz nah dran sein an den Regionalliga-Profis des FC Schweinfurt 05. Und damit auch an Adam Jabiri, der seine Kindheit in Markt Einersheim verbracht hat und vermutlich nicht nur Leos Papa schon damals fußballerisch etwas vormachen konnte.

Seit 2016 spielt der 35-Jährige (wieder) in Schweinfurt und hat sich dort nicht nur als Top-Torjäger, sondern vor allem auch als Sympathieträger etabliert. Auch ein Kindergärtner scheint an ihm verloren gegangen zu sein, denn den Umgang mit 21 Jungs und einem Mädchen im Alter von 6 bis 11 Jahren meistert er problemlos. Vor dem Spiel, als er mit seinen Mannschaftskameraden am Eingang zu den Katakomben steht und darauf wartet, aufs Spielfeld zu laufen, hat er trotzdem Zeit, mit seinem Einlaufkind Leo zu plaudern und nimmt ihm so die Angst vor dem großen Auftritt.

„Ich will doch gar nicht mit einlaufen“, hatte der nämlich noch auf der Fahrt nach Schweinfurt immer wieder behauptet – und tut es dann doch. Und nach dem Spiel, gerade mal fünf Minuten, nachdem er den Siegtreffer zum wichtigen 1:0-Erfolg gegen die Reserve von Greuther Führt erzielt hat, geht Jabiri auf die Einersheimer Truppe zu und stellt sich mit ihnen zum Foto.

Elfmeterschießen aufs große Tor? Würde er ja gerne, aber er muss jetzt zur Besprechung in die Kabine. Die Nachwuchskicker sind trotzdem begeistert. „Cool, und der kommt auch noch aus unserem Dorf“, kann Ben es kaum glauben. Seine Mutter Jasmin hatte sich für den SV Markt Einersheim darum beworben, die Fußballkinder zum Einlaufen nach Schweinfurt schicken zu können.

Abgesprochen hatte sie das mit Marcel Kühlinger. Er organisiert für den FC Schweinfurt 05 zu jedem Heimspiel Einlaufkinder. Jeweils vor der Hin- und Rückrunde einer Saison gibt es auf der Homepage und in den Sozialen Medien eine Ausschreibung, auf die sich die Vereine aus der Region dann bewerben können. „Meistens geht es ganz gut auf, manchmal müssen wir die Plätze verlosen“, erklärt er. „Insgesamt wird das Angebot schon sehr gut angenommen, und für die Kinder ist es etwas Besonderes.“

Wie echte Stars werden sie am Stadion empfangen, in einen Umkleidebereich gebracht und dann kurz vor Spielbeginn dort wieder abgeholt. Manche genießen den Applaus des Schweinfurter Publikums, andere sind ein bisschen schüchtern und dann stolz, dass sie die Aufgabe gemeistert haben. Am Ende bleibt dieser Ausflug den meisten sehr lange in Erinnerung.

Das wird auch bei den Markt Einersheimern so sein – und bei Adam Jabiri. „Es war für mich schon anders, schließlich bin ich mit dem Sohn eines Grundschulkameraden eingelaufen.“ Er findet die Aktion Einlaufkinder wichtig, schließlich soll sich die ganze Region mit dem Regionalligaverein identifizieren können. Der Konzentration auf das Spiel tut das Ganze keinen Abbruch, sagt Jabiri. „Das kriegen wir schon hin. Und die Kinder freuen sich, dass sie so viel Aufmerksamkeit bekommen wie die großen Fußballer.“ Die Markt Einersheimer freuten sich später vor allem, dass „ihr“ Adam kurz vor Schluss auch noch das Siegtor für die „Schnüdel“ erzielte.

„Ein schöner Nachmittag für die Kinder und für den FC“, fand auch Pressesprecherin Jessie Oldenburger. „Durch solche Aktionen beziehen wir die Vereine mit ein und schaffen ein Stück Identifikation mit dem FC 05.“ Umso mehr, wenn der Verein solche Sportler wie „Jabo“ in seinen Reihen hat. „Er ist wirklich Musterprofi und ein echtes Vorbild.“ Auch für Leo und seine Fußballkollegen aus Markt Einersheim. Vielleicht ist einer dabei, der seine Kumpels auch schon im Sandkasten getunnelt hat.

Zur Person

Adam Jabiri ist 1984 in Kitzingen als Sohn eines Spaniers und einer Marokkanerin geboren. Neben seiner Fußballkarriere, die ihn neben Rot-Weiß Erfurt und den Würzburger Kickers bis zur TSG Hoffenheim führte, absolvierte er von 2004 bis 2010 ein Architekturstudium an der FH in Würzburg. Beim FC Schweinfurt 05 nahm seine aktive Fußballlaufbahn 2005 richtig Fahrt auf, nachdem er vor Ort schon beim SSV Kitzingen, dem FC Iphofen, dem SC Marktbreit und den Kitzinger Bayern Station gemacht hatte. Mit 30 Toren schoss der 1,87 Meter große Mittelstürmer die „Schnüdel“ damals in die Bayernliga. Nach weiteren Gastspielen in Heidenheim und Worms kehrte er 2016 nach Schweinfurt zurück und genießt dort einen ausgezeichneten Ruf. „Nicht nur wegen seines Torriechers, sondern vor allem wegen seiner ehrgeizigen und loyalen Art“, sagt Pressesprecherin Jessie Oldenburger.

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