DORNHEIM/BERLIN

Ins Gespräch kommen

Fabian Lombardia will den Dialog zwischen Landwirten und Verbrauchern vertiefen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Impressionen vom ErlebnisBauernhof
Mit den Verbrauchern reden, die Position der Landwirtschaft klar machen, so wie hier auf der Grünen Messe in Berlin – das ist das Anliegen von Fabian Lombardia. Foto: Fotos: Lombardia
+1 Bild

Er wollte schon als Kind Landwirt werden, unbedingt. Fabian Lombardia hat sich gegen den Willen seiner Eltern durchgesetzt. Jetzt ist er Lohnunternehmer in Possenheim, strebt die Weiterbildung zum Techniker im Landbau und eventuell ein Studium an. Auf der Grünen Woche in Berlin war er zum ersten Mal als „AgrarScout“ eingesetzt.

Die Verbraucher informieren, ihnen die Arbeitsweise in der Landwirtschaft näher bringen. Dieses Ziel verfolgt der Dornheimer seit Jahren. In Berlin war er einer von 100 Landwirten, die aus ganz Deutschland angereist waren, um die Messebesucher zu informieren. Ein Tag Einweisung, ein Tag Arbeit. Und der hat sich nach seinen Worten gelohnt. Fast durchgängig sei er im Gespräch mit den Verbrauchern gewesen. Massentierhaltung, Insektensterben, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln: Das seien die vorherrschenden Themen gewesen, dazu wollten die Messebesucher Näheres erfahren, die Meinung der Landwirte hören.

Themen, über die Fabian Lombardia gerne ins Gespräch kommt. „Ich möchte, dass nicht nur über uns, sondern mit uns geredet wird“, nennt er seine Motivation. Den Dialog mit den Verbrauchern hält er für enorm wichtig – gerade jetzt, in Zeiten des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“.

„Es wird leider viel zu oft ein falsches Bild von der Landwirtschaft vermittelt“, bedauert der 22-Jährige. Pflanzenschutzmittel seien keine Gifte, sondern wirkten wie Medikamente bei Menschen. Wenn die Pflanzen krank sind, müsse man halt Medikamente verabreichen, lautet sein Argument. Auch das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat mache unter bestimmten Bedingungen Sinn. „Traditionell pflügen Landwirte die Äcker vor der Aussaat“, sagt Lombardia. Dabei werden die oberen 25 Zentimeter Bodenschicht umgedreht und gelockert. Einer der Effekte: Das auf dem Feld stehende Unkraut stirbt, die Nutzpflanzen werden also von ihrer Konkurrenz befreit. Doch das Pflügen hat nach seinen Worten auch Nachteile: In Hanglagen kann es Bodenerosion begünstigen und ist vergleichsweise energieaufwendig. „Um Unkraut zu bekämpfen, kann statt Pflügen vor der Aussaat auch Glyphosat eingesetzt werden“, sagt er. Etwa 30 Prozent der Felder in Deutschland werden nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes pfluglos bestellt.

Der 22-Jährige Dornheimer lehnt das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ ab, bezeichnet es als „Frechheit“. Natürlich gebe es das Insektensterben. Aber dafür trage nicht nur die Landwirtschaft Verantwortung. Der Flächenverbrauch sei gerade in Bayern exorbitant. Außerdem würden die Landwirte schon jetzt viel für den Artenschutz tun, meint Lombardia und nennt als Beispiel das Anlegen von Blühstreifen. „Wir sind doch selbst auf Bienen und Bestäubung angewiesen“, sagt er. Um die Natur so gut wie möglich zu schützen, werden Spritzmittel beispielsweise bei Raps von einigen Landwirten in der Nacht ausgebracht. „Wenn es windstill ist.“

Von seinem Einsatz in Berlin ist Fabian Lombardia auch Tage später noch begeistert. Viele kritische Nachfragen habe es gegeben, die er beantworten konnte. Oft seien die Besucher erstaunt gewesen, dass eine moderne und konventionelle Landwirtschaft und eine Tierhaltung nach den Anforderungen des Tierwohls keinen Widerspruch darstellen müssen.

Der 22-Jährige will auch in Zukunft für das „Forum Moderne Landwirtschaft e.V.“ als AgrarScout tätig sein, beispielsweise bei der Ernährungsmesse in Frankfurt. „Auch in Würzburg ist eine Aktion geplant“, verrät er. Für die Zukunft der Landwirtschaft sieht er keinesfalls schwarz. Es soll ja auch seine eigene Zukunft sein. Und die hat er fest im Blick. Die Digitalisierung wird stärker als bislang Einzug halten, prophezeit er, gleichzeitig werde die Dokumentationspflicht weiter steigen. „Auch deshalb, weil wir immer mehr für den Umweltschutz tun müssen.“ Dabei gebe es schon jetzt „extrem strenge Auflagen“.

Mehr Gewicht wird künftig auf der Direktvermarktung liegen, meint der Dornheimer. „Denn der Trend geht Richtung Regionalität.“ Darauf müsse sich die Landwirtschaft einstellen. Fabian Lombardia hat es schon getan.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren