LANDKREIS KT

Hilfe für die Angehörigen von Demenzkranken

Demenz belastet. Die Fachstelle für pflegende Angehörige der Caritas bietet einmal im Monat eine Entlastung
Artikel drucken Artikel einbetten
Miteinander reden, Erfahrungen austauschen: Jeden dritten Mittwoch im Monat bietet die Fachstelle für pflegende Angehörige der Caritas ab sofort diesen Service für Angehörige von Demenzkranken an. Foto: Foto: nn
+1 Bild

Das Angebot ist neu. „Und es ist notwendig“, sagt Petra Dlugosch, Leiterin der Fachstelle für pflegende Angehörige im Landkreis Kitzingen. Die Zahl der Menschen mit Demenz steigt ständig. Und mit ihnen steigt die Zahl der Angehörigen, die bei der Betreuung ihrer Eltern oder Großeltern an ihre Grenzen stoßen. Ab dem 18. September gibt es deshalb eine Gesprächsgruppe für Angehörige von Menschen mit Demenz. Jeden dritten Mittwoch im Monat wird sie in der Fachstelle, in der Paul-Eber-Straße 16 in Kitzingen, angeboten.

„Menschen, die einen Angehörigen zu Hause pflegen und versorgen, sind besonderen Belastungen ausgesetzt“, weiß Dlugosch, die den Gesprächskreis zusammen mit der Gerontologin und examinierten Pflegefachfrau Gertrud Kreuzinger leiten wird. Sie wollen den Betroffenen eine Plattform bieten – zum Austausch und zum fachlichen Input. Fragen gibt es genug. Was tun, wenn die Angehörigen nicht mehr essen wollen? Wie reagieren, wenn die Oma immerzu weglaufen will?

„Menschen, die einen

Angehörigen zu Hause pflegen und versorgen, sind besonderen Belastungen ausgesetzt.“

Petra Dlugosch, Leiterin Fachstelle

Und was hilft, wenn sich die Persönlichkeit der Angehörigen verändert? „Der gemeinsame Austausch“, versichert Dlugosch. Schon alleine deshalb, weil man die eigenen Geschichten und Nöte los werden kann, weil man sich die Wut und die Hilflosigkeit von der Seele reden kann. Die Gerontologin und Sozialpädagogin wird den Teilnehmern Tipps und Ratschläge aus ihrem Erfahrungsfeld geben. Anregungen, die in der Praxis helfen können. „Demenzkranke empfinden oft keinen Hunger mehr“, erklärt sie. Hilfreich sei es deshalb, immer etwas sichtbar bereit stehen zu haben. „Lieber süß als deftig“, empfiehlt sie. „Die Geschmacks-Rezeptoren verändern sich im Alter.“ Und was hilft gegen die Fortlauf-Tendenzen mancher Senioren? „Den Aufforderungscharakter wegnehmen“, rät Dlugosch. Will heißen: Schuhe und Mantel von der Garderobe entfernen. Die Haustür nicht offen stehen lassen.

Petra Dlugosch freut sich auf die monatlichen Gesprächsrunden, zu denen nicht nur all diejenigen eingeladen sind, die direkt mit einer Pflegesituation konfrontiert sind. Auch Freunde und Nachbarn von Menschen mit Pflegebedarf sind willkommen. Die Einbindung der Nachbarschaft hält sie für ganz wichtig. „Je mehr Menschen im Umfeld Bescheid wissen, desto besser“, sagt sie. Grundsätzlich sei das Verständnis für die Betroffenen in der Bevölkerung gewachsen, aber leider gebe es nach wie vor Familien, die gar keine Diagnose anstreben, die das Thema trotz eindeutiger Signale lieber verschweigen und verschleiern.

„Küssen hilft immer.“
Ehemann einer Pflegebedürftigen

Petra Dlugosch rät unbedingt zum Dialog, zur Offenheit. „Ich lerne bei solchen Gesprächen auch immer etwas dazu“, versichert sie. „Küssen hilft immer“, meinte ein Ehemann, der seine Frau pflegt. „Und loben.“ In schwierigen Situationen versichert er seiner demenzkranken Frau, dass sie die Beste sei. „Das beruhigt sie.“ Auch wenn es den pflegenden Angehörigen sicher nicht leicht fällt.

Mit Humor und Freundlichkeit lässt sich vieles erreichen. „Und man bekommt in der Regel selbst bessere Laune“, sagt Dlugosch. Die Gesprächsrunde soll auch so etwas wie eine Kontaktbörse sein. Wer weiß: Vielleicht kann man sich untereinander helfen – zumindest mit Ratschlägen für eine Aufgabe, die so manchen Angehörigen an die Grenzen seiner Geduld und Kraft bringt.

Gesprächsgruppe

Termin: Jeden dritten Mittwoch im Monat in der Fachstelle für pflegende Angehörige in der Paul-Eber-Straße 16 in Kitzingen. Von 18 bis 19.30 Uhr. Weitere Infos: Caritasverband, Tel. 09321/22030.
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren