KITZINGEN

Hemmschwellen überwinden

Am 3. Oktober lädt die Gemeinde der "Neuen Moschee Kitzingen" dazu ein, die Moschee von innen anzuschauen.
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Safiye Klein freut sich auf viele wissbegierige Besucher der Moschee. Fotos: DIANA FUCHS/ Safiye Klein Foto: Diana Fuchs
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Wo ist unsere Heimat? Dort, wo wir geboren wurden? Dort, wo wir uns wohlfühlen? Dort, wo unsere Lieben sind? Das Motto des landesweiten Aktionstags TOM – Tag der offenen Moschee – ist spannend. „Menschen machen Heimat/en“ heißt es am Donnerstag, 3. Oktober, auch in der Neuen Moschee in Kitzingen-Etwashausen.

Rund 2000 Muslime leben derzeit im Raum Kitzingen. Etwa 200 davon sind Mitglied der Gemeinde „Neue Moschee Kitzingen“, sagt Safiye Klein, die Dialogbeauftragte der Gemeinde. Zusammen mit Imam Ismail Güler lädt die gelernte Krankenschwester alle Interessierten ein, am 3. Oktober einen Blick ins Innere der Moschee zu werfen. Wer möchte, kann um 14 Uhr an einer Führung durch das Haus teilnehmen, das seit 2009 als Gebets- und Versammlungsort dient, oder bei einer Tasse türkischem Tee und Gebäck miteinander über „Gott und die Welt“ reden.

Dass der Islam, das Judentum und das Christentum durch ihren gemeinsamen Stammvater Abraham verwandt sind, wissen die meisten Menschen. Auch dass Muslime sich, wie Christen, nach ihrem Tod ein ewiges Leben mit Gott wünschen, ist vielen bekannt. Aber wer weiß schon so richtig Bescheid über den Alltag „der anderen“?

„Es gibt immer noch viele Missverständnisse“, bedauert Safiye Klein. „Vom Kopftuch bis zum Schwimmunterricht existieren noch zahlreiche Vorurteile.“ Die 43-Jährige setzt sich seit vielen Jahren für deutsch-türkischen Dialog ein, denn der Islam in Deutschland und auch in Kitzingen ist vor allem türkisch geprägt. Die Kleinlangheimerin, die Kitzinger Schülern Islamunterricht gibt, möchte die Türen der Moschee weit öffnen: „Es ist gut, sich gegenseitig zu besuchen – als Muslim mal eine Kirche von innen zu sehen und als Christ mal eine Moschee. Dann versteht man vieles besser.“

Der Islam sei nicht einfach nur ein Regelwerk, sondern eine Lebenseinstellung, sagt Safiye, die mit ihrem Mann Thomas drei Kinder hat. Für gläubige Muslime spiele nicht nur das Gebet eine große Rolle – „es gibt fünf tägliche Gebetszeiten und wir versuchen, Gott immer im Herzen zu tragen“ –, sondern sie setzen sich im Alltag auch für Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Friede, Vernunft und Bildung ein, sagt die Dialogbeauftragte. Ein noch immer verbreiteter Irrglaube sei es, dass muslimische Schüler wegen ihres Glaubens nicht am Sport- oder Schwimmunterricht teilnehmen dürften. „Entsprechend gekleidet, ist das überhaupt kein Problem, im Gegenteil: Schwimmen lernen ist sehr wichtig, Sport allgemein natürlich auch.“

Wenn es in einzelnen Fällen Schwierigkeiten gibt, etwa, was die Vorstellungen von „angemessener Bekleidung“ betrifft, vermittelt Safiye Klein gern zwischen Schule und Elternhaus. „Wichtig ist, dass man Lösungen finden möchte. Dann findet man auch welche!“

Deshalb wünscht sich die Kleinlangheimerin, dass zum Tag der offenen Moschee auch viele Lehrer und Familien mit Kindern kommen. „Ich stehe für alle Fragen bereit. Die Menschen können ganz gechillt sein, wir erwarten von niemandem, dass er schon alles über den Islam weiß. Im Gegenteil, wir freuen uns, wenn man uns Fragen stellt!“

Safiye Klein zeigt den Gästen gern den Gebäudekomplex in Etwashausen, in dem sich nicht nur die Wohnung des Imam und seiner Familie, sondern auch Unterrichtsräume, eine Teestube und eine Küche befinden. Religiöser Mittelpunkt ist der Gebetsraum im Obergeschoss.

Bei türkischem Tee und Gebäck können sich alle Interessierten ganz zwanglos austauschen. Wer weiß, vielleicht wird ja auch Jesus Gesprächsthema sein. Er, den die Muslime als Prophet verehren, war jahrelang auf Wanderschaft, doch seine spirituelle Heimat verlor er nie. Das passt gut zum Tagesmotto „Menschen machen Heimat(en)“. Der Koordinationsrat der Muslime, der diesen Titel heuer gewählt hat, schreibt dazu: „Wir Muslime in Deutschland stehen für einen unverkrampften Umgang mit dem Thema Heimat… Für Muslime ist die Erde das Erbe der gesamten Menschheit, unabhängig vom kulturellen oder ethnischen Hintergrund. Es ist unser aller Aufgabe und Verantwortung, sie zu pflegen und zu bewahren.“

„Gegen Rassismus“

Am 3. Oktober können alle Interessierten die Moschee in der Oberen Neuen Gasse 11A in Kitzingen-Etwashausen besichtigen. Eine kostenlose Führung mit Safiye Klein gibt es um 14 Uhr. Gegen 16.30 Uhr laufen die Mitglieder des Vereins „Neue Moschee für Kitzingen e.V.“ in Richtung Marktplatz, wo sie sich der Mahnwache des Arbeitskreises Ge(h)wissen „Gegen Rassismus“ anschließen wollen. Diese Kundgebung mit dem evangelischen Pfarrer Hanjo von Wietersheim beginnt um 17 Uhr. (ldk)
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