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KITZINGEN

Helfer im Dienste der Demokratie

Ein Ehrenamt, zu dem man zwangsverpflichtet werden kann: 240 Wahlhelfer sind bei der Kommunalwahl in Kitzingen im Einsatz.
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Landtagswahl Saarland
Für die Wähler ist die Arbeit getan, wenn sie ihre Stimmzettel in die Wahlurne werfen. Anders für die Wahlhelfer: Sie müssen noch Stunden nach der Schließung der Wahllokale die Stimmen auszählen. Foto: Foto: Uwe Anspach dpa/Archiv

Wo sie den 15. März verbringen wird? Das weiß Erika Eichinger schon lange: im Wahllokal. Die Kitzingerin ist Wahlhelferin – „bestimmt schon seit 20 Jahren“. Weil sie sich gerne engagiert, politisch interessiert ist und es wichtig findet, für die Demokratie Verantwortung zu übernehmen.

Wer steht in den nächsten sechs Jahren an der Spitze der Stadt und des Landkreises? Welche Frauen und Männer sitzen im Stadtrat, wer im Kreistag? Darüber bestimmen die Bürger bei der Kommunalwahl im Wahllokal oder per Briefwahl. Aus mehreren hundert Kandidaten können sie die 30 künftigen Stadträte und die 60 künftigen Kreisräte heraussuchen. Aufmerksamkeit ist da gefragt, damit die Kreuze an der richtigen Stelle gesetzt werden. Aufmerksamkeit aber nicht nur von den Wählern, sondern vor allem auch von den Wahlhelfern. Denn die sind dafür verantwortlich, dass die Wahl vorschriftsmäßig abläuft und die Stimmen nach Schließung der Wahllokale am 15. März um 18 Uhr richtig ausgezählt werden.

Astrid Haaf ist Leiterin des Einwohnermeldeamtes bei der Stadt Kitzingen und für den Bereich Wahlen zuständig. 240 Wahlhelfer braucht sie für die Kommunalwahl, damit die 30 Wahllokale mit jeweils acht Personen besetzt sind. Dem Wahlvorstand gehören jeweils Wahlvorsteher, Schriftführer und Beisitzer an. Momentan hat Astrid Haaf die nötige Helferzahl zusammen, aber weil es durchaus passieren kann, dass noch jemand abspringt oder krank wird, ist sie froh, wenn weitere Freiwillige sich melden, um notfalls einzuspringen.

Ganz freiwillig ist der Job des Wahlhelfers allerdings nicht für jeden. Es handelt sich um ein verpflichtendes Ehrenamt, das nicht abgelehnt werden darf. Fragt also Astrid Haaf jemanden, ob er Wahlhelfer wird, muss der zustimmen. Die meisten Helfer rekrutiert sie aus dem öffentlichen Dienst, aus der Stadtverwaltung und aus anderen Behörden, die Mitarbeiter aus Kitzingen haben – wie Landratsamt oder Finanzamt, nicht nur in Kitzingen, sondern auch in Schweinfurt oder Würzburg. Die Zahl der Bürger, die sich darüber hinaus tatsächlich ganz freiwillig als Wahlhelfer meldet, bezeichnet Astrid Haaf als „verschwindend gering“.

Erika Eichinger ist eine von ihnen. Seit etwa zwei Jahrzehnten sitzt sie bei Wahlen regelmäßig in einem der Wahllokale. 18 Wahllokale gibt es in der Stadt Kitzingen und ihren Stadtteilen, dazu kommen zwölf Briefwahlbezirke. „Ich bin Stimmkreis 1, im Paul-Eber-Haus“, sagt Eichinger. Ob sie die erste Schicht von 8 bis 13 Uhr, oder die Nachmittagsschicht bis 18 Uhr übernehmen wird, weiß sie noch nicht, das wird noch eingeteilt. Klar ist auf jeden Fall, dass sie ab 18 Uhr nochmal mit anpacken wird, denn beim Auszählen sind alle Helfer dabei.

Wenn sie anderen erzählt, dass sie regelmäßig bei Wahlen hilft, trifft sie oft auf Unverständnis, erzählt Erika Eichinger. „Das wär nichts für mich, das wäre viel zu langweilig“, bekomme sie da häufig zu hören. Dem allerdings widerspricht sie: Der Dienst sei überhaupt nicht langweilig, sondern sehr spannend, findet die Kitzingerin. „Dabei kommt man mit Bürgern zusammen, die man noch nicht kennt. Und man übernimmt Verantwortung.“ Als Beisitzer, noch mehr aber als Wahlvorsteher oder als Schriftführer.

Am Wahltag Briefwahl nur im Rathaus abgeben

Am Donnerstag vor der Wahl hält die Stadt eine Schulung für die Wahlhelfer ab, bei der noch einmal genau erklärt wird, was diese zu tun und worauf sie zu achten haben. Dass sie unparteiisch sein müssen, nennt Astrid Haaf ein Beispiel, wie sie bei eventuellen Störungen reagieren, wie ausgezählt wird, wann Stimmzettel ungültig sind. Erika Eichinger und die anderen Wahlhelfer prüfen beispielsweise, ob der Wähler überhaupt im richtigen Wahllokal ist. „Manchmal müssen wir auch jemanden weiterschicken, weil er einem anderen Stimmkreis angehört“, erzählt die Kitzingerin.

Mit ziemlicher Sicherheit werden sie und ihre Kollegen in diesem Jahr am Wahltag auch auf Briefwähler treffen, die im Wahllokal ihre Unterlagen abgeben wollen. Eine Partei hat nämlich in ihrem Prospekt verbreitet, dass es möglich sei, am 15. März die Briefwahlunterlagen im Wahllokal abzugeben. „Das ist nicht richtig“, betont Astrid Haaf. „Briefwahl muss immer im Rathaus abgegeben werden!“

Dass es eine große Zahl von Briefwählern geben wird, steht aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Jahre fest. Viele Bürger wählen lieber in Ruhe zuhause, zumal die Stimmzettel bei der Stadtratswahl und der Kreistagswahl riesig sind. Bei der Stadt stehen zehn Parteien auf dem Stimmzettel, viele davon haben 30 Bewerber auf ihrer Liste, denn so viele Stadträte werden gewählt. Bei der Kreistagswahl sind noch mehr Kandidaten, denn dort gibt es 60 Kreisräte aus zehn Listen zu wählen. In den Wahllokalen hängen die Musterwahlzettel aus, damit sich die Wähler orientieren können, bevor sie in der Wahlkabine ihre Kreuze setzen. „Manche bringen auch einen Zettel mit, auf dem sie notiert haben, wen sie wählen wollen“, sagt Astrid Haaf. Wobei die Wahlhelfer und der Wahlvorsteher natürlich ein besonderes Auge darauf haben müssen, dass dieser Zettel dann nicht versehentlich in der Urne landet. Ebenso wie der Wahlzettel für die Landratswahl nichts in der Urne für die Oberbürgermeisterwahl verloren hat.

Sind die Wahllokale geschlossen, geht es ab 18 Uhr ans Auszählen. Zunächst wird die Landratswahl ausgezählt, danach die Oberbürgermeisterwahl. Beide Wahlen werden in den Wahllokalen und per Hand ausgezählt. Anschließend geht der gesamte Wahlvorstand mit den Urnen, in denen sich die Stimmzetteln für Stadtrat und Kreistag befinden, ins Rathaus, wo mit Hilfe des QR-Codes per Scannerstift ausgezählt wird. Beide Wahlen sind in einer Nacht allerdings nicht zu schaffen, so dass das Auszählen am Montag nach der Wahl weitergeht – das Rathaus wird deshalb den halben Tag, das Einwohnermeldeamt den ganzen Tag geschlossen sein.

Wahlergebnisse: Die Schnellmeldungen zur Oberbürgermeister- und Stadtratswahl werden wie in den vergangenen Jahren im Rathaus über Beamer übertragen und sind im Internet abrufbar.

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