KITZINGEN

Heißer Arbeitsplatz

Saunameister kommen nicht nur beim Aufguss ins Schwitzen. Der Job von Tobias Bräuninger und Alicja Herbert im aqua-sole in Kitzingen ist auch ansonsten schweißtreibend.
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Bereit zum Aufguss: Tobias Bräuninger und Alicja Herbert vor einer der Außensaunen im aqua-sole. Fotos: Ralf Dieter Foto: Ralf Dieter
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Sie haben den schweißtreibendsten Job in Kitzingen. Tobias Bräuninger und Alicja Herbert sind Saunameister im aqua-sole. Der Beruf ist vielseitiger als die meisten Gäste denken.

Mit dem Handtuch wedeln und den Saunagästen einen schönen Tag wünschen? Damit ist es längst nicht getan. Tobias Bräuninger hat vor zwei Jahre die Fortbildung zum Saunameister absolviert. Zwei Wochen dauerte der Kurs im Allgäu. Ein Angebot des Deutschen Saunabundes. „Das war ganz schön kompakt“, erinnert sich der Kitzinger. Wie ist eine Sauna aufgebaut? Welches Holz und welche Steine werden verwendet? Was genau passiert bei einem Aufguss? Und wo befinden sich eigentlich die Luftfeuchtzonen? Viele Fragen gab es zu klären. „Am wichtigsten war der medizinische Aspekt“, erinnert er sich.

„Unser Fokus liegt darauf, die Gesundheit anzuregen.“
Tobias Bräuninger, Saunameister

Das Letzte, was ein Saunameister will, sind Gäste, die in der Sauna kollabieren. „Wir beobachten unsere Besucher deshalb genau“, erzählt Alicja Herbert. Zeigt jemand Anzeichen eines Fiebers, darf er auf keinen Fall in die Sauna. „Da ist der Körper eh schon geschwächt und kann die zusätzliche Belastung nicht mehr verarbeiten.“ Die allermeisten Besucher wissen Bescheid, medizinische Hilfe müssen die beiden so gut wie nie leisten. „Die Leute kommen ja auch zu uns, weil sie etwas für ihre Gesundheit tun wollen“, sagt Bräuninger und lacht. Der Saunagang alleine reiche dafür aber nicht aus.

Wechselbäder sind empfohlen, sie trainieren die Arterien und Venen. „Die brauchen den Kalt-Warm Reiz.“ Um den Kreislauf in Schwung zu bekommen, sollte dem Saunagang ein Gang über den Steg folgen. Erst dann ist Ruhe empfohlen.

Sechs Saunameister sind derzeit im aqua-sole tätig, dazu kommen Aushilfen. Sie betreuen rund 50.000 Gäste im Jahr. Acht Stunden dauert jede Schicht. „Wir sind immer zu zweit unterwegs“, erklärt Bräuninger. Sechs unterschiedliche Saunen gibt es im aqua-sole, jede Stunde findet irgendwo anders ein Aufguss statt. Der will vor- und nachbereitet sein. Im kleinen Saunameister-Büro öffnet Tobias Bräuninger den Kühlschrank. Mehr als 30 Fläschchen mit ätherischen Ölen und anderen wohltuenden Substanzen stehen da. „Jedes wirkt anders auf den Körper“, weiß Alicja Herbert. Lavendel beruhigt, Zitrone und Orange erfrischen und reinigen. Zimt regt das Immunsystem an. „Die Wirkung ist aber ganz individuell“, sagt sie. Jeder Gast reagiert ein bisschen anders.

Das gilt auch hinsichtlich der unterschiedlichen Wedelhilfen. Vom Handtuch über die Fahne bis hin zu Fächern und Naturquasten reicht die Palette. Da geht es zum Einen um die Optik, zum Anderen aber auch darum, die warme Luft und die Duftteilchen ideal durch den Raum zu bewegen. Je größer die Fläche der Wedelhilfe, desto weniger Kraft braucht der Saunameister. „Mit unserer Technik wollen wir dazu beitragen, dass die Schutzschicht auf der Haut für einen Moment aufgerissen wird“, erklärt Bräuninger. Denn dann kann er kommen, der Augenblick der Hitze, auf den die Saunagäste alle warten.

„Unser Fokus liegt darauf, die Gesundheit anzuregen“, erklärt Bräuninger. Komplizierte Techniken, bei denen das Handtuch herumgeworfen und hinter dem Rücken wieder aufgefangen wird, werden selten gewünscht. „Die meisten unserer Gäste wollen Ruhe“, freut sich Herbert. Und sie genießen eine aufmerksame Betreuung.

Nach den Aufgüssen reichen die Saunameister Obst, Vitamine oder schon einmal einen heißen Tee. Alle 45 Minuten macht sich einer von ihnen auf den Weg zu einem Kontrollgang und fragt, ob es den Gästen in den Saunen gut geht. „Natürlich halten wir auch die Ruheräume und die Saunen sauber“, erklärt Herbert. Viel Zeit investieren sie in die Gästebetreuung, stehen für Fragen und Anregungen zur Verfügung. „Die Leute können jederzeit zu uns kommen und uns fragen“, lädt sie ein.

Im Herbst und Winter ist erwartungsgemäß am meisten los. Viele kommen am Wochenende oder nach der Arbeit. Der Vormittag ist in aller Regel den Rentnern vorbehalten. „Zu tun gibt es aber immer was“, sagt Bräuninger und schaut auf die Uhr. Zehn vor Zehn. Der nächste Aufguss steht an. Höchste Zeit für die Vorbereitung. Er will nicht unnötig ins Schwitzen kommen.

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