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"Hauptsache, dass keiner allein ist!"

Die 28-jährige Margarita Mäder-Schmidt knüpft ein Weihnachtsnetz: Alleinstehende und Familien werden zu Festgesellschaften
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Alle Generationen zusammen: So soll das an Weihnachten sein, findet Margarita Mäder-Schmidt (hinten rechts). Foto: Foto: MÄDER
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Kurz vorm Einschlafen kreisten ihre Gedanken wieder einmal um Gespräche, die sie tagsüber geführt hatte. Nun fasste sie einen Entschluss: Heuer soll an Weihnachten niemand allein und traurig sein. Dafür will Margarita Mäder-Schmidt vom Roten Kreuz Kitzingen persönlich sorgen.

Die 28-Jährige will alleinstehende Senioren mit Gleichgesinnten und Familien, denen vielleicht die „ältere Generation“ fehlt, zusammenbringen – und sie will auch selbst Senioren zum Feiern zu sich nach Hause einladen. Deshalb appelliert sie sowohl an Alleinstehende als auch an Familien: „Bitte meldet Euch bei mir! Ich schaue dann, wer zu wem passt, und vermittle den Kontakt.“

Margarita Mäder-Schmidt hat täglich mit älteren Menschen zu tun. Sie ist beim BRK Kitzingen zuständig für den Hausnotruf – also den „roten Knopf“, den Senioren zum Beispiel am Armgelenk tragen und im Notfall drücken können; automatisch wird dann medizinische Hilfe angefordert.

„Wenn ich mit Senioren spreche, merke ich oft, dass viele allein sind, obwohl sie das nicht wollen“, sagt die BRK-Sachbearbeiterin für Soziale Dienste. „Erst kürzlich hat mir wieder eine Dame erzählt, dass es ihr vor Weihnachten graust, weil sie über die Feiertage keinen Besuch bekommt.“

Dabei sollte sich am Christfest doch eigentlich jeder freuen – findet zumindest Margarita Mäder-Schmidt, die ein bekennender Weihnachts-Fan ist: „Ich habe schon Plätzchen gebacken und alles schön geschmückt. Ich mag diese kuschelige Atmosphäre und möchte meine Freude gern teilen.“

Im Hause Mäder-Schmidt in Kitzingen wird mit der ganzen Familie gefeiert: mit Oma, Mutter, Mann und Kind. „Und heuer hoffentlich mit zwei, drei Senioren als Ehrengästen.“ Margarita Mäder-Schmidt sagt: „Es wäre super, wenn Alleinstehende zu uns kämen. Ich bin sicher, dass das eine Bereicherung für beide Seiten ist.“

Senioren und Kinder zusammen

Die junge Mutter freut sich jetzt schon darauf, dass in der Christnacht gemeinsam gespielt und gesungen wird und „dass sicher viele tolle Gespräche entstehen“. Auch ihr Sohn Milan, neun Jahre alt, sei schon sehr gespannt: „Er mag es, wenn Senioren ihm Geschichten erzählen, zum Beispiel will er immer wissen, wie dies und das früher war.“

Generell hat Margarita Mäder-Schmidt die Erfahrung gemacht, dass Senioren und Kinder ein „Dream-Team“ sind: „Eigentlich müssten die beiden Generationen viel mehr miteinander unternehmen, denn davon profitieren sowohl die alten als auch die jungen Menschen.“

Milan gehe zum Beispiel auch sehr gerne mit zu den Seniorennachmittagen im BRK-Haus. Diese Nachmittage hat Mäder-Schmidt heuer im Sommer ins Leben gerufen. Seit Juni gibt es einmal pro Monat im BRK-Saal in der Schmiedelstraße einen Senioren-Treff zu einem bestimmten Thema. Bei Kaffee und belegten Brötchen kommen die Menschen miteinander ins Gespräch.

„Nicht alle älteren Menschen haben Kinder und Enkel – und wenn, dann leben die oft nicht in der Nähe“, weiß Margarita Mäder-Schmidt. Doch Kommunikation mit anderen Menschen sei für jeden wichtig. Und zwar ganz speziell an Weihnachten, dem „Fest der Liebe“, das doch so leicht zu einem Fest der Enttäuschung werden könne. „Natürlich ist es für manche Senioren schwer, Kontakte zu knüpfen, zum Beispiel wenn der Partner erst gestorben ist. Aber gerade, weil das manchmal so schwer ist, hoffe ich, dass sich viele einen Ruck geben und sich bei mir melden, wenn sie das Alleinsein an den Weihnachtstagen fürchten. Oder wenn sie es einfach satt haben, alleine zu sein.“

Ein Steckbrief für jeden

Was aber, wenn sich Hunderte melden? Besteht nicht die Gefahr, dass die Aktion ihr über den Kopf wächst? Margarita Mäder-Schmidt weiß um die Unwägbarkeit: „Wenn ganz viele Menschen meinem Aufruf Folge leisten, dann werden sich bestimmt auch viele Familien finden, die gerne jemanden einladen möchten.“

Mäder-Schmidt hat sich vorgenommen, für alle eine Art Steckbrief zu erstellen und so die idealen Kombinationen zu finden. „Wenn die Gruppe in Kitzingen zu groß wird, um privat zu feiern, können wir einfach den BRK-Saal nutzen. Und wenn sich in anderen Städten und Dörfern Gruppen bilden, die miteinander feiern, ist das auch super. Hauptsache, dass keiner allein ist!“

Mal mit anderen feiern

Weihnachts-Einladungen: Alle Alleinstehenden, die Weihnachten nicht alleine feiern möchten, und alle Familien, die gerne Gäste aufnehmen wollen, können sich ab sofort täglich von 9 bis 13 Uhr bei Margarita Mäder-Schmidt melden melden: entweder persönlich in der Schmiedelstraße 3

in Kitzingen, per Telefon unter 09321/210314 oder per Mail:

maeder@kvkitzingen.brk.de

Seniorentreff: Der nächste Seniorennachmittag des BRK Kitzingen findet am Mittwoch, 27. November, von 14 bis 17 Uhr im BKK-Haus (Schmiedelstraße 3, Kitzingen) statt. Das Thema des Tages lautet: „Früher war alles anders“.

Bei belegten Brötchen können Geschichten aus Kindheit und Jugend ausgetauscht werden. Margarita Mäder-Schmidt fragt zum Beispiel: „Mit welcher Musik seid Ihr aufgewachsen? Wie war Euer Alltag? Was hat Euch geprägt?“

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