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LANDKREIS KT

Grüner Daumen, kühler Kopf

Die wichtigen Worte beginnen mit dem Buchstaben r: „Refuse, reduce, reuse, repair, recycle, rot", zählt Mechthild Engert auf. Die Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege macht deutlich: Wer klimagerecht gärtnern möchte, muss vermeiden, reduzieren, wiederverwerten, reparieren, recyceln und kompostieren. Ob ein Garten wild gestaltet oder penibel gepflegt ist – wie nachhaltig das kleine Paradies ist, zeigt oft erst ein zweiter Blick.
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Ob wild gestaltet oder penibel gepflegt: Gartenliebhaber gestalten ihre Gärten völlig unterschiedlich. Wie nachhaltig das Paradies tatsächlich ist, zeigt oft erst ein zweiter Blick. archiv Foto: Foto: Mechthild Engert
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Die wichtigen Worte beginnen mit dem Buchstaben r: „Refuse, reduce, reuse, repair, recycle, rot", zählt Mechthild Engert auf. Die Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege macht deutlich: Wer klimagerecht gärtnern möchte, muss vermeiden, reduzieren, wiederverwerten, reparieren, recyceln und kompostieren. Ob ein Garten wild gestaltet oder penibel gepflegt ist – wie nachhaltig das kleine Paradies ist, zeigt oft erst ein zweiter Blick.

„Ein richtiger Garten ist

die Harmonie von Natur und Kultur.“

Hubert Markl, Biologe und Forscher

Die Tage werden länger, die Natur erwacht aus dem Winterschlaf. Viele Menschen nutzen die Zeit, um ihre Gärten auf Vordermann zu bringen. In Zeiten von steigenden Temperaturen und zunehmender Trockenheit achten immer mehr Gartenbesitzer dabei auch auf den Klimaschutz. „Jeder Garten ist gestaltet“, erinnert die Kitzinger Kreisfachberaterin Mechthild Engert. Ohne menschliches Handeln wären weite Teile mit Wald bedeckt. Daher gilt: kein Garten ohne Gärtner.

Die Gartenkultur hat eine lange Geschichte: Schon zu Zeiten der neolithischen Revolution, zu Beginn der Jungsteinzeit, begannen die Menschen damit, sich nicht mehr mit dem zu begnügen, was die Natur von sich aus bot. Sie waren nicht länger nur Jäger und Sammler, sondern wurden sesshaft, Acker- und Pflanzenbau kamen auf. Menschen erschlossen sich immer neue Lebensräume, immer mehr Menschen konnten sich von den Früchten ihrer Arbeit ernähren. Pflanzen- und Tierarten folgten den Bauern und Gärtnern. Als es nur Wald gab, sei die Artenvielfalt relativ gering gewesen, erklärt Engert. Mit dem Ackerbau und den späteren Reisen zwischen den Kontinenten kam mehr und mehr dazu. So wurden beispielsweise schon um 1680 in der Orangerie im Gaibacher Schlossgarten Zitronen, Orangen und Ananas angebaut – eine Entwicklung, die sich auch aufs Tierreich auswirkte.

„Der Höhepunkt des Artenspektrums war um 1880 erreicht. Seitdem sinkt es stark, weil sich die Lebensräume stark vereinfachen. Wir leben überall auf der Erde immer ähnlicher.“ Eine Vielfalt der Nutzungen ist es also, die dem Artenschutz tut gut. Die kann und muss aber nicht alleine im eigenen Garten geboten werden.

Es gilt, über die eigenen paar Quadratmeter hinaus zu blicken. Die Gärten nebeneinander sind grüne Streifen, die sich durch die Siedlungen ziehen. Sie bilden größere Lebensräume. Und das auch nur für bestimmte Arten. „Für Hamster und Wiesenweihe können wir in unserem Garten nichts tun“, stellt Engert klar. Wer einen arten- und klimafreundlichen Garten nur mit dem Gedanken an viele bunte Blüten verbindet, der denkt zu kurz. Es gebe auch wichtige Pflanzen oder Standorte, die nicht unbedingt attraktiv aussehen, wie Löcher für Erd- oder Sandbienen. Gerade auf sandigen Böden böten sich keine spektakulären Garten-Bilder. „Aber dort gibt es spektakuläre Arten.“

„Ein richtiger Garten ist die Harmonie von Natur und Kultur“, zitiert die Gartenfachberaterin den Biologen, Forscher und Wissenschaftspolitiker Hubert Markl. Es gehe nicht nur um Effizienz, sondern auch um Schönheit, nicht nur um Ökologie, sondern auch um Ökonomie und um Soziales. Man müsse sich überlegen, wofür man den Garten nutzen wolle: zum Anbauen, als Treffpunkt für die Familie, zur Erholung... Darauf gelte es, sein Handeln abzustimmen. Der eine möchte beispielsweise eine Wiese, der andere viele Obstbäume, der dritte nur Stauden, der vierte Gemüse anbauen. Welches Ziel man dabei auch hat: Man sollte sich immer an den „R“-Worten refuse, reduce, reuse, repair, recycle, rot orientieren, so Engert.

Der wesentliche Schritt für klimagerechtes Gärtnern beginne dabei schon bei der Planung: Welche Materialien werden verwendet – wo kommt das Holz für das Hochbeet her, kann ein Sandkasten für die Kinder später zu einem Teich werden? Womit werden die Wege gestaltet – vielleicht mit zerkleinerten alten Ziegeln, wie bei der Würzburger Gartenschau?

Woher werden die Pflanzen geliefert – kommen sie aus der Region? Auf Torf gelte es ganz zu verzichten, denn dafür würden Moore abgebaut, die dann als Lebensraum und als C02-Speicher fehlen.

„Boden ist ein

wertvolles Gut.“

Mechthild Engert, Kreisfachberaterin Gartenkultur

Auch von großen Erdbewegungen rät Engert ab, dadurch werden gewachsene Boden-Strukturen zerstört. „Boden ist ein wertvolles Gut.“ Wo fällt künftig Abfall an und was mache ich damit? Sind für die Gartenarbeiten große Maschinen nötig? Ist eine Terrasse in knalliger Sonne wirklich das Richtige oder sind schattige Bäume nicht doch besser? Könnte man das Haus in heißen Sommern durch eine Fassadenbegrünung kühlen? Es sind viele verschiedene Aspekte, die eine Rolle spielen. Zum Gießen das Regenwasser in Tonnen zu sammeln, sollte selbstverständlich sein – oder man schafft Möglichkeiten zum Versickern, statt das Wasser schnell in die Kanalisation abzuleiten.

Und schließlich ist auch der Nutzgarten ein Aspekt in Sachen Klimaschutz: Wer zuhause anbaut, genießt sonnenreife Tomaten und stets frische Kräuter, die direkt vor der Haustür wachsen – und verbindet dabei das Schöne mit dem Nützlichen. Mechthild Engert: „Das ist der Traum von der Rückkehr ins Paradies, den Garten.“