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KITZINGEN

Große Putzaktion im Hallenbad

Zweiwöchige Revision: Das Aqua-Sole wird fit gemacht für die nächste Saison
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Raus mit dem Wasser: Rainer Trabert, der für die Technik zuständige Schwimmmeister, hat quasi „den Stöpsel gezogen“ und ein Becken nach dem anderen geleert. Foto: Daniela Röllinger
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Wärmetauscher Außenbecken, Lüftung, Soleleitung, drei Mal Wasserleitung, Filtratwasserleitung, Luftleitung, Schwallwasserleitung, Attraktionsleitung... Rainer Trabert fasst ein Rohr nach dem anderen an und erklärt im Schnelldurchlauf. Er hat den Durchblick in der verwirrenden Rohr-Unterwelt des Aqua-Sole in Kitzingen.

„Wegen Revision geschlossen“: Ein großes Plakat weist die Besucher auf dem Platz vor dem Kitzinger Hallenbad darauf hin, dass momentan nicht die Schwimmer die Hauptrolle im Aqua-Sole spielen, sondern die Menschen, die sich um Technik und Reinigung kümmern. Einmal im Jahr schließt das Hallenbad samt Sauna für zwei Wochen und dann heißt es: Raus mit dem Wasser, Putzen, Reinigen, Überprüfen, Reparieren, rein mit dem Wasser. Für die 14 Arbeitskräfte gibt es allerhand zu tun.

„Vorsicht, Kopf!“ Immer wieder weisen Verena Dambach, Betriebsleiterin des Aqua-Sole, und der für die Technik zuständige Schwimmmeister Rainer Trabert auf Rohre und Leitungen hin, die von der Decke tief in den Raum ragen. Beide kennen die kritischen Ecken aus dem Effeff, schließlich sind sie häufig in den Bereichen unterwegs, die der Schwimmer nie zu sehen bekommt, die aber eine wesentliche Rolle für den Betrieb des Hallenbades spielen.

Gegen 21 Uhr haben die letzten Gäste am 30. Juli das Bad verlassen und schon kurz danach hat Rainer Trabert „den Stöpsel gezogen“. In Aufführungszeichen natürlich, denn es sind keine riesigen Gummipropfe, die die Becken verschließen. Trabert legt große Hebel an den Rohren um, dann kann das Wasser abfließen. Etwa 800 Kubikmeter hat er aus Schwimmer-, Nichtschwimmer-, Außen- und Babybecken abgelassen. Bis Mittwochfrüh hat es gedauert, dann war auch das letzte Becken leer. Platz für die Truppe, die Becken, Boden, Fliesen und Wände schrubbt, kleine Schäden ausbessert, die Technik kontrolliert.

Trabert weiß genau, welche Leitung im Wirrwarr an der Decke des Bereichs unterhalb der Becken wohin führt. Die Attraktionsleitungen zum Beispiel sorgen dafür, dass die Badegäste sich an den Nackenduschen und den Massagedüsen entspannen können, dass es beim Klettergerüst lustig spritzt und die Rutsche mit Wasser geflutet ist. „Manches kann man nicht machen, wenn Wasser in den Becken und Rohren ist“, erklärt Rainer Trabert. Zum Beispiel die kaputte Klappe auswechseln, die dafür verantwortlich war, dass eine der Brodelbänke im Nichtschwimmerbecken nicht funktioniert hat. Jetzt wird sie repariert.

Beim Gang durch die „Unterwelt“ zeigt der Schwimmmeister auf eine Öffnung unterhalb der vielen Rohre: Da geht es hinein in den Schwallwasserbehälter. Dort hinein fließt das Wasser, das oben aus den Becken schwappt. Normalerweise ist er mit einem riesigen Glasdeckel verschlossen, jetzt, zur Revision ist er geöffnet. „Da müssen wir auch rein und ihn putzen.“ Hier hilft, wie so oft bei den großen Säuberungsarbeiten, ein Hochdruckreiniger. Auch die Filter werden ausgewechselt, sowohl die für die Luft als auch die fürs Wasser. Mehrere riesige blaue Behälter stehen für die Wasserreinigung in den Katakomben des Bades. Einer ist jetzt leer, nur Sand ist am Boden zu sehen. Zwei Kubikmeter kleiner Kohlestückchen hat Trabert mit seinem Kollegen aus dem Behälter geschaufelt, so dass Platz ist für die neuen Kohle-Filter.

Auch in der Saunalandschaft sind fleißige Hände am Werkeln. Zwei Aufgusssaunen bekommen neue Bänke – Lars Sattes von Holzbau König baut sie ein. In den anderen Saunen werden die Bänke ausgebaut und geputzt. „Auch das Holz muss ja sauber gemacht werden“, sagt Verena Dambach. Wasserdampf, Düfte, schwitzende Menschen – das alles setzt dem Material in den vier Außen- und zwei Innensaunen zu.

Im Ruheraum beraten drei Frauen über die Vorhänge: Die müssen abgenommen und gewaschen werden, dann wieder aufgehängt. Aufgrund der Höhe des Raumes und der Größe der einzelnen Vorhangteile, vor allem aufgrund der unzähligen kleinen Rollen, die am Stoff befestigt sind, ist das keine einfache Aufgabe. Auch Kissen, Decken, Matten und Polster werden gereinigt. Das geschieht zwar das ganze Jahr über regelmäßig, dann allerdings Stück für Stück. „Jetzt geht alles auf einmal. Da sieht man Sachen, die man sonst vielleicht nicht bemerkt. Und wir können auch andere Mittel einsetzen“, sagt Sabine Wagner. Sie ist eine der Frauen, die das ganze Jahr über für die Reinigung in der Sauna zuständig sind. Überhaupt setzt Dambach während der Revision auf das bewährte Team, das sich auskennt im Aqua-Sole. Man kennt sich, alle haben Spaß bei der Arbeit. Ein Vorteil, wenn man darüber nachdenkt, wie viel Arbeit in den zwei Wochen erledigt werden muss. Hinter jeder Tür, in jedem Gang, zählt Verena Dambach noch etwas auf, über das der Besucher nicht nachdenkt. Die Kleiderbügel zum Beispiel. Knapp 400 Kleider-Schränke gibt es im Hallenbad, in der Sauna nochmal etwa 200. In jedem hängt mindestens ein Bügel, weitere gibt es in den Umkleidekabinen. „Das sind schon ein paar Bügel, die abgewaschen werden müssen“, sagt Verena Dambach lachend. Genauso wie die Lampen und Lüftungsabdeckungen, die Kücheneinrichtung, sämtliche Einrichtungsgegenstände in allen Bereichen. Die Liste ist schier unendlich, doch am 12. August muss alles fertig und wieder am Platz sein – denn dann kommen die Schwimmer und Saunabesucher zurück.

Weitere Fotos von den Revisionsarbeiten sowie vom neuen, transportablen Lifter, der Zugang zu allen Becken verschafft, finden Sie online unter www.infranken.de. Über die 40-jährige Geschichte des Kitzinger Hallenbades, das 1977 eröffnet wurde, lesen Sie auf:

-> Lokales Seite 12

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