HÜTTENHEIM

Gold im Garten: Junge Künstlerin lädt ein

Charlotte Seebeck will mit Menschen ins Gespräch kommen - Einfach hingehen und anschauen
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Was ist Kunst? Die 26-jährige Charlotte Seebeck hat darauf eine schöne Antwort: „Jeder erfährt Kunst ganz automatisch, jeder auf seine eigene Art.“ Es gehe gar nicht darum, ob man Kunst versteht oder nicht. Wenn man sie einfach auf sich wirken lasse, reiche das schon. Die gebürtige Fränkin, die seit zwei Jahren in Berlin lebt, lädt Jung und Alt ein, das einfach mal auszuprobieren – in einem Open-Air-Atelier im Garten ihrer Eltern.

Mit ihrem Zwillingsbruder und einer älteren Schwester ist Charlotte „Lotti“ Seebeck in der gleichnamigen Töpferei in Hüttenheim aufgewachsen. Hier, wo sie als Kind „komische Sachen im Garten gebaut und damit herumexperimentiert“ habe, leistet sie nun als Erwachsene ihren Beitrag zur Kulturaktion des Landkreises Kitzingen, den „Gartenzeichen 2018“. Mit Hilfe verschiedenster Materialien und Gegenstände verwandelt sie den Garten der Eltern in eine Oase für Menschen, die sich gerne mal auf die Suche nach „Gold“ – in welcher Form auch immer – machen möchten.

Seit Tagen werkelt sie von früh bis spät im Grünen, um an unterschiedlichen Plätzen verschiedenste „Goldschätze“ zu installieren. Sie bedient sich aus dem reichhaltigen Fundus historischer Gegenstände, die die Eltern im Lauf der Zeit zusammengetragen haben, gestaltet Kostüme, schafft zwischen Bäumen und Blumen neue Blickachsen und Denkanstöße. Sie freut sich, wenn zu ihrer „Performance“, wie sie das Open-Air-Atelier nennt, nicht nur Freunde und Bekannte, sondern auch Fremde kommen. „Ich möchte gerne zum Austausch anregen und bin gespannt, was die Schau bei den Besuchern auslösen und welche Stimmung herrschen wird.“ Lotti geht es darum, „ein Stückchen des Lebenswegs mit den Menschen zu gehen“.

Gestohlener Goldring

Dass ihre Eltern so offen sind und jeder bei ihnen zu Gast sein darf, ist gar nicht so selbstverständlich, angesichts der Tatsache, dass ihnen kürzlich beim „Gartenzeichen“-Schautag in der Töpferei unter anderem alte Münzen und ein historischer Goldring gestohlen wurden. „Der alte Ehering war im Garten ausgestellt gewesen. Meine Eltern hatten ihn bei Bauarbeiten gefunden. Er gehörte einem früheren Hausbewohner und war schön verziert und mit einem Monogramm versehen.“ Dass sie ihr Anwesen trotz des Vorfalls wieder öffnen, erklärt Lotti so: „Klar sind meine Eltern enttäuscht, dass ihr Vertrauen missbraucht wurde. Aber ich würde mich sogar freuen, wenn der Dieb wieder vorbeikäme: Vielleicht sieht er dann aus neuer Perspektive, dass es noch viel wertvollere Goldschätze gibt als einen gestohlenen.“

Apropos Wert: Die 26-Jährige ist generell gespannt, wie ihre Open-air-Kunst in Hüttenheim ankommen wird. „Egal, was passiert, ich fühle mich hier auf dem Land sehr wohl. Hier kann ich ganz frei arbeiten, meinen Ideen ihren Lauf lassen und ein Stück weit auch träumen. Das ist eine schöne Erfahrung.“

Träumen ist generell ein gutes Stichwort. Die junge Künstlerin muss herausfinden, welchen Traum beziehungsweise Lebensentwurf sie verfolgen möchte. Einen Platz an der Berliner Kunstakademie hat sie sicher – aber wird sie ihn auch annehmen? „Ich frage mich, ob ich an der Kunstakademie richtig bin oder ob ich mir Wertschätzung und Austausch an anderen Orten suchen soll.“

Traum: eine inklusive Kunstschule

Bevor sie nach Berlin zog, studierte Charlotte Seebeck in Hildesheim Kulturwissenschaften und belegte Kurse in kreativem Schreiben. Zwei Jahre lang lebte sie danach in London. In der deutschen Hauptstadt arbeitet sie aktuell bevorzugt mit Performern und Theatergruppen zusammen. „Auch Improvisationstanz mag ich.“ Was ihr größter Traum ist, verrät sie nach kurzem Zögern: „Am liebsten würde ich eine neue, inklusive Kunstschule gründen, die noch keinen Ruf hat und in der alle eine Chance haben, unabhängig von Hautfarbe, Alter und Geschlecht.“

Ob sie die Verwirklichung dieses Traums in Angriff nehmen wird? Aktuell kümmert sich Charlotte Seebeck erst einmal darum, dass der Garten ihrer Eltern in Hüttenheim zu einer Kunst-Oase wird.

Info: Das Open-Air-Atelier unter dem Motto „Gold“ im Rahmen der landkreisweiten Kunst- und Kulturaktion „Gartenzeichen 2018“ ist am Donnerstag und Freitag, 2. und 3. August, je von 17 bis 20 Uhr geöffnet. Adresse: Töpferei Seebeck, Hüttenheim 92, Willanzheim-Hüttenheim. Das Gelände ist mit Rollstuhl zugänglich.

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