KITZINGEN

Stadtmuseum:Geduld und Mut sind gefragt

Die Zukunft des Kitzinger Stadtmuseums ist ungewiss. Die CSU hat zu einem Info-Abend eingeladen und wertvolle Anregungen aus Mittelfranken erhalten.
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Angeregte Diskussion über die Zukunft des Kitzinger Stadtmuseums: Klaus Christof, Stefan Güntner und der Bürgermeister von Spalt, Udo Weingart. Foto: Foto: Ralf Dieter
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Die Neugierde hielt sich in Grenzen. Etwa 15 Menschen waren zum ersten „Weinschoppen“ der CSU Kitzingen ins Casa Konrad gekommen. Die allermeisten CSU-Mitglieder. Vielleicht lag es am Thema. Die Zukunft des Stadtmuseums scheint nicht allzu viele Kitzinger zu bewegen.

Wer nicht da war, hat etwas verpasst. Etliche Impulse und Ideen gingen von der Diskussion aus, die Stefan Güntner (CSU) mit seinem Stadtratskollegen von der KIK, Klaus Christof, und dem Bürgermeister der Stadt Spalt, Udo Weingart führte. Spalt stand in Sachen Museum vor mehr als 20 Jahren da, wo die Stadt Kitzingen heute steht: viele offene Fragen, unterschiedliche Ansätze, keine klaren Vorgaben. „Auch bei uns sollte das Stadtmuseum wachgeküsst werden“, erinnerte sich Weingart und empfahl den Kitzingern für den weiteren Weg sowohl Mut als auch Geduld. Die erste Idee zum Museum „HopfenBierGut“ entstand 1996. Bis zur Eröffnung sollten mehr als 15 Jahre vergehen.

Ein längerer Prozess

„Die Ideenfindung war ein längerer Prozess“, berichtete Weingart. Ein Prozess, in den möglichst viele Bürger und Gruppierungen eingebunden waren. Auch externe Hilfe holten sich die Spalter. Die Grundidee lautete: Die Stärken der Stadt sollen mit dem Museum gekoppelt werden. Spalt setzte deshalb ganz auf die Themen Bier und Hopfen. Themen, die auch an anderen Orten der Stadt bespielt werden. Im Einzelhandel werden Merchandising-Artikel angeboten, in Gasthäusern gibt es spezielle Gläser, im Museum selbst werden Verkostungen angeboten. „Nach und nach konnten wir die Bürger mitnehmen“, freut sich Weingart. Mittlerweile habe sich ein Wandel vollzogen – von einem Haus für Gäste hin zu einem Bürgerhaus. 2017 erhielt das „HopfenBierGut“ den Bayerischen Museumspreis.

Ob die Spalter Lösung eins zu eins auf die Kitzinger Verhältnisse übertragbar ist, zweifelten die Zuhörer allerdings an. Im ehemaligen Kornhaus in Spalt, das für rund fünf Millionen Euro umgebaut wurde, sind nicht nur das Museum, sondern auch die Tourist-Info und der Stadtmarketingverein untergebracht. Dort finden Bierseminare und Fortbildungen statt. Die Bürger von Spalt können einen Saal auch für Feierlichkeiten anmieten. Im ehemaligen Kastenhof in Kitzingen würde es schon an den Räumlichkeiten fehlen, außerdem wird die Tourist-Info an der Alten Mainbrücke in Kürze umgebaut.

„Uns fehlt vor allem eine Kernrichtung“, meinte Bürgermeister Stefan Güntner nach dem Vortrag des Spalter Bürgermeisters. Zu viele Themen würden im Kitzinger Stadtmuseum bespielt. Und das Gebäude selbst strahle keine Anziehungskraft aus. „Wir brauchen ein Alleinstellungsmerkmal“, forderte Güntner. Ob es das Thema Weinhandel sein kann? Die Meinungen in der Gaststube waren uneins. Zu viele Museen in der Umgebung würden das Thema Wein schon bespielen.

Weniger ist mehr

In einem Punkt waren sich alle einig: Ein Netzwerk sollte gesponnen werden, möglichst viele Interessenvertreter in das künftige Konzept eingebunden werden. „Dafür müssen wir über Parteigrenzen hinweg denken“, forderte Klaus Christof. Wichtig sei zunächst, die Wertigkeit der bestehenden Objekte zu beurteilen und die Frage zu beantworten, ob das Haus in der Landwehrstraße überhaupt geeignet sei. Das Beispiel Spalt zeige jedenfalls, dass die Konzentration auf ein paar ausgewählte Exponate, die mit modernen Mitteln und interaktive präsentiert werden, zielführender sei als die Präsentation möglichst vieler Ausstellungsstücke. Oder wie es Stefan Güntner ausdrückte: „Lieber ein hochwertiges Exponat als drei Biedermeier-Schränke.“

Rund 16.000 Besucher zählt das Museum in Spalt pro Jahr. Es ist an 305 Tagen geöffnet. „Verlässlichkeit ist ein ganz wichtiger Punkt“, betonte Touristik-Leiterin Stefanie Bojko. Rund 80 Veranstaltungen und 250 Führungen finden pro Jahr statt. Der Umsatz beträgt 190.000 Euro. „Wir sind nach wie vor defizitär“, bekannte Bürgermeister Weingart. Rund 200.000 Euro minus macht das Museum pro Jahr. Eine Summe, die nach den Worten von Stefan Güntner zu verschmerzen sei – bei den Vorteilen, die das Spalter Museum biete.

„Wir sollten eingefahrene Denkmuster verlassen“, wünschte sich Daniel Nagl, Vorsitzender der Jungen Union in Unterfranken und Stadtratskandidat in Kitzingen. Er hat zusammen mit Sabrina Stemplowski ein denkbares Modell für ein künftiges Museumskonzept entwickelt. Im Mittelpunkt der Häcker, der grafisch durch die Stadt führt. Mögliche Orte, die ins Konzept eingebunden werden, sind die beiden Mainpromenaden, die neue Vinothek, die Alte Synagoge und der Bleichwasen. Wetterfeste Ausstellungstafeln zu den Themen Fluss und Schifffahrt sowie zur Rolle des Mains für Weinbau und Hochwasser könnten an den Mainufern aufgestellt werden. In der Vinothek könnte es eine Miniaustellung zum Thema Weinbau geben, im Saal des Kitzinger Rudervereins seien Schnupperkurse zum Bootsbau denkbar. Im Museum in der Landwehrstraße selbst stellen sich die beiden eine interaktive Ausstellung mit historischen Exponaten zu den Themen Weinbau und Weinhandel vor. „Der Schwerpunkt sollte auf museums-pädagogischen Angeboten liegen“, meinte Nagl. Ob diese Ideen irgendwann verwirklicht werden, ist fraglich. Das Stadtmuseum ist seit mehr als einem Jahr geschlossen. Und daran wird sich so schnell auch nichts ändern.

Umfrage zum Museum

Rund 15 Besucher waren zum ersten CSU-Stammtisch gekommen. Sie wurden gebeten, Fragen zum Museum zu beantworten. Das Umfrageergebnis ist natürlich nicht repräsentativ.

92 Prozent der Teilnehmer sind der Meinung: „Ja, Kitzingen braucht ein modernes Stadtmuseum“. Zwei Drittel der Befragten sahen bisher in einem Besuch des Museums noch keinen Mehrwert, 25 Prozent hatten es in den letzten beiden Jahrzehnten „ein bis zwei mal“ besucht. Welche Themen sollten bespielt werden: Main (83%), die Kitzinger Stadtgeschichte (75%), die Weinbau- und Weinhandelsstadt Kitzingen (58%) und zu je 25% das jüdische und amerikanische Leben in Kitzingen. Das Thema Archäologie kreuzte kein Teilnehmer an.

75 Prozent der Befragten sprachen sich für die Kooperation mit anderen Kitzinger Einrichtungen aus. 82 Prozent wollen eine interaktive Museumsgestaltung, die auch Kreativwerkstattangebote enthalten soll.

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